The Chainsmokers: World War Joy

The Chainsmokers: World War Joy

Sony

VÖ: 10.01.2020

 

Wertung: 6/12

 

Fleißig sind sie ja, die beiden Herren, die zusammen als The Chainsmokers einen Hit nach dem anderen abfeuern. Andrew Taggart und Alex Pall verdienen sich ein Fleißkärtchen nach dem anderen. Wie man allerdings auf den selten dämlichen Albumtitel „World War Joy“ kommen kann, bleibt dann ein Rätsel. Bei der ganzen Scheiße, die momentan in der Welt los ist, würde man den beiden gerne diesen Deppentitel um die Ohren hauen. Wie dem auch sei, digital gab es die Geschichte schon im Dezember 2019 zu kaufen. Warum das Werk nun mehr als einen Monat später erst physisch veröffentlicht wird, ist ein weiteres Fragezeichen.

 

Eine Vielzahl der Tracks wurde bereits lange vor der geplanten Albumveröffentlichung ins Netz gestellt und konnte immerhin mehr als 1,3 Millionen Streams generieren. Das Albumformat entspricht ja sowieso nicht mehr dem Zeitgeist und letztlich hört sich „World War Joy“ dann auch eher wie eine Zusammenstellung an und der rote Faden lässt sich nicht unbedingt ausmachen. Wenn es einen gemeinsamen Nenner gibt, dann ist es das Soundgewand. The Chainsmokers sind ein Paradebeispiel für die Popmusik der letzten Jahre. Neuerungen darf man somit auf „World War Joy“ auch nicht erwarten.

 

Der Einstieg mit „The Reaper“ gelingt. Das Duo fällt da auch nicht direkt mit der Tür ins Haus, sondern lässt zunächst ein paar nachdenkliche Töne und gemäßigte Beats los. Das passt perfekt zur Stimme von Amy Stark. Selbstverständlich gibt es wieder – wie bisher auch – wechselnde Features. „Family“ wird von Kygo flankiert. Das ergibt dann ein angesagtes, aber auch nichtssagenden Soundgebräu. Die puertorikanische Songwriterin Sabrina Claudio schafft es „See The Way“ ihren Stempel aufzudrücken. „P.S. I Hope You’re Happy“ hat mit Blink-182 ein richtiges Pfund in der Hinterhand. Die Nummer ist zwar immer noch im Electro-Pop verankert, kriegt aber durch die Radaubrüder einen rockigen Anstrich verpasst.

 

„Takeaway“ und „Call You Mine“ lassen dann allerdings schon ein paar Ermüdungserscheinungen erkennen. Der jeweilige Refrain ist zwar ganz nett, aber die Beats sind dann doch sehr austauschbar und substanzlos. Die beiden Herren können es aber auch alleine und so ist „Kills You Slowly“ der beste Song der Platte. Da werden zwar ein paar Vokalspuren zu viel übereinander gelagert, aber das zieht die Nummer nicht ins Negative. Zeitgemäße Popmusik – nicht mehr und nicht weniger.

 

Fazit: Mit „World War Joy“ gibt es von The Chainsmokers ein Album voller Hits. Eingebettet wird das in angesagte Beats, die den jeweiligen Track zu Electro-Pop der ungefährlichen Sorte machen. Das tut nicht unbedingt weh, ist aber auch nicht nachhaltig - das soll die Musik wohl auch nicht sein. Es soll ja Menschen geben, denen dieser leicht konsumierbare Pop gefällt – von daher alles richtig gemacht!

 

https://www.thechainsmokers.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch