Styx: Crash Of The Crown

Styx: Crash Of The Crown

Universal

VÖ: 18.06.2021

 

Wertung: 7/12

 

Die Band Styx war seinerzeit quasi der Prototyp des Adult Oriented Rock und somit per Definition bei den Hütern des heiligen Musikgrals absolut uncool. Ende der 70er und zu Beginn der 80er verkaufte die Kapelle aber trotzdem ihre Alben wie geschnitten Brot und verdiente sich zu dieser Zeit ein goldenes Näschen. Das ist alles längst Geschichte und mittlerweile ist das alles zwei bis drei Hausnummern tiefer angesiedelt. An den Vorgänger „The Mission“ können sich vermutlich nur noch die eingefleischten Fans erinnern. Selbiger hat nun auch schon wieder vier Jahre auf dem Buckel. Der nun vorliegende Nachfolger „Crash Of The Crown“ wurde übrigens schon vor der Pandemie auf den Weg gebracht.

 

Teile der Band begannen bereits im Herbst 2019 mit den Arbeiten an Teilen, die letztlich das Album ergeben sollten. Der erste Song wurde in Shaws Homestudio in Nashville mit Gowan und Will Evankovich, der Produzent des Albums, ausgearbeitet. Das Ergebnis war schließlich „Common Ground“, ein Song über das Miteinander. Selbiges sollte es bald aber so nicht mehr geben, weil dann die Pandemie auch die Musikwelt auf den Kopf stellte. Dank Quarantäne ging es aber doch irgendwie weiter und Shaws Homestudio wurde Dreh- und Angelpunkt der 15 Songs, die nun „Crash Of The Crown“ darstellen. Shaw ist auch der federführende Songschreiber. Seit 1975 hat er sich da ja schon öfters hervorgetan.

 

Das Ergebnis ist ein Album, welches so auch in den 70ern hätte stattfinden können. Die Keyboardpassagen macht so ja heute keine Rockkapelle mehr. Auch der mehrstimmige Gesang bei „The Fight Of Our Lives“ erinnert mit ganz dickem Ausrufezeichen an die 70er. Queen kommen einem da sogar als Allererste in den Sinn. Mit „Hold Back The Darkness“ gibt es einen Track, der fast mystisch anfängt, sich aber dann noch in Richtung Rock aufschwingt. Die Atmosphäre und Grundstimmung ist hier eher düster gehalten. Der mehrstimmige Gesang macht aus der Nummer etwas Besonderes.

 

Und so geht es munter durch den Gemüsegarten der Rockmusik der Vergangenheit. „Save Us From Ourselves“ lässt ein Gitarrensolo jaulen, während der Titeltrack „Crash Of The Crown“ drei Leadsänger aufbietet und mit einigen Prog-Elementen, wie den Keyboardpassagen und den ständigen Tempowechseln, ältere Musikhörer zu begeistern weiß. „Our Wonderful Lives“ ist allerdings eine Schunkelnummer für den ZDF-Fernsehgarten. „Sound The Alarm“ könnte dann direkt im Anschluss laufen. Herrschaftszeiten, da verkleben ja die Boxen! „Common Ground“ oder das erzählerisch sehr dichte „Long Live The King“ reißen das wieder raus. „Coming Out Of The Sea“ versucht sich noch ein bisschen an einer orientalischen Einleitung, kommt aber schnell zu dominierenden Tastenklängen und mehrstimmigem Gesang zurück. „To Those“ ist ein typischer Styx-Song, der diesen besonderen Klang der Gitarre in das Zentrum stellt. Mit „Stream“ kommen die Herren stilistisch noch mal auf die Albumeröffnung zurück.

 

Fazit: Styx werden mit „Crash Of The Crown“ ganz sicher keine jungen Leute hinter dem Ofen hervorlocken. Wollen und müssen sie aber auch gar nicht. Insgesamt ist das Album zu lang ausgefallen und der eine oder andere furchtbare Track hätte besser im Giftschrank sein Dasein gefristet. Es gibt aber auch viele Lichtblicke und wer sich im AOR-Musikfach sehr wohl fühlt, ist hier auch bestens aufgehoben. Ein paar klitzekleine Prog-Elemente lassen sicher das ein oder andere Musikerherz höher schlagen.

 

https://styxworld.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch