Stefan Kleinkrieg: Die Sonne Scheint Für Alle

Stefan Kleinkrieg: Die Sonne Scheint Für Alle

Premium Records/Soulfood

VÖ: 25.11.2022

 

Wertung: 7,5/12

 

Musikern sind immer noch größtenteils die Hände gebunden und Live-Auftritte meist nicht möglich oder eben nicht wie sie sein sollten. Viele haben in der Pandemie ihre Energie und Kreativität anders ausgelebt und gearbeitet was das Zeug hält. Stefan Kleinkrieg zählt definitiv dazu. Mit Extrabreit hat er 2020 ein neues Album rausgehauen. Es folgten „Im Moment für Immer“ und „Abgelehnt“, ebenfalls 2020. Nun wird „Die Sonne Scheint Für Alle“ veröffentlicht, ein Album mit jeder Menge Material.

 

Stefan Kleinkrieg ist ja auch mit über 60 Jahrzehnten auf dieser Welt im Spätsommer seines Lebens angekommen. Entsprechend sind auch die Themen ausgefallen und Kleinkrieg singt viel von Vergangenem und der alten Zeit. Oder er spricht davon wie in „Amphetamin“. „Alte Liebe“ schippert dabei gemütlich daher, „Erika“ shuffelt sich bluesig und rockig dahin. Die Mundharmonika ist dabei der heimliche Star des Stücks. Selbige ist auch in „Nie Wieder Jung“ zu hören. Der Titel gibt die Thematik ja schon vor. Mit dem schmissigen „Autoscooter“ wird in den Erinnerungen der guten alten Zeit gekramt. Die Älteren werden sich gerne an die Kirmes erinnern. War eine große Sache. Auch für Stefan Kleinkrieg.

 

„Wilhelmsplatz“ nähert sich nostalgisch dem Blick zurück. Und ja, auch der größte Aufreißer wie „Kralle“ merkt irgendwann, dass der Zahn der Zeit an einem nagt. Sextourismus kriegt von Kleinkrieg einen klaren Mittelfinger gezeigt. Udo Lindenberg darf zum Schluss auch noch was sagen. „Glückshormon“ klingt dann auch musikalisch sehr positiv. Das kratzig, dunkle, sonore Timbre von Kleinkrieg mag nicht perfekt sein, hat dazu aber sehr viel Charme. Manchmal lässt einen das sogar an „Stoppok“ denken, wie bei „Die Sonne“. Oder „Alte Liebe“, eine Nummer, die ebenfalls in diese Richtung geht.

 

Fazit: Deutsche Musik hat es ja nie ganz leicht. Zu oft schrammt das alles am Schlagerfach vorbei. Befindlichkeitspop weht sowieso seit gut und gerne anderthalb Jahrzehnten immer durch die Songs. Letzteres ist bei Stefan Kleinkrieg kein Thema, erstgenanntes Genre irgendwie schon. Auf seine Art natürlich. Singer/Songwriter und Rock sind natürlich in erster Linie die Heimat, die er sich vermutlich auch selber vorstellt. Letztlich macht er einfach handgemachte Musik mit ganz viel Charme. Vergänglich ist sowieso alles und doch gilt: „Die Sonne Scheint Für Alle“.

 

Text: Torsten Schlimbach

 

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch