Sparks: A Steady Drip,Drip,Drip

Sparks: A Steady Drip,Drip,Drip

BMG

VÖ: 15.05.2020

 

Wertung: 8,5/12

 

Die Gebrüder Ron und Russell Mael können mit nunmehr 24. Studioalben auf einen beachtlichen Backkatalog stolz sein. Das Duo hat der Musikwelt als Sparks so manches irrsinnige Album geschenkt. Mit „A Steady Drip,Drip,Drip“ folgt nun der neuste Streich. Fans werden dieses Werk lieben, denn hier gibt es die Sparks-Vollbedienung auf die Ohren. Das letzte Album aus dem Jahre 2017 ist gerade erst erarbeitet und verdaut, da gibt es also schon den Nachschlag.

 

Der ganze Wahnsinn des Duos wird in dem aus Klassik und Musical zusammengebauten Stück „Stravinsky's Only Hit“ deutlich. Das wird in jeglicher Hinsicht wieder polarisieren. Die Sparks können aber natürlich auch Hits wie am Fließband schreiben. „All That“ hat so eine Monsterhookline, die einen einfach nicht mehr loslässt. Insgesamt weht hier so ein schönes und leichtes 60ies Flair durch die Nummer, dass es die pure Freude ist. „I´m Toast“ rockt dafür lässig in den Glamrockhimmel. Und was manchmal wie eine nervie Lachnummer anfängt, entwickelt sich noch zum echten Hit - wie beispielsweise „Lawnmower“.

 

Man darf sich bei den beiden Brüdern nie zu sicher sein, denn hinter jeder Ecke kann eine neue Verrücktheit stecken. Die Verspieltheit, mit der hier agiert wird, haben sie sich über all die Jahrzehnte beibehalten. „Self-Effacing“ ist ein Song, der zwar unglaublich üppig ausstaffiert wurde, den die beiden auf der anderen Seite aber auch ganz sicher im Schlaf schreiben können. Das ist ein typisches Sparks-Stück mit allen Zutaten. „One for the Ages“ wirkt futuristisch, unterkühlt und melancholisch. Dem Song kommt somit eine Ausnahmestellung zu. Mit „Onomato Pia“ kehrt der Irrsinn aber zurück. Selbiger wird auch nicht mehr bis „Nothing Travels Faster Than the Speed of Light“ verlassen. Die Sparks öffnen die große Theaterkiste. Und dann kommt noch „Please Don't Fuck Up My World“ – aber hört selbst…

 

Fazit: „A Steady Drip,Drip,Drip“ bietet alles, was das Sparks-Fanherz begehrt. Mit anderen Worten: die beiden haben abermals ein gutes Album abgeliefert. Die Songs wurden wieder üppig ausstaffiert und mit allerlei Sperenzchen angereichert. Das Duo präsentiert uns eine bunte Musikwelt, die manchmal etwas drüber ist, auf der anderen Seite aber auch wunderbare Ablenkung vom Alltag bietet.

 

https://allsparks.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Sparks: Gratuitous Sax & Senseless Violins

Sparks: Gratuitous Sax & Senseless Violins

BMG

VÖ: 15.11.2019

 

Wertung: 9/12

 

Neben der „Best Of“-Sammlung wird nun auch „Gratuitious Sax & Senseless Violins“ neu aufgelegt. Das 16. Album der Sparks feiert dieses Jahr immerhin den 25. Geburtstag. Das eigentliche Album wurde remastert, was auch bitter nötig war, denn die Produktion und der verwaschene Sound der Ursprungsgeschichte war nicht sonderlich gut. Es gibt aber noch sehr viel mehr auf dieser neuerlichen Veröffentlichung zu entdecken, denn die Archive wurden geöffnet und es gibt gleich noch zwei CDs obendrauf!

 

Die Gestaltung und das Booklet fangen den ganzen Wahnsinn der beiden Brüder ein. Schwarzer Humor wurde bei den Sparks ja schon immer ganz große geschrieben. Es ist einfach großartig in das Booklet einzutauchen und darin zu stöbern. Das Lesen fällt aufgrund der kleinen Schrift älteren Menschen wie mir vermutlich etwas schwerer, aber es lohnt sich auf jeden Fall! Ähnlich verrückt und künstlerisch ohne Scheuklappen unterwegs war Frank Zappa.

 

Der Klang des Albums ist nun viel klarer und differenzierter. So kann man das Werk noch mal gänzlich neu entdecken und erleben. Mit „When Do I Get To Sing „My Way““ ist einer der bekannten Songs der Sparks vertreten. Die Nummer kam in Deutschland besonders gut an und lief auch im Radio rauf und runter. Die Synthie-Nummer „(When I Kiss You) I Hear Charlie Parker Playing“ erinnert an die Pet Shop Boys, während „Frankly Scarlett, I Don´t Give A Damn“ langsam und mit einer Art Sprechgesang die Hektik rausnimmt. Die Musik bleibt freilich elektronischer Natur. Das gilt für das musicalhafte „I Thought I Told You To Wait In The Car“ wie auch für das theatralische „Hear No Evil, See No Evil, Speak No Evil“ oder das freudig poppige „Now That I Own The BBC“. Mit „Let´s Go Surfing“ gibt es noch eine Art Disco-Schlager auf die Ohren.

 

Auf einer zweiten CD sind die Remixe, B-Seiten und sonstige Veröffentlichungen, die in Zusammenhang mit dem Album stehen, enthalten. Manches davon ist gut, wie „National Crime Awareness Week“, anderes durch den Einsatz im Radio hinlänglich bekannt, beispielsweise der Grid Radio Edit von „When Do I Get To Sing „My Way““ oder überraschend, jedenfalls wenn man die Akustikversion von „Now That I Own The BBC“ als Maßstab nimmt. Ob es jetzt unbedingt „Little Drummer Boy“ von den Sparks braucht, sei mal dahingestellt. Man hat sowieso keine Wahl, denn auch solche Schauerlichkeiten sind hier zu finden. Wer einen Livesong der Sparks braucht, kann sich „Beat The Clock“ geben. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Single „When Do I Got To Sing „My Way““ in allen erdenklichen Remixen vertreten ist. Braucht man zwar  nicht, ist mitunter aber ganz nett.

 

Die dritte CD widmet sich dann den Demos und unveröffentlichten Songs. „In der Zeit von `Gratuitous Sax & Senseless Violins´ hatten wir viele Demos aufgenommen, ohne zu wissen, wohin die Reise führen würde. Diese `Orphan Songs´, die zum damaligen Zeitpunkt nicht für die Weiterentwicklung ausgewählt wurden, haben nun ihren Platz gefunden“, erklärt Russel Mael. Überraschend schön ist das eingängige „Where Did I Leave My Halo?“ Auch „She´s Beautiful (So What)“ hört sich alles andere als nach einem Demo an, sondern nach einem Hit. „The Farmer´s Daughter“ hätte auf das eigentliche Album auch nicht gepasst, denn dafür ist die Nummer zu rockig. „This Angry Young Man (Ain´t Angry No More)“ gibt es in zwei Versionen zu hören, wobei die Ron Vocal Version dann auch tatsächlich Demo-Charakter hat. Abgerundet wird das durch die unveröffentlichten Lieder der Christi Haydon-EP. „Katharine Hepburn“ sticht dabei heraus. Der Rest plätschert doch etwas ziellos durch die Gegend. „Holiday“ hat noch einen ganz netten Pop-Vibe und die Version von „Boris The Spider“ ist völlig durchgedreht.

 

Fazit: „Gratuitous Sax & Senseless Violins“ der Sparks wird nach 25 Jahren erneut veröffentlicht und kommt soundtechnisch nun endlich nicht mehr so verwaschen rüber. Das Album hat einen Hit und jede Menge beklopptes Zeug zu bieten – so wie man die Sparks eben kennt. Zwei weitere CDs mit jeder Menge Raritäten werden Fanherzen im Sturm erobern. Kurzum: wer die Sparks liebt, wird mit dieser Veröffentlichung sehr, sehr glücklich werden!

 

https://allsparks.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Sparks: Past Tense – The Best Of

Sparks: Past Tense – The Best Of

BMG

VÖ: 08.11.2019

 

Wertung: 9/12

 

Die Sparks aus Los Angeles veröffentlichen mit „Past Tense – The Best Of“ eine Werkschau. Im Normalfall enthalten derartige Veröffentlichungen ja die Hits einer Band. Ob man bei den Brüdern Ron und Russell Mael allerdings von Hits sprechen kann, muss dann doch bezweifelt werden. In ihrer Heimat rangierten sie in den Charts immer ganz weit hinten, sofern sie selbige überhaupt entern konnten. Die größten Erfolge feierten sie stets in UK, aber auch Frankreich war durchaus offen für die Sparks. Auch in Deutschland sprang zumindest der eine oder andere Achtungserfolg heraus.

 

Das Set gibt es nun in der etwas üppigeren 3CD-Variante oder als Doppel-CD. Eine 3LP-Version ist ebenfalls erhältlich. Selbst die abgespeckte Variante ist von der Aufmachung sehr gelungen. Das Digipack hält ausgeklappt jede Menge Fotos für den geneigten Fan bereit. Das Booklet kann ebenfalls mit einem Abriss der Geschichte und jeder Menge warmer Worte von Simon Price, welcher die Liner Notes verfasst hat, glänzen. Fotos sind ebenfalls im Booklet abgedruckt. Die Trackliste wurde mit den Covern ebenfalls im hinteren Teil abgebildet.

 

Musikalisch lassen sich die Sparks überall und nirgends einsortieren. Davon kann man sich auf „Past Tense – The Best Of“ nun noch mal überzeugen (lassen). Vielleicht kann man das unter Art Pop verbuchen. Richtig kategorisieren lässt sich das in seiner Gesamtheit aber keinesfalls. Wären die beiden Herren Maler, hätten sie wohl stets ihre ganze Farbpalette an die weiße Leinwand gespritzt und geguckt, wie die jeweiligen Farben schön ineinander verlaufen.

 

Warum die Sparks in UK stets geschätzt wurden, dürfte schon mit dem Opener „Wonder Girl“ schnell klar werden. Auch warum Franz Ferdinand mit dem Duo als FFS ein ganzes Album veröffentlichten, wird hier mehr als deutlich. FFS ist übrigens auch mit „Johnny Delusional“ vertreten. „Amateur Hour“ vereinigt sogar ein paar rockige Indieklänge im wilden Wust. „Never Turn Your Back On Mother Earth“ hat was von Vaudeville und „Something For The Girl With Everything“ ist aufgrund des Falsett schon schwer gewöhnungsbedürftig. „Get In The Swing“ oder „Tryouts For The Human Race“ zeigen zudem, dass die Sparks durchaus eine einflussreiche Band sind. Panic! At The Disco und die Scissor Sisters  dürften bei dem Duo auch ganz genau hingehört haben.

 

„So Important“ ist eine Mischung aus Glam und Rock. „National Crime Awareness Week“ nimmt sogar den Faden des Sprechgesangs auf. „When Do I Get To Sing My Way“ ist natürlich schon ein großer Klassiker der Sparks. In einer gerechten Welt wäre das eine weltweite Nummer 1 gewesen. „The Rhythm Thief“ hingegen wagt einen Schwenk zu Musical-Klängen. Dann gibt es noch so einen Wahnsinn wie „Suburban Homeboy“ oder „Dick Around“. Dagegen wirkt „Missionary Position“ fast konventionell. Das erinnert ein bisschen an die gemäßigten Songs eines Frank Zappa.  

 

Fazit: Die musikalische Welt der Sparks war und ist extrem bunt und manchmal auch etwas drüber. Paradiesvögel, die keine Genregrenzen kennen. Selten machte eine „Best Of“ derart viel Sinn, da man hier einen Abriss der ganzen musikalischen Welt serviert bekommt. Die Aufmachung ist ebenfalls gelungen und somit kann man dieses Album allen empfehlen, die offene Ohren für Musik abseits der gängigen Pfade haben!

 

https://allsparks.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch