Silly: Instandbesetzt

Silly: Instandbesetzt

Universal

Vö: 17.09.2021

 

Wertung: 7,5/12

 

Silly aus Ost-Berlin haben eine Menge Besetzungswechsel mitgemacht. Von den Gründungsmitgliedern aus dem 1978 ist keines mehr dabei. Allerdings sind  Ritchie Barton, Uwe Hassbecker und Jäcki Reznicek seit den 80ern schon am Start und somit auch für die erfolgreichste Zeit der Kapelle mitverantwortlich. Nach dem Tod von Tamara Danz hätte vermutlich keiner geglaubt, dass Silly sich neuerfinden können. Anna Loos war zwölf Jahre die Stimme der Band, bevor sie 2018 ausstieg um sich vermehrt auf ihre Solokarriere zu konzentrieren. Mit AnNa R. und Jule Neigel fanden die Herren aber erstklassigen Ersatz aus dem obersten Regal in Deutschland.

 

Zusammen ging man 2019 auf „Analog“-Tour. Silly spielten zehn Konzerte in zehn verschiedenen Städten und an jedem Abend wurde ein anderes Album in den Mittelpunkt gestellt. Die beiden Damen kamen – wie eigentlich auch nicht anders zu erwarten – sehr gut beim Publikum an und somit wurden natürlich auch schnell die Rufe nach einem gemeinsamen Album laut. Selbiges liegt nun mit „Instandbesetzt“ vor. Bei dem Werk handelt es sich allerdings nicht nur um neue Songs. Eine „Best Of“-Zusammenstellung ist das allerdings auch nicht, da man sich hier nicht auf die offensichtlichen Hits fokussiert hat. Es sind eher heimliche Favoriten und Hymnen, die man so nicht unbedingt sofort auf dem Schirm haben konnte.

 

Mit „Hamsterrad“ gibt es aber auch ein neues Lied. Die Thematik dürfte ja auf der Hand liegen. Es ist solide Rockkost, die beiden Stimmen harmonieren allerdings ganz wunderbar miteinander und jede der beiden Damen bringt eine ganz eigene Facette mit rein. Noch besser kommt das bei der wirklich tollen Popsingle „Werden Und Vergehn“ zum Tragen. Das Stück ist toll instrumentiert und die rauchige und kratzige Stimmgewalt von Neigel passt perfekt zur geheimnisvollen Stimme von AnNa R. Die sanfte Melancholie, die über dieser Nummer liegt, macht selbige noch besser.

 

Was haben wir noch? „Bye Bye“ ist allein durch das Geigenspiel ganz toll. Aber auch hier geht das Konzept mit den beiden Sängerinnen sehr schön auf. Die Ballade „Wo Bist Du“ ist herzzerreißend. Schön, dass der Song so instrumentiert ist, dass die Kitschklippe umschifft wird. „Die Wilde Mathilde“ ist mit viel Keyboardeinsatz angereichert, wird durch den Gesang aber letztlich gerettet. „So´ne kleine Frau“ ist geheimnisvoll im Vortrag und somit zieht einen die Nummer unweigerlich in ihren Bann. Die Gitarre nach hinten raus verstärkt das noch. „Verlorene Kinder“ geht gut rein, während „Halloween In Ostberlin“ teilweise etwas anstrengend ist. „Puppe Otto“ erinnert an Nina Hagen. Mit „Leg Mich Fest“ gibt es dann aber wieder eine ganz große Ballade auf die Ohren. „Lautes Schweigen“ zeigt Silly eher noch mal von der rockigen Seite. Mit „Instandbesetzt“ wird man als Zuhörer schließlich sehr nachdenklich aus dem Album entlassen.

 

Fazit: Silly haben mit „Instandbesetzt“ ein gutes Album mit neu aufgenommen alten Stücken und neuen Liedern mit den Sängerinnen AnNa R. und Jule Neigel endlich veröffentlicht. Die Musiker und die Sängerinnen haben sich gesucht und gefunden. Demnächst auch wieder auf Tour zu bewundern. Mit diesen Songs hier im Gepäck dürfte das eine schöne Sause werden!

 

https://silly.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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