Radio Havanna: Veto

Radio Havanna: Veto

Dynamit Records/Broken Silence

VÖ: 17.01.2020

 

Wertung: 7/12

 

Radio Havanna werden nicht müde und veröffentlichen weit ab vom Mainstream und den kommerziellen Töpfen nun schon ihr siebtes Album. „Veto“ heißt das neue Werk und guckt man sich die Titel an, dann weiß man, dass die Kapelle wieder klar und deutlich gegen die Arschlöcher ansingt. Deutlicher kann man sich nicht antifaschistisch positionieren. „Veto“ ist aber noch viel mehr und das Quartett beschäftigt sich auch mit der eigenen Herkunft und Identität und all den Dingen, die das Leben mitbringt. Entstanden ist das Album in guter alter DIY-Tradition im Proberaum.

 

Teile von „Veto“ erinnern hin und wieder an die Donots. „Helden“ und „Ich Komm Klar“ könnte man sich auch von den Münsteranern vorstellen. Radio Havanna haben wieder Punk und Pop in einen Topf geschmissen, ordentlich gerührt und dann aufgenommen. Mit „Krach“ gibt es zu Beginn eine Nummer, bei der die Jungs das Gaspedal bis zum Anschlag durchgetreten haben. „Coole Kids“ ist ein Song für pubertierende Teenager. Ganz ehrlich, das ist thematisch schon etwas platt und alle Klischees werden da untergebracht.  „Coole Kids haben kein Vaterland" und mit Lochbier und Trichtersaufen um den Verstand bechern, ist schon etwas platt. Das gilt leider auch für „Herzschmerzsäufer“. Musikalisch ist das durchaus griffig und hymnenhaft.

 

„Chaoskid“ bedient auch noch mal alle gängigen Knöpfe. Der Ausbruch aus einer sozialschwachen Region oder Stadt wird mit „Hungerturm“ ganz gut eingefangen. Wer genau hingehört hat, wird feststellen, dass Radio Havanna erst im letzten Drittel explizit politische Themen ansprechen. „Antifaschisten“ befasst sich mit einem Freund, den man von Kindesbeinen an kennt und der dann plötzlich bei den Rechten mitmarschiert. Radio Havanna machen es sich ziemlich einfach, denn hier wird überhaupt nicht mehr differenziert, wenn es letztlich heißt, dass wir alle als Antifaschisten geboren werden. Bei „Freie Radikale“ arbeiten sie sich an diesen blauen Vollpfosten ab – teilweise witzig. Geht schon klar. „Schatten“ hingegen möchte am liebsten alles brennen sehen. Sieht so der Widerstand aus? Alles in Schutt und Asche legen? Nee Leute, dann ist man auch nicht besser als die Volldeppen.

 

Es ist übrigens noch eine zweite CD beigelegt. Hierauf befinden sich Coverversionen bekannter deutscher Pop- und Rocksongs. Den Anfang macht „Alles Nur Geklaut“ von den Prinzen. „König Von Deutschland“ gibt es ebenfalls in einer schmissigen Version zu hören. „Du Hast Den Farbfilm Vergessen“ mal mit Männerstimme zu hören ist ja fast schon kurios. Man hat da immer Nina Hagen im Ohr. „Verdammt Ich Lieb Dich“ in der Punkversion hat was. Das gilt auch für „Major Tom“. Logisch, dass dies nicht an das Original heranreichen kann, aber das will und muss diese Version auch überhaupt nicht. „1000 Und 1 Nacht“ von Klaus Lage geht einigermaßen in die Hose, während „Kinder An Die Macht“ von Grönemeyer so dahin plätschert, dafür überrascht „Dein Ist Mein Ganzen Herz“ von Heinz Rudolf Kunze mit ordentlich Verve.

 

Fazit: Radio Havanna verkaufen sich musikalisch immer etwas unter Wert. Die Herren können durchaus was an ihren Instrumenten. Ein Händchen für griffige Melodien ist sowieso vorhanden und so gibt es auch auf „Veto“ wieder jede Menge Hymnen zu hören. Politisch stehen sie sowieso auf der richtigen Seite, auch wenn die Texte manchmal doch zu klischeehaftet sind. 

 

https://www.radiohavanna.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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