Popol Vuh: Seligpreisung

Popol Vuh: Seligpreisung

BMG

VÖ: 26.11.2021

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Popol Vuh sind in Deutschland ein bisschen in Vergessenheit geraten. Dies ist insofern schade, da die Band, die von Florian Fricke 1970 in München gegründet wurde, durchaus Musikgeschichte geschrieben hat. Popol Vuh waren Pinoiere und zählten im Spannungsfeld zwischen elektronischer Musik und Progressive Rock zu den wichtigsten Vertretern ihrer Zunft. Die Zusammenarbeit mit Regisseur Werner Herzog, aus der schließlich mehr als zehn Soundtracks hervorgingen, fanden international sehr viel Beachtung. Jetzt wird ein edles 4 Vinyl-Set veröffentlicht, sowie auch die einzelnen CDs daraus.

 

„Seligpreisung“ von 1973 war das vierte Album von Popol Vuh. Es ist ein besonderes Werk im Backkatalog, da hier rein akustische Musik gespielt wurde. Die Band widmete sich hier spirituellen Themen. Daniel Fichelscher von Amon Düül II gab hier seinen Einstand und somit wurde es auch rockiger. Dies war auch schon ein Fingerzeig in die Zukunft der Band. Die Chemie der Kapelle ist in dieser Phase ja sowieso höchst interessant, da Robert Eliscu und Florian Fricke ja aus der klassischen Richtung kamen, während Fichelscher und Conny Veit den Rock mitbrachten. Die alles wird in „Ja, sie sollen Gottes Kinder heissen. Agnus Dei, Agnus Dei“ auf die Spitze getrieben. Hier klingen Popol Vuh, als würde eine nicht-westliche Band mit den Mitteln der Klassik und des Rocks einen unentdeckten Led Zeppelin Song spielen.

 

Schon der Einstieg mit „Selig sind, die da hungern. Selig sind, die da dürsten nach Gerechtigkeit. Ja, sie sollen satt werden“ hat die ganze Klaviatur zu bieten. Dazu gehört auch der entrückte Gesang, der aufgrund der Abwesenheit von Djong Yun von Florian Fricke auf diesem Werk komplett übernommen wurde. Die Gitarre und das Klavier bilden da eine Einheit. Warum dieses Album vielen als ihr Lieblingsalbum gilt, kann man auf dem schönen „Tanz der Chassidim“ nachhören. Die Gitarre entführt einen in andere Sphären und lädt den Zuhörer auf eine ganz besondere Reise ein. Die restliche Instrumentierung stützt dies auf wundervolle Art und Weise.

 

Toll ist allerdings auch, wie Robert Eliscu die lyrische Oboe spielt, wie auf „Selig sind, die da hier weinen. Ja, sie sollen später lachen“ und mit Fricke am Flügel für die wunderschöne und meditative Seite des Albums steht. „Selig sind, die da willig arm sind. Ja, ihrer ist das Himmelreich“ ist forscher, aufgrund des entrückten Gesangs aber auch seltsam bis obskur. Mittelalterlich mutet „Selig sind, die da Leid tragen. Ja, sie sollen getröstet werden“ an. Übrigens gibt es mit „Be In Love“ einen wunderschönen Bonustrack, der von Djong Yun gesungen wird. Eigentlich war das ursprünglich die A-Seite einer Single, passt mit seinem meditativen Ansatz aber wunderbar zu diesem Album.

 

Fazit: Popol Vuh haben einst überragende Musik abgeliefert. Diverse Veröffentlichungen sorgen nun hoffentlich dafür, dass diese Pioniere von einer neuen Generation entdeckt werden. Musik wie ein Film, Musik für das Kopfkino und Musik, die letztlich die Seele streichelt – in diesen Zeiten besonders wichtig! Abgesehen davon ist die Mischung aus klassischen Instrumenten und jener der Rockmusik extrem spannend. Eintauchen und genießen!

 

https://PopolVuh.lnk.to/Vol2PR

 

https://www.popolvuh.nl/

 

Text: Torsten Schlimbach

Popol Vuh: Agape Agape Love Love

Popol Vuh: Agape Agape Love Love

BMG

VÖ: 26.11.2021

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Popol Vuh waren im Jahr 1983 vielleicht auf dem Höhepunkt ihres künstlerischen Schaffens und eine Entwicklung wurde abgeschlossen. Florian Fricke selbst bezeichnete das damalige Album als eines seiner Besten. Fricke hat vermehrt östliche Musik in den Klang einfließen lassen. Der persische Mystiker und Dichter Rumi inspirierten den Songschreiber in großem Maße zu „Agape Agape (Love Love)“. Für den Gesang zeichnete sich hier Renate Knaup verantwortlich. Conny Veit spielt auf diesem Werk Gitarre, Daniel Fichelscher Schlagzeug und Florian Fricke sitzt natürlich am Flügel.

 

„Hand In Hand“ eröffnet das Album mit hypnotischem Chorgesang. Schamanenhaft, mystisch und einnehmend zieht einen der Track, der durch den Einsatz von Percussions einen düsteren Weg beschreitet, in seinen Bann. „The Danced, They Laughed, As Of Old“ ist hypnotisch, gar wie ein Mantra. Treibend und sehr groovy vereinnahmt einen das Stück. „Love, Life, Death“ erinnert zu Beginn an die Einstürzenden Neubauten. Dann gibt es eine Wendung in eine düstere, sakrale und rituelle Richtung. „The Christ Is Near“ ist etwas offener instrumentiert. Die Gitarre ist hier sehr schön in Szene gesetzt worden. „Love Love“ ist sogar träumerisch und verspielt.

 

„Behold, The Drover Summonds“ entfaltet meditative Wirkung. Musik, die heilende Kraft hat. Jedenfalls klingt sie so und ist gut für die Seele. „Agape Agape“ versetzt einen in Trance. Das erinnert sogar entfernt an Indianergesänge, wozu auch die Percussions passen würden. „Why Do I Still Sleep“ beendet das eigentliche Album mit wunderschönen Klängen, die durch die Wiederholungen ihre Intensität noch zusätzlich steigern. Der Bonustrack „Circledance“ ist eine Melange aus Folk, Rock und Prog und macht den endgültigen Abschluss ein bisschen lauter.

 

Fazit: Alben von Popol Vuh sind immer ein ganz besonderes Hörerlebnis und letztlich auch eine Erfahrung und Herausforderung, die man so nicht jeden Tag in der Musik vorfindet. Schön, dass nun auch „Agape Agape (Love Love)“ von einer neuen Generation entdeckt werden kann. Zwischen Trance, Prog, Rock und Folk ist die Spannbreite extrem vielfältig und mitreißend!

 

https://PopolVuh.lnk.to/Vol2PR

 

https://www.popolvuh.nl/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch