Nightwish: Human. :II: Nature.

Nightwish: Human. :II: Nature.

Nuclear Blast

VÖ: 10.04.2020

 

Wertung: 9/12

 

Geschlagene fünf Jahre mussten die Fans von Nightwish nun auf ein neues Album ihrer Lieblinge warten. Das ist insofern schade, da man so auch auf die Stimme von Floor Jansen im Nightwish-Gewand während dieser Zeit verzichten musste. Im Oktober 2012 half die Niederländerin zunächst gesanglich bei Nightwish aus, nur um zwölf Monate später ganz fest im Boot zu sitzen und vollwertiges Bandmitglied zu werden. Warum das wichtig ist? Das neue Album „Human. :II: Nature.“ ist gesanglich eine Offenbarung. Ganz egal wie man zu dem Symphonic Metal stehen mag, die Dame sorgt dafür, dass einem die Kinnlade während des Genusses des Albums mehrfach auf den Tisch klappen wird.

 

Die Band ruht sich übrigens nicht auf dem bekannten Sounds und den ausgelatschten Wegen aus. Natürlich erfinden sie sich nicht neu und die Trademarks bleiben alle erhalten, trotzdem werden mit diesem Album auch mal neue Dinge ausprobiert und der Klang verfeinert und mit vielen neuen Elementen angereichert. „Shoemaker“ ist in dieser Hinsicht ganz groß. Die Nummer hat einen Folk-Einschlag, der einen zwischen Mittelerde, Westeros und dem Reich der Wilddruden einen ganz neuen Blickwinkel auf Nightwish eröffnet. „Harvest“ verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Der männliche Gesang ist dabei etwas verträumter und nicht ganz so ausdrucksstark wie jener von Floor Jansen, passt zu dieser Nummer aber perfekt.

 

Beeindruckend ist die Vielfältigkeit und wie viele musikalische Welten die Kapelle in einem Song unterbringen kann. Die Eröffnung „Music“ versetzt einen da schon in Erstaunen. Von Klassik zu Blues zu Heavy Metal ist es nur ein ganz kleiner Weg. Das klingt nie erzwungen, sondern immer spielerisch leicht. Die Band hat aber ja auch einen übergeordneten Plan. Es geht um die Evolution. Hier wird ja im Grunde die komplette Musikgeschichte umrissen – vom Beginn mit Klopfen vor ein paar Millionen Jahren bis ins Heute.

 

„Pan“ ist dabei eine Mischung aus Oper und Musical und somit natürlich voller Pathos und Bombast. Das muss man mögen, aber, wenn man sich darauf einlassen kann, dann ist das schon beeindruckend. „How´s The Heart“ erinnert an Mike Oldfield. Die Anleihen sind schon sehr deutlich. „Procession“ ist zunächst sehr ruhig und wird von der verspielten Melodie und von der Stimme getragen. Im zweiten Drittel wird es dann noch mal dezent rockiger. Insgesamt darf man das aber eher unter Pop verbuchen. „Tribal“ hält noch mal weiblichen und männlichen Doppelgesang bereit. Die Nummer ist sehr rhythmisch und deutlich heavier als das Stück davor. „Endlessness“ ist klassischer Hard Rock, aber auch eine große Abschlusssinfonie.

 

Die zweite Hälfte, in diesem Fall die zweite CD, ist eine achtteilige Suite mit dem Titel „All The Works Of Nature Which Adorn The World“. In seiner Gesamtheit hört sich das an wie ein Filmsoundtrack. Das ist oftmals sehr esoterisch, auf der anderen Seite aber auch unglaublich entschleunigend und man kann sich, sofern man sich darauf einlassen kann, regelrecht in diese Klangwelten fallen lassen.

 

Fazit: Bandkopf und Hauptkomponist Tuomas Holopainen hat mit „Human. :II: Nature.“ ein tolles Album auf den Weg gebracht und mit seiner Band Nightwish umgesetzt. Der Folkeinschlag tut dem Bandsound sehr gut und bildet einen tollen Kontrast zum Symphonic Metal. Die Stimme von Floor Jansen ist sensationell und eine Bereicherung für die Band. Die Musik auf der zweiten CD mag esoterisch sein, hat aber trotzdem sehr viel Schönheit zu bieten. Insgesamt ist das ein sehr gutes Album und die Fans werden es lieben!

 

https://nightwish.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch