Motörhead: Bad Magic – Seriously Bad Magic

Motörhead: Bad Magic – Seriously Bad Magic

BMG

VÖ: 24.02.2023

 

Wertung: 8/12

 

Das letzte Album von Motörhead „Bad Magic“ wird nun noch mal veröffentlicht. Jetzt kann man über Sinn und Unsinn streiten. Das Werk feiert ja nicht mal ein Jubiläum und steht nun als „Seriously Bad Magic“ in den Läden. Man hat es sich aber nicht nehmen lassen und die Scheibe mir reichlich Bonusmaterial gefüttert. Dem Digipack liegt nun der Auftritt beim Fuji Festival 2015 auf einer zweiten CD bei. Das eigentliche Album hat nun auch die tolle Coverversion von „Heroes“ oben. Mit „Bullet In Your Brain“ gibt es eine wahre Dampframme als bisher unveröffentlichten Song zu hören. „Greedy Bastards“ schlummerte bisher ebenfalls in der Schublade und ist ein eher melancholischer Song – jedenfalls für Motörhead-Verhältnisse.

 

„Till The End“ ist eine Powerballade. Das ist ja nicht gerade die Kernkompetenz von Motörhead. Das Tempo ist gedrosselt und dann gibt es auch noch ein Gitarrensolo an dem Richie Sambora seine Freude hätte. Ganz zum Schluss hauen Motörhead noch ein Ding raus, welches einen in Erstaunen versetzt. Eigentlich gibt es im Musikgeschäft ja genau zwei Regeln: niemals die Beatles covern! Niemals die Stones covern! Man weiß ja, dass Lemmy ein großer Beatles-Fan ist, hier nimmt er sich aber die Stones zur Brust. Ausgerechnet mit „Sympathy For The Devil“. Und was soll man sagen: es ist ganz grandios geworden. So bissig und so böse hat man die Nummer selten gehört. Und wie lässig Motörhead das Ding aus dem Ärmel schütteln kann sich ebenfalls hören lassen.

 

Der Einstieg in die Platte ist mit „Victory Or Die“ geglückt. Mit Vollgas fräsen sich Motörhead in die Gehirnwindungen. „Thunder & Lightning“ ist für sich gesehen sicher nicht schlecht, klingt aber auch zu sehr nach Baukasten. Lemmy hat seinen Bass so ja nun wirklich oft genug gespielt. Erinnert natürlich auch an „Bomber“. Und wer immer meint, dass Motörhead nicht wandlungsfähig wären, hört sich mal den im Blues badenden Sleazerock von „Fire Storm Hotel“ an – mit saucoolem Basszwischenspiel. Einfach aber effektiv. „Shoot Out All Of Your Lights“ wird von Mikkey Dee niedergeknüppelt. Brian May ist übrigens bei „The Devil“ dabei. Die Nummer hat aufgrund des Refrains einen netten Hymnencharakter und ist dann auch ziemlich fett, die Strophen langweilen aber.

 

Typische Motörhead-Kost gibt es selbstverständlich auch. Feuer frei mit „Electricity“, „Evil Eye“ oder „Teach Them How To Blead“. „Tell Me Who To Kill“ ist Phil Campbells Ding, wie er überhaupt auf dem ganzen Alben ziemlich deutliche Duftmarken hinterlassen hat. „Choking On Your Screams“ ist so schwarz wie die Seele von Voldemort. Motörhead sind da auch wieder ganz nahe am Metal dran. Mit „When The Sky Comes Looking For You“ ist aber auch wieder ein Song für die Hymnenfraktion vertreten. Der Sound ist gelinde gesagt sehr hochgesteuert, alles auf Anschlag. Weniger wäre – was für „Bad Magic“ allgemein gilt – mehr gewesen. Aber nun gut, so kennt man Motörhead ja.

 

Die Live-CD hat natürlich all das zu bieten, wofür man Motörhead liebt. Der Sound ist nicht gerade brillant und Lemmy etwas weit hinten im Mix, dafür gibt es hier die Vollbedienung. Von „We Are Motörhead“ über das unkaputtbare „Metropolis“, „Doctor Rock“ und natürlich „Ace Of Spades“ und „Overkill“ ist hier vieles vertreten, was zu einem Motörhead-Konzert dazugehört. Lemmy war hier hörbar schon nicht mehr im Vollbesitz seiner Kräfte, aber dafür spielt die Kapelle ziemlich tight auf und gleicht das so wieder aus.

 

Fazit: „Bad Magic“ von Motörhead ist ein gutes, gar abwechslungsreiches Werk. Hier gibt es das volle Brett, meint: Punk, Metal, Sleaze, Powerballade. Alles in allem Rock and Roll der guten, alten Motörhead-Schule. Man hätte die Regler nicht bis zum Anschlag aufdrehen müssen, dann wäre der Sound wesentlich besser geworden. Wer allerdings immer behauptet, dass Motörhead nur einen Song können, wird hier eines Besseren belehrt. Ein würdiges Album zum Abschluss und das Bonusmaterial stellt tatsächlich eine echte Bereicherung dar.

 

https://imotorhead.com/

 

Tex: Torsten Schlimbach

Motörhead: Iron Fist (40th Anniversary Edition)

Motörhead: Iron Fist

BMG

 VÖ: 23.09.2022

 

Wertung: 8/12

 

Die Unschuld war weg als Motörhead im Studio aufliefen um „Iron Fist“ auf den Weg zu bringen. Plötzlich war alles anders und nach dem immensen Erfolg von „Ace Of Spades“ und dem Live-Manifest „No Sleep ´Til Hammersmith“ gab es von allen Seiten Druck. Die Erwartungshaltung war beim Label, aber auch der Anhängerschaft extrem hoch. Das Trio kam quasi ohne Material im Studio an. Die Stimmung war wohl auch nicht gerade gut und Fast Eddie und Philthy lagen sich ständig in den Haaren und beide gemeinsam mit Lemmy. Der Zeitdruck, der den Herren im Nacken saß, war sicherlich auch nicht besonders förderlich. Abgesehen davon hatte Fast Eddie seine Fähigkeiten als Produzent entdeckt und belaberte die anderen beiden schließlich, dies bei „Iron Fist“ – unter Mithilfe von Will Reid Dick – unter Beweis stellen zu dürfen. Das Ergebnis ist eher von mäßiger Qualität – nett ausgedrückt. Die Risse innerhalb der Band wurden somit immer größer. Es sollte der letzte Release im klassischen Line-up sein.

 

Jetzt wird „Iron Fist“ noch mal neu aufgelegt. Selbstverständlich wurde das Material remastert. Das war auch nötig, ist aber aufgrund der Ausgangssituation jetzt auch keine klangliche Offenbarung. Die Aufmachung als kleines Büchlein mit viel Text und einigen Fotos hingegen schon. Die Optik und das Gesamtpaket sind, wie auch schon bei der Neuveröffentlichung des Vorgängers, auf Seiten der Haptik wirklich nett ausgefallen.

 

Die Live-Aufnahme der zweiten CD aus dem Apollo in Glasgow vom 18. März 1982 unterstreicht ganz dick und fett, dass Motörhead auf der Bühne einen wahren Orkan zu entfachen vermochten. Die Band spielte die Songs schneller als die Studioversionen und fegte wie mit einer Dampfwalze über das Publikum hinweg. „Iron Fist“ – der Song - ist als Opener eine Bank und abgesehen davon auch eine verdammt gute Nummer. „Heart Of Stone“ prescht ebenfalls wie ein Rudel wildgewordener Wölfe über die Bretter. „Loser“ ist eine Art Hit. Hits gab es damals natürlich auch schon und damit ist nicht nur „Ace Of Spades“ gemeint. Alleine die letzten drei Tracks – „Overkill“, „Bomber“ und „Motörhead“ – zeigen, dass die Kapelle damals schon eine Ausnahmestellung innehatte und Punker, Rocker und Metalheads vereinte. Der Sound dieser Liveaufnahme ist eigentlich nur unwesentlich besser als ein Bootleg, aber darum geht es bei Motörhead ja im Grunde auch nicht.

 

Das eigentliche Album hat zwar so manchen uninspirierten Kram wie „Sex & Ontrage“, „Bang Toi Rights“ oder „(Don´t Let ´Em) Grind Ya Down“ zu bieten, aber es gibt auch eben diese Bulldozer-Songs, die auch heute noch überzeugen. Dazu gehört sicherlich der Titelsong, das hymnische „Loser“, „America“ und natürlich auch das programmatische „Speedfreak“. Die Demos, die nun hier enthalten sind, können vom Sound allerdings mehr überzeugen. Das kehlige „The Doctor“ macht wesentlich mehr Laune als die eigentliche Albumversion. „Iron Fist“ oder „Go To Hell“ schließen sich da nahtlos an und sind qualitätsmäßig ziemlich weit vorn. „Lemmy Goes To The Pub“ kann man sich auch mal geben. „Sponge Cake“, „Ripsaw Teardown“ und „Peter Gunn“ als reine Instrumentalversionen wird man sich vermutlich nicht öfters anhören, sofern man kein absoluter Beinhartfan ist.

 

Fazit: „Iron Fist“ ist sicher nicht zu den Top 3 Alben von Motörhead zu rechnen. Nach den Aufnahmen war der Riemen für das Trio dann auch runter und die Kapelle ziemlich zerstritten. Als Produzent hatte sich Fast Eddie zudem überschätzt. Der Klang ist auch heute noch ziemlich dürftig.Teile der Songs sind allerdings wesentlich besser als ihr Ruf und immer noch ziemliche Bretter. Die Demos sind teilweise sogar richtig toll. Die unveröffentlichte Live-Aufnahme zeigt die Urgewalt der Band, ist soundtechnisch allerdings nicht sonderlich gut, aber ein tolles Zeitdokument. Die Haptik ist über jeden Zweifel erhaben. Alles in allem ist diese 40th Anniversary Edition gelungen!

 

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Text: Torsten Schlimbach

Motörhead: Everything Louder Forever – The Very Best Of

Motörhead: Everything Louder Forever – The Very Best Of

BMG

VÖ: 29.10.2021

 

Wertung: 9/12

 

Sind wir mal ehrlich: hätte Lemmy der ganzen Veröffentlichungsflut der letzten Jahre unter dem Namen Motörhead zugestimmt? Es muss zumindest sehr stark angezweifelt werden. Natürlich wollen die Nachlassverwalter Kohle damit verdienen und natürlich steckt auch sehr viel Kalkül dahinter, denn mit den Toten lassen sich bekanntlich noch mal ein paar Taler zusätzlich verdienen. Ist ja auch bei Hendrix so. Auf der anderen Seite kann man allen, die an den Motörhead-Veröffentlichungen seit dem Ableben von Lemmy beteiligt waren, auch keinen Vorwurf machen, denn hier wurde sich inhaltlich und auch haptisch sehr, sehr viel Mühe gegeben. Die Frage nach einer „Best Of“, welche die Karriere abdeckt, stellte sich zwangsläufig ja sowieso irgendwann. Jetzt, da die Weihnachtszeit mit großen Schritten näher kommt, hat man sich dann dazu entschlossen mit „Everything Louder Forever – The Very Best Of“ ein solche Veröffentlichung herauszugeben.

 

Das Booklet ist ein Faltposter. Auf der einen Seite ist der berühmte Verstärkerturm abgebildet und auf der anderen sind die wichtigsten Informationen zu den Songs abgebildet, sowie vier Bilder der vier wichtigsten Inkarnationen von Motörhead. Vielleicht braucht es auch gar nicht mehr. Jeder kennt die Band, jeder weiß wie Lemmy aussieht und jeder ist sich über diese Urgewalt im Klaren. Als Digipack ist die ganze Geschichte sowieso ganz nett.

 

Macht eine derartige Zusammenstellung bei und über Motörhed Sinn? Abgesehen von den Ramones vielleicht sogar mehr als bei vielen anderen Bands. Es rennen – ähnlich wie bei den Ramones – zwar sehr viele Menschen in T-Shirts mit der ikonischen Motörhead-Aufmachung herum und auch eine schwedische Kette war sich nicht zu schade, diese Kleidungsstücke ins Programm zu nehmen, mehr als drei Songs kriegen aber die wenigsten Träger und Käufer zusammen. Da bietet nun diese Zusammenstellung mehr als nur einen Überblick über das Schaffen von Motörhead. Wenn man so will, dann ist das hier ein echtes Hitfeuerwerk. Es ist schon beachtlich, wie viele tolle Songs die Radautruppe im Backkatalog hat!

 

Man darf sich über satte 42 Songs freuen, welche die Karriere von Motörhead nun wirklich ganz gut abdecken. Mit Grauen erinnert man sich da an eine ähnliche Veröffentlichung von vor ein paar Wochen von Judas Priest und 16 Songs, wovon zehn Tracks dann auch noch live waren. Hier hat man das wesentlich besser gelöst und das ganze Programm ist dabei. Angefangen bei „Overkill“, jener Dampfwalze, die aber auch ein verdammter Hit ist. Brennt sich eben ein. Anders als bei den ganzen Popsternchen, aber doch schon nachhaltig.

 

Natürlich darf „We Are Motörhead“ nicht fehlen, genau wie das schwer rollende „Orgasmatron“. „Bomber“, „Queen Of The Damned“ oder „Lost Johnny“ und „The Game“ widerlegen übrigens nachhaltig, dass Motörhed immer wieder den einen Song neu aufgenommen hätten. In ihrer Nische war die Band durchaus wandelbar und vielfältig. Hört man sich das alles noch mal in Gänze an, dann wird auch noch mal klar, dass das alles recht wenig mit Heavy Metal am Hut hat, sondern der große Beatles-Fan Lemmy Kilmister stets den guten alten Rock and Roll gespielt und gebellt hat – nur eben lauter als andere.

 

Die zweite CD fängt dann mit dem Überhit „Ace Of Spades“ an. Der Song, der Motörhead vor vielen Dekaden unsterblich machte. „No Class“ ist programmatisch für Lemmy und seine Mannen. „God Save The Queen“ der Sex Pistols passt ja sowieso wie die Faust auf das Auge. Von „Iron Fist“ bis zum letzten und folgerichtigen Song „Motörhead“ ist das ein tolles Rockbrett. So und nicht anders!

 

Fazit. Eine „Best Of“ von Motörhead hätte Lemmy vermutlich nicht zugestimmt. Die Veröffentlichung ist trotzdem gut, da hier ein karriereumspannender Überblick gewährt wird. Alles drin, alles dran. Die Hits, aber auch die wandlungsfähigen Rocker, die durchaus zeigen, dass Lemmy mit seinen jeweiligen Mitstreitern auch gute und vielfältig Rocksongs geschrieben hat. Wer bisher noch nichts von Motörhead im Schrank stehen hat, sollte hier zugreifen!

 

https://imotorhead.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Motörhead: No Sleep ‘Til Hammersmith (40th Anniversary)

Motörhead: No Sleep ‘Til Hammersmith (40th Anniversary)

BMG

VÖ: 25.06.2021

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Ein Livealbum schaffte das, was den Studioalben von Motörhead verwehrt blieb, nämlich in deren Heimat den ersten Platz der Charts zu erreichen. Die Rede ist natürlich vom legendären „No Sleep ´Til Hammersmith“-Album. Es ist auf jeden Fall eines der wichtigsten Alben von Motörhead. Wenn einer aus heutiger Sicht wissen will, worum es bei dem Mythos Motörhead ging, der nähert sich sowieso am besten über die Live-Schiene Lemmy und seinen Mannen. Der 40. Geburtstag von „No Sleep ‘Til Hammersmith“ wird nun gebührend gefeiert und neu veröffentlicht!

 

Ursprünglich wurden für das Album drei Konzerte aufgenommen. Das ultimative Paket dieser neuerlichen Veröffentlichung hat nun genau diese am Start! Die Box hat beispielsweise das bis heute unveröffentlichte, komplette Konzert aus der Newcastle City Hall vom 30. März 1981 zu bieten. Viele Bonus-Tracks lassen das Fanherz sowieso höher schlagen. Natürlich gibt es auch noch bisher unbekannte bzw. unveröffentlichte Fotos zu sehen. Die bis jetzt unveröffentlichte Soundcheck Aufnahmen sind da das absolute Sahnehäubchen. Seltene Memorabilia oder ein doppelseitiges A3 Poster von 1981 gehören zu den weiteren Schätzchen dieser Veröffentlichung. Die Haptik dürfte somit auch überragend sein!

 

Das Tracklisting beinhaltet drei Songs von „Ace Of Spades“, fünf von „Overkill“, „Bomber’s“ Titel Track und  zwei vom Debütalbum „Motörhead“.  Die Band war damals fast ohne Unterlass auf Tour. Nur zwei Off Tage gab es während der 32 Gigs. Den Namen verdankt das Album der Aufschrift von einem der Trucks, der auf diesen Umstand hinwies. Die Aufmachung der Ausgabe von 2021 ist auf jeden Fall formidabel und dürfte eine gute Figur im Schrein machen!

 

Heimlicher Höhepunkt ist die Aufnahme vom Soundcheck vom 30.03.1981 von „Iron Horse“. Die Band setzt immer wieder an und so zieht sich das über elf Minuten. „Leaving Here“ vom Konzert, ebenfalls vom 30.03.1981, ist ein weiteres Highlight. Rock and Roll der alten Schule. Lemmy hechelt sich heiser durch die Nummer und spielt den Bass mit ordentlich Anschlag. Der Sound ist nicht bei allen Shows gleichbleibend gut, dafür rumpelt es ziemlich authentisch. „Metropolis“ vom 29.03.1981 hat fast schon Bootleg-Charakter. Der plärrt auch noch irgendwer ziemlich windschief den Text mit. Trotzdem geil. „(We Are) The Road Crew“ war vor 40 Jahren auf der Tour ebenfalls eine sensationelle Nummer mit einer noch besseren Einleitung von Lemmy.

 

Die Setlist war seinerzeit sowieso gespickt mit erstklassigem Songmaterial. „Ace Of Spades“, „Stay Clean“, „Metropolis“ „No Class“, „Overkill“ oder „Bomber“ – um nur einige zu nennen – sind längst zu Klassikern des lauten Rocks mutiert. Eine sensationelle Setlist war das damals. Der Sound des eigentlichen Albums ist übrigens – natürlich remastert – astrein und ziemlich amtlich!

 

Fazit: „No Sleep ‘Til Hammersmith“ von Motörhead ist einfach ein sensationell gutes Live-Album. Der 40. Geburtstag wird nun mit einer amtlichen Neuausgabe gefeiert. Drei Konzerte und jede Menge Klimbim, sowie eine erstklassige Aufmachung lassen keine Wünsche offen! Motörhead war stets mehr eine Live-Band denn eine Studio-Band. Warum das so ist, kann man auf dieser Veröffentlichung nachhören! Trotzdem hat die Kapelle erstklassiges Songmaterial im Gepäck gehabt, auch davon kann man sich hier noch mal überzeugen lassen! Gehört in jede anständige Musiksammlung!

 

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Text: Torsten Schlimbach

Motörhead: Louder Than Noise…Live In Berlin (CD+DVD)

Motörhead: Louder Than Noise…Live In Berlin

Silver Lining/Warner

VÖ: 23.04.2021

 

Wertung: 9/12

 

Motörhead schlug während der 40jährigen Karriere immer sehr viel Liebe der deutschen Fans entgegen. Die Konzerte glichen oft heiligen Messen und die Anhänger feierten Lemmy und seine Band frenetisch und fanatisch. Die Touren, besonders die der letzten Jahre, waren meist ausverkauft. Es lag somit auf der Hand ein Konzert, welches in Deutschland aufgenommen wurde, zu veröffentlichen. Die Show vom 5. Dezember 2012 im Velodrom in Berlin drängte sich da förmlich auf. Motörhead waren seinerzeit auf „Kings Of The Road“-Tour. In Berlin warteten 12.000 Fans auf das Trio und rollten sinnbildlich den roten Teppich aus. Nun wird die Sause in verschiedenen Konfigurationen veröffentlicht.

 

Ian ‘Lemmy’ Kilmister, Phil Campbell und Mikkey Dee haben an diesem denkwürdigen Abend die Wände im Velodrom zum Wackeln gebracht. Erstaunlicherweise gab es bei Motörhead bis zur letzten Show im Dezember 2015 nicht diesen furchtbaren Handy-Wald vor der Bühne. Das gehört mittlerweile ja leider zu jedem Konzert dazu. Bei Motörhead wurde bis zum Schluss gefeiert und förmlich durchgedreht. Wer vorne an der Bühne stand, konnte sich den Besuch im Fitnessstudio für den nächsten Monat sparen. Ein Motörhead-Konzert war stets eine sportliche Angelegenheit, sofern man ganz vorne mitmischen musste. Dies wird auf der vorliegenden Aufnahme nur allzu deutlich: verschwitze Menschen, teilweise mit freiem Oberkörper. Die Menge wogt hin und her und hat ihren Spaß. Die Motörhead-Community achtete aber auch stets aufeinander und so sind auch die Damen vorne vor der Bühne auf den Schultern der Herren keine Seltenheit. Es gibt übrigens viele Kamerafahrten über das Publikum. Dies ist sowieso eine erfreuliche Tatsache, dass man die Fans hier oftmals prominent in Szene gesetzt hat.

 

Die Kameraeinstellungen wiederholen sich zwar oft und das Bild ist jetzt auch keine Hochglanzproduktion, aber alles in allem ist das schon ordentlich. Hier wird eben Motörhead gezeigt – ohne Filter und Nachbearbeitung bis in das letzte kleine Detail. Die Show wurde von Henning Meyszner, der auch durch Konzertfilme für Saxon, Exodus und Kreator bekannt ist, aufgezeichnet mit Multi-Kameras gefilmt. Wie immer ist man auch bei den Protagonisten auf der Bühne hautnah dabei und kann Lemmy, Phil und Mikkey aus nächster Nähe bei der Verrichtung ihrer Arbeit bewundern. Das Trio war immer uneitel genug um da irgendwelche Tricks in der Nachbearbeitung einsetzen zu lassen. Es gibt Motörhead und Rock pur. Voll auf die Zwölf. Der Sound ist amtlich und roh. Für selbigen ist der langjährige Produzent Cameron Webb verantwortlich, der alles in den richtigen Motörhead Party–Mix und 5.1. für die DVD gebracht hat.

 

Wer auf eine Motörhead-Show ging, wusste was da auf einen wartet: derbe laute Rockmusik, gespielt von Männern, die ziemlich unverdächtig waren der nächste Bachelor zu sein und in der Halle schwebte der Geruch von Schweiß und Bier über die Köpfe hinweg. Es wird gerne vergessen, dass Motörhead nicht nur ein Naturereignis waren, sondern auch richtig gute Songs im Gepäck hatten. Natürlich blieben sie stets in ihrer eigenen Nische, aber trotzdem ist das Songmaterial vielfältig. Man höre sich nur den Show-Opener „I Know How To Die“ oder „Over The Top“, „Rock It“, „Doctor Rock“, „Metropolis“ und „Overkill“ an – es ist nicht ein Song wie der andere - das ist nur ein Gerücht!

 

Die Show selber hat keine nennenswerten Effekte zu bieten. Da wird ein bisschen mit dem Licht gespielt und Phil Campbell darf ein Solo auf seiner grün leuchtenden Gitarre spielen. Mikkey Dee kriegt auch noch ein bisschen Solozeit und darf ein Schlagzeugsolo kredenzen. Auch da sind sich Motörhead stets treu geblieben. Ganz zum Schluss gesellen sich noch die Jungs von Anthrax mit auf die Bühne und die ganze Kiste artet in eine Party aus. Als der ganze Zauber vorbei ist, lächelt Lemmy beseelt. Es war wohl auch für ihn ein schöner Abend und ein gutes Konzert. Das war es auch, lieber Lemy! Lemmy war hier noch sichtbar fit und alles in allem ist das ein mitreißender Auftritt gewesen.

 

Fazit: Lemmy, Phil (seit 1984 bei Motörhead) und Mikkey (kam 1992 hinzu) waren eine tolle Live-Band. Die Aufnahme aus Berlin präsentiert die Kapelle roh und ungefiltert und fängt somit die große Spielfreude direkt ein. Band und Publikum drehten den Laden auf links. Dies wurde für die Nachwelt festgehalten und kann nun anhand der wundervollen DVD genossen werden. Hier kriegt man Motörhead noch mal bei einem herausragenden Auftritt gezeigt. Darf in keiner Musiksammlung fehlen!

 

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Text: Torsten Schlimbach

Motörhead: Ace Of Spades –  40th Anniversary Edition

Motörhead: Ace Of Spades –  40th Anniversary Edition

BMG

VÖ: 29.10.2020

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Sind wir mal ehrlich: es darf durchaus bezweifelt werden, ob Lemmy dem ganzen Anniversary-Kram zugestimmt hätte. Und sind wir noch mal ehrlich: es ist gut, dass der ganze Kram zugänglich gemacht wird. Die Jubiläums-Alben von „Overkill“ und „Bomber“ waren für Fans ja schon ein Fest und auch die Kritiker zeigten sich aufgrund des zusätzlichen Materials entzückt. Jetzt folgt mit „Ace Of Spades“ der nächste Streich und dieser ist in vielerlei Hinsicht ein ganz, ganz dickes Brett! Es gibt, wie es in der heutigen Zeit eben üblich ist, verschiedene Konfigurationen die man käuflich erwerben kann. Herzstück ist sicherlich die Box, die randvoll gepackt wurde und jede Menge Gimmicks, aber natürlich auch viel Musik enthält. 42 unveröffentlichte Live Songs gibt es da auf die Ohren!

 

Inhalt des  “Ace Of Spades” Deluxe Box Set:

  • Das „Ace Of Spades“ Album, half-speed gemastert und von den Original Master Tapes abgenommen
  • Zwei Doppel Live- Alben der unveröffentlichten Konzerte von der „Ace Up Your Sleeve“ Tour
  • A Fistful Of Instrumentals : Eine 10” EP bisher unveröffentlichter Instrumentals von 1980
  • The Good, The Broke & The Ugly: Ein Doppel- Album der B-Seiten, Outtakes und Rare Tracks
  • Ace On Your Screens: Eine DVD Compilation rarer TV Auftritte 1980-81, ein Live Konzert von 1981 und ein 5.1 Audio Mix des Original Albums
  • Die “Ace Of Spades” Story. Ein 40 Seiten starkes Buch, das die Geschichte von „Ace Of Spades“ erzählt und mit bisher unveröffentlichten Zeitzeugen-Interviews, begleitet mit  bis dato nicht veröffentlichten Fotos und Memorabilia. 
  • Das Ace Up Your Sleeve Tour Programm
  • Der Motörhead Rock Commando Comic
  • Ein Set von 5 Poker Würfeln damit du auf dem umgeklappten Boxlid dein Glückspiel gewinnen kannst
  • Alles verpackt in einer klassischen Wild West Dynamite Box
  • Eine Limited Edition 7" Reproduktion der holländischen Version von 'Ace Of Spades' mit einer unveröffentlichten Instrumental Version auf der B-Seite. 

 

Die komplette Musik der Box liegt uns zur Besprechung vor. Es befinden sich viele kleine Schätze darunter. Der Sound ist jetzt nicht immer überragend, aber darum geht es ja auch nicht. Trotzdem lässt sich das gut ohne Ohren- und Bauchschmerzen hören. Der Mehrwert liegt da sowieso im Detail. Oder um es mit den Worten von Lemmy zu sagen: Good evening, you motherfuckers!  Es gibt viele kurzweilige Ansagen zu hören. Und wenn Lemmy findet, dass das Publikum beim letzten Mal am selben Ort aber um einiges lauter war, dann teilt er das auch auf seine direkte Art und Weise mit.

 

Motörhead waren damals auf einem ihrer vielen Höhepunkte. Hört man sich die Aufnahme vom 23. Dezember 1981 aus Belfast an, dann wird einem schnell klar, dass die Kapelle damals schon über eine ganze Menge großartiger Songs verfügte, die heute alle längst Klassiker sind. Angefangen bei „Stay Clean“ über das saugeile „Metropolis“, „No Class“ bis hin zu den unkaputtbaren „Overkill“ oder „Bomber“, die Lemmy zeitlebens immer wieder im Live-Programm hatte. Da es hier verschiedene Konzerte gibt, sind die Songs auf dem Set natürlich mehrfach enthalten. Das macht aber auch den Reiz aus, denn so kann man auch nachvollziehen, wie die Band die Tracks in Nuancen veränderte. Das macht schon Laune. „Bomber“ in der Version von Girlschool ist auch sensationell.

 

Die Instrumental-Versionen sind ganz nett und da weht auch ein bisschen Demo-Charakter mit. Die ganze Sause als Alternativ-Versionen ist sicher auch ein nettes Beiwerk und für Fans ein ganz besonderes Schmankerl. Manchmal klingt das zwar, als hätte die Truppe das in der Küche eingeknüppelt und Lemmy im Badezimmer dann den Gesang aufgenommen. Von „Ace Of Spades“ über „Love Me Like A Reptile“ bis zu „The Hammer“ und der Lang-Version von „Dirty Love“ hat das einiges an Mehrwert zu bieten, weil man hier Einblicke bekommt, die man bisher nicht hatte!

 

Kernstück dieser Veröffentlichung ist natürlich das Album. Selbiges war vor 40 Jahren eine Sensation. Nichts war damals im Heavy Rock, Punk oder Rock and Roll schneller, dreckiger und lauter. „Ace Of Spades“ – der Song – war und ist eine verdammte Hymne. Die dürfte jeder mit einem Herz für Rock kennen. „Love Me Like A Reptile“ hat gerade die Gitarre betreffend verschiedene Brüche zu bieten. Hier wird dann auch entkräftet, dass Motörhead den selben Song immer und immer wieder aufnehmen würden. Das gilt aber im Grunde für jeden Song auf dem Album. Der schwere Stampfer „Shoot You In The Back“ gefällt da ebenso, wie „Live To Win“ mit dem für Lemmy charakteristischen Bassspiel oder „Fast And Loose“, einer Nummer, die ein bisschen an den Boogie von ZZ Top erinnert. Mit „Fire Fire“ brechen Motörhead alle Geschwindigkeitsrekorde. Auf dem Album ist aus heutiger Sicht vielleicht nicht alles zeitlos, aber bis zum Schluss mit „The Hammer“ macht das Ding immer noch eine Menge Laune!

 

Fazit: Die 40th Anniversary Edition von „Ace Of Spades“ wird in verschiedenen Konfigurationen veröffentlicht und natürlich geht es dabei auch um Geld. Haptik und Inhalt können sich aber sehen lassen. Wir haben uns hier auf die Musik der Box konzentriert und da gibt es die Vollbedienung. Von Outtakes über rares Material, unveröffentlichten Songs, Instrumentals und satten Live-Tracks gibt es da nichts zu meckern. Und dabei bleibt festzuhalten, dass das hier nicht unter Ausschussware zu verbuchen ist, denn die Konzerte wird man sich öfters geben! Was die Musik betrifft, ist das eine absolute Kaufempfehlung – zur Haptik kann an dieser Stelle nichts gesagt werden.

 

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Text: Torsten Schlimbach

Motörhead: Under Cöver

Motörhead: Under Cöver

Silver Lining/Warner

VÖ: 01.09.2017

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Bevor jetzt einige allzu kritische Zeitgenossen das Schild mit dem Aufdruck „Ausverkauf“ oder „Leichenfledderer“ in das Fenster kleben, sei noch der Hinweis angebracht, dass sowohl Phil Campbell als auch Mikkey Dee an „Under Cöver“ beteiligt waren oder sich zumindest sehr positiv über die Songs, die Entstehung und die Veröffentlichung auslassen. Natürlich wird jetzt versucht, mit dem Nachlass von Lemmy Geld zu scheffeln, aber bei der vorliegenden Veröffentlichung darf man durchaus davon ausgehen, dass das durch die Qualitätskontrolle gegangen ist.

 

Mikkey Dee betonte im Vorfeld schon mehrfach, dass man, wenn man „Under Cöver“ hört, nicht vergessen sollte, dass beim Einspielen der Coversongs immer der Spaß im Vordergrund gestanden habe. Ausrede? Vorbeugen, falls es allzu kritische Stimmen gibt? Das ist sicher vom guten Mikkey nett gemeint, aber im Grunde war das völlig unnötig. Es gab ja auch nicht umsonst einen Grammy für die Version von „Whiplash“, die mitunter sogar besser als bei Metallica ist! Auch, wenn die Songs aus unterschiedlichen Phasen stammen und man das besonders der Stimme von Lemmy anhört, sind die durch die Bank gelungen. Mit anderen Worten: „Under Cöver“ macht eine Menge Laune. Bei den elf Tracks handelt es sich somit um würdige Interpretationen.

 

Die Liner Notes stammen übrigens von Mikkey und Phil! Das Booklet ist auch ganz informativ, da man zu jedem Song einen kurzen Abriss erhält, wann, warum und wo die jeweilige Nummer aufgenommen, veröffentlicht oder eingespielt wurde. Das ist doch mal was!

 

Den Anfang macht „Breaking The Law“. Das Ding kennt man ja schon von „A Tribute To Judas Priest“ aus 2008. Musikalisch ist das nahe am Original, durch den kehligen Gesang von Lemmy klingt das aber dreckiger und rotziger. „God Save The Queen“ stammt von „We Are Motörhead“. Es ist ja bekannt, dass das Trio ein Faible für die Sex Pistols hatte. Natürlich passt das auch gut zur Attitüde. Mikkey Dee lässt es hier ordentlich scheppern und Lemmy war damals noch im Vollbesitz seiner Kräfte.

 

Dann kommen wir zur Königsklasse, denn „Heroes“ von Bowie kann man nicht so einfach covern. Und wer könnte sich das schon in einer Motörhead-Version vorstellen? Dies ist übrigens eine der letzten Aufnahmen mit Lemmy aus dem Jahre 2015! Und sie ist ganz großartig geworden. Man hört förmlich, dass Herrn Kilmister daran sehr viel liegt und er sich richtig Mühe gegeben hat. Darf man bei Motörhead das Wort episch benutzen? In diesem Fall schon! Das hätte sicher auch dem Meister höchstperösnlich gefallen! „Starstruck“ von Rainbow singt übrigens mit Biff Byford der alte Weggefährte von Saxon ein. Lemmy war gesundheitlich derart angeschlagen, dass er die Lead Vocals nicht mehr packte. Somit hört sich das Ding auch eher wie eine Saxon-Coverversion an.

 

Mit „Cat Scratch Fever“ (Ted Nugent) hat man einen Song aus dem Jahre 1992 vom „March Or Die“-Album ausgewählt. Soweit so gut. Danach folgen zwei Höhepunkte von „Under Cöver“. Es ist ja bekannt, dass Lemmy großer Fan der Beatles war. Er hatte aber auch ein ausgesprochenes Faibel für die Stones. „Jumpin´ Jack Flash“ - ein Bonustrack der Re-Issue von „Bastards“ - ist schon ein ziemliches Brett. Motörhead geben dem Ding den Dreck zurück, den die Stones in all den Jahren verloren haben. „Sympathy For The Devil“ ist einfach großartig! Das liegt natürlich am Ausgangsmaterial, aber eben auch an der Art und Weise, wie sich Motörhead das Ding zur Brust genommen haben. Das Original wird nicht verfälscht, aber trotzdem ist das durch und durch Motörhead. Ein Höhepunkt auf dem letzten Studio-Werk „Bad Magic“!

 

„Hellraiser“ stammt ja sowieso aus der Feder von Lemmy und wurde auf dem Album „March Or Die“ veröffentlicht, jedoch ursprünglich Ozzy Osbourne für „No More Tears“ zur Verfügung gestellt, der dann noch ein bisschen mit Wylde daran gebastelt hatte. Die Motörhead-Version ist aber um Längen besser. Die Ramones und Motörhead waren Brüder im Geiste und so gibt es folgerichtig mit „Rockaway Beach“ den Song dazu. „Shoot ´Em Down“ für das Twisted Sister Tribute „Twisted Forever“ ist schön knackig auf den Punkt gebracht worden und knallt nach all den Jahren immer noch sehr schön.

 

Fazit: Wie vielfältig Motörhead klingen (können) und wie wandelbar die Stimme von Lemmy war, kann man nun noch mal auf „Under Cöver“ nachhören. Die Interpretationen dieser Klassiker sind in jeglicher Hinsicht sehr würdevoll ausgefallen. Die größten Überraschungen dürften „Heroes“ von Bowie und „Sympathy For The Devil“ von den Stones darstellen. Motörhead haben das auf ihre ureigene Art und Weise ganz famos eingenagelt. „Under Cöver“ macht nicht nur Spaß, sondern stellt auch eine Bereicherung für die Sammlung dar!

 

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Text: Torsten Schlimbach

Motörhead: Clean Your Clock (CD+DVD)

Motörhead: Clean Your Clock (CD+DVD)

UDR/Warner

VÖ: 10.06.2016

 

Wertung: 8/12

 

Lemmy von Motörhead verkörpert als das, was man sich von einem Rock and Roll-Leben vorstellt. Er war der Prototyp. Vermutlich war er sogar der Einzige, der dieses Leben mit allen Konsequenzen bis zum Schluss durchgezogen hat. Ein authentisches Urviech. Seit Lemmy den Rockzirkus auf Erden für immer verlassen hat, ist selbiger ein ganzes Stück ärmer geworden. Lemmy wird auf ewig eine Ikone sein. Er teilte stets das Schicksal der Ramones, die ebenfalls nie so viele Platten an die Frau und den Mann bringen konnten, wie es deren Bekanntheitsgrad eigentlich gerechtfertigt hätte. So mancher T-Shirt-Träger mit einem Logo von Motörhead wird nicht mal einen Songtitel benennen können. So ist das eben, wenn man schon zu Lebzeiten eine Legende ist. Jetzt wird mit „Clean Your Clock“ das Vermächtnis des Ian Fraser „Lemmy“ Kilmister und von Motörhead veröffentlicht.

 

Vier Jahrzehnte lärmten sich Motörhead durch die Clubs, Hallen und Festivalgelände dieser Welt. Die Shows am 20. und 21. November 2015 im Zenith in München wurden mitgeschnitten und die Quintessenz daraus wird nun auf CD und DVD veröffentlicht. Natürlich auch auf Vinyl. Farbig versteht sich. Und dann wäre da noch eine Box im allerlei Nippes, den vermutlich kein Mensch braucht, der Sammler und Fans aber extrem glücklich macht.

 

Lemmy war ja schon länger angeschlagen und nicht mehr der Alte. Guckt man sich diese Video hier an, dann wird einem das auch ganz schmerzlich vor Augen geführt. Da steht ein ausgemergelter, alter Mann, der kaum im Stande ist zu singen, geschweige denn noch irgendeine Show abzuziehen. Gut, Lemmy stand immer nur hinter seinem Mikro, trotzdem war seine Präsenz stets beachtlich. Auch körperlich. Dies ist alles weg und man hat fast schon Mitleid mit dem Männchen. Will man Lemmy so in Erinnerung behalten? Lemmy wollte es so, denn sonst hätte er wohl kaum dem Dreh zugestimmt. Die eine oder andere Ansage lässt er sich nicht nehmen, ansonsten hilft ihm eben der treue Phil Campbell aus.

 

Der Sound ist druckvoll, aber nicht undifferenziert. Die Feinheiten lassen sich da schon sehr gut heraushören. Gitarre und Bass wurden fein säuberlich getrennt und austariert. Das Schlagzeugspiel von Mikkey Dee knallt ordentlich rein. Lemmy knurrt wie eh und je und doch kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Mann in München auch um seinen Gesang kämpfen musste.

 

Guckt man sich „Bomber“ an, dann ist das aus der Ferne immer noch ein mächtiges Ungetüm. Der schnelle Schnitt suggeriert aber auch andere Gegebenheiten, die vor Ort so sicherlich nicht vorhanden waren. Das Publikum freut sich immerhin Lemmy noch mal sehen zu dürfen. Das ist natürlich auch ein Hitfeuerwerk und liebgewonnene Klassiker der Bandgeschichte sind dabei. „Metropolis“ ist immer ein Brett, „No Class“ hat nichts von seiner Aussagekraft eingebüßt und „Orgasmatron“ wird auf ewig knallen. Es gibt davon aber auch – und so ehrlich muss man dann auch sein – schon wesentlich bessere Live-Versionen, weil Lemmy da einfach noch in besserer Verfassung war. Ein Schlagzeugsolo braucht im Jahre 2016 ja eigentlich kein Mensch mehr, aber Motörhead lässt man das natürlich durchgehen. Ob Mikkey Dee das nun bei den Scorpions auch machen darf? Natürlich gibt es dann auch noch das obligatorische „Ace Of Spades“ und „Overkill“. Das war es . Die letzten Live-Aufnahmen von Lemmy.

 

Fazit: „Clean Your Clock“ ist eine Aufnahme aus München von Motörhead aus dem November 2015 und dürfte somit das Live-Vermächtnis von Lemmy bleiben. Der Mann ist deutlich angeschlagen und nur noch ein Schatten früherer Tage. Traurig ihn so zu sehen. Auf der anderen Seite hat er bis zum Schluss eben das gemacht, was ihn sein ganzes Leben erfüllt hat. Ein Leben für den dreckigen und schnellen Rock and Roll. Der Schnitt ist manchmal etwas zu schnell, aber das passt natürlich zur Musik. Lemmy muss allerdings auch um jeden Ton kämpfen. Mach es gut Lemmy und misch den Laden da oben mal ordentlich auf, damit die wissen was echter Rock and Roll ist!

 

https://www.imotorhead.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Motörhead: Aftershock (Tour Edition)

Motörhead: Aftershock (Tour Edition)

UDR/Motörhead Music/Warner

VÖ: 04.07.2014

 

Wertung: 9/12

 

Da hat die letzte Scheibe von Motörhead noch kein Jahr auf dem Buckel, da gibt es nun auch schon wieder in Form einer Tour Edition den Nachschlag. Solche Geschichten sind immer mit einem bitteren Beigeschmack geschmückt, denn der Fan guckt dabei mal wieder ganz blöd aus der Wäsche. Wer sich das wirklich gute Album schon zugelegt hat, wird nun im Grunde doppelt zur Kasse gebeten. Immerhin gibt es die Neuauflage zum Preis einer Einzel-CD zu kaufen und da die zweite CD mit vierzehn Live-Krachern gut gefüllt wurde, relativiert sich das dann wieder. Wer bis jetzt gewartet hat, kann da sogar ein richtiges Schnäppchen machen. So ist das eben manchmal im Leben und selbst Lemmy und seine Radautruppe ist vor solchen Geschäftsgebaren nicht gefeit. Dies schmälert letztlich aber kaum den guten Gesamteindruck.

 

Die ganze Geschichte rund um den Release von „Aftershock“ ist ja eher unschön und es dürfte ja bekannt sein, dass da einige Tourdaten verschoben werden mussten, da sich Lemmy nicht gerade bester Gesundheit erfreute und sich zunächst richtig erholen musste. Irgendwann stottert auch bei dem Prototyp eines Rockstars die Pumpe. Als Warm-Up für die Festivalsaison absolvierten Motörhead eine West Coast Tour und davon gibt es jetzt sozusagen auf der Bonus-CD zu „Aftershock“ einen Querschnitt auf die Ohren. Motörhead sind wieder zurück und ganz die Alten – oder vielleicht auch nicht. Lemmy war zwar noch nie der weltbeste Sänger, aber wenn man sich hier so manches Stück anhört, dann muss er doch ganz schön drücken, dass überhaupt etwas rauskommt. „Aces Of Spades“ ist da in erster Linie zu nennen. Der Spielfreude tut dies allerdings keinen Abbruch - es sind Motörhead und sie spielen Rock’n’Roll!

 

„Best Of The West Coast Tour 2014“ liefert einen ganz dezenten Überblick über das Schaffen von Motörhead. Natürlich können vierzehn Songs nicht mal ansatzweise repräsentativ für den gesamten Backkatalog stehen, aber einige Kracher aus der Vergangenheit finden sich hier schon wieder. Bei „Doctor Rock“ schlägt dann auch die große Stunde von Mikkey Dee, der da sein amtliches Drumsolo spielen darf. Kennt man, ist aber immer wieder gut. Nur Motörhead dürfen heutzutage noch so etwas während eines Konzerts unterbringen, bei allen anderen wirkt das peinlich. Heimlicher Höhepunkt dieser Zusammenstellung dürfte „Metropolis“ in dieser druckvollen Version sein. Lemmy pumpt aus seinem Bass alles raus was geht. „Damage Case“ hingegen unterstreicht, dass Motörhead eben doch vielseitig sind. Der Song ist auf den Mauern des Blues erbaut worden und das hört man auch sehr deutlich. Das punkige „Stay Clean“ fräst sich danach sehr heavy in die Gehörgänge.

 

Sind wir mal ehrlich, eigentlich ist Motörhead die große Lemmy-Show, aber was wäre er ohne Mikkey Dee und Philip Campbell? „I Know How To Die“ wird von den beiden einfach sehr schön über die Ziellinie getragen und Campbell darf zwischendurch auch mal ein amtliches Rock and Roller-Solo vom Stapel lassen. „Over The Top“ feuert eine Gitarrensalve ab, dass einem Hören und Sehen vergeht. So und nicht anders! „The Chase Is Better Than The Catch“ wiederum wird ganz langsam aufgebaut – ja, auch das gibt es mal bei Motörhead. „Lost Woman Blues“ ist ein Schmankerl für die Fans und mit „Going To Brazil“ gibt es gar einen Rocksong, der ordentlich rollt – würde vermutlich sogar Elvis gefallen und Brian Setzer sieht dagegen ziemlich blass aus. Zum Schluss gibt es das obligatorische „Overkill“ - egal wie, egal wo und egal wann: es ist ein Brett und ein Klassiker dazu.

 

Fazit: „Aftershock“ von Motörhead war und ist einfach ein gute Platte der lauten Herren. Jetzt gibt es das Album auch noch mal als Tour Edition. Die Kuh in Form des Fans wird hier zwar noch mal gemolken, aber die Live-CD ist wirklich gut und bietet einen guten Überblick über die Qualität der aktuellen Motörhead-Tour. Für einen Zusammenschnitt wirkt das sogar sehr homogen und die Palette reicht von neuem Material bis zu den Klassikern und einigen Schmankerln. Wer sich das Ding kauft, kann eigentlich nicht viel verkehrt machen, denn das Package gibt es immerhin zum Preis einer Einzel-CD!

 

http://imotorhead.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Motörhead: Aftershock

Motörhead: Aftershock

Rykodisc/Warner

VÖ: 18.10.2013

 

Wertung: 9/12

 

Was war das doch für ein Schock! Keiner hielt es für möglich und doch musste man schmerzlich feststellen, dass der Mann, der am 24. Dezember seinen Geburtstag feiert, verwundbar ist. Ian Lemmy Kilmister lag im Krankenhaus und musste sich einen Defibrillator einsetzen lassen. Eine Welt brach zusammen. Jener Mann, der wie eine Kakerlake einfach unkaputtbar schien sollte doch eine endliche Lebensuhr haben? Ja, Lemmy kommt so langsam in die Jahre und auch beim diesjährigen Wacken zollte sein Körper den Umständen Tribut und Motörhead mussten den dortigen Auftritt abbrechen. Nach 2013 ist im Musikgeschäft nichts mehr wie es mal war, der Rockmusik wurde die unverwüstliche Aura genommen. „Aftershock“!

 

„Aftershock“ ist das 21. Studioalbum von den Radaubrüdern. Aufgenommen wurde die Sause in den NRG Studios in Hollywood. Mit Cameron Webb ist auch der Langzeit Produzent von Motörhead wieder mit an Bord. Im Alter braucht man ja auch nicht mehr mit Experimenten anfangen. Und was soll man sagen? Es wird experimentiert. Natürlich nicht so, dass dies auch dem Selbstverständnis der Radiohead-Anhänger gerecht werden würde. Motörhead sind schließlich immer noch Motörhead. Trotzdem findet sich unter den vierzehn Songs doch so manche Überraschung wieder. Zumindest für Motörhead-Verhältnisse. Natürlich klopft Lemmy im Vorfeld ordentlich auf den Busch und faselt etwas von „einem unserer besten Alben“. Die Promo-Maschine will schließlich auch bedient werden und was soll er auch sonst erzählen. Der Knaller ist nur, dass es tatsächlich zutreffen könnte. Man müsste sich jetzt noch mal die Mühe machen und durch alle Werke wühlen, auch jene, die man eigentlich als Vollkatastrophe abgespeichert hat. „Aftershock“ dürfte durchaus im vorderen Drittel landen.

 

Natürlich befinden sich auf diesem Album auch die bekannten Brecher wieder. So lange die aber mit derartig viel Rotz am Bass vorgetragen werden wie bei „Queen Of The Damned“ ist die Welt noch in Ordnung. Und es ist immer noch eine Freude! Diese Nummer knüpft auch wieder an den alten Gassenhauer „Ace Of Spades“ an. Wie cool läutet Lemmy doch mit seinem prägnanten Bassspiel das kurze Solo von Phil Campbell ein. Die Jungs haben es immer noch drauf. „Knife“ nimmt gar ein bisschen den Fuß von der Pedale und kommt mit einer gehörigen Portion Finsternis um die Ecke gebogen. Die Gitarre heult bis die Saiten reißen und die rauchig-kaputte Stimme von Lemmy passt dazu wie die Faust auf das Auge. Das Riff brennt sich dazu noch gleich beim ersten Mal ein.

 

Schon mit der Dampframme „Heartbreaker“ gibt es von Motörhead zu Beginn gleich ordentlich einen vor den Latz geknallt. Man glaubt es kaum, aber der kurze Refrain hat tatsächlich Ohrwurmcharakter. Gut, von einem Refrain kann man nicht unbedingt sprechen, aber immerhin. Mikkey Dee prügelt sich schon hier durch den Song, dass es für zwei Platten reichen würde. Motörhead sind zurück. Definitiv. Da macht es auch nichts, dass „Coup De Grace“ als guter Standard daher kommt. Es ist trotzdem eine Freude. Mit „Lost Woman Blues“ wird danach ordentlich auf die Bremse getreten. Ein arschcooler Song, der gar ein wenig an Tito & Tarantula in deren guter Phase erinnert. Motörhead entdecken den Blues und das verdammt noch mal auf ihr eigene Art und Weise. Große Nummer, auch wenn diese durchaus kontrovers aufgenommen werden könnte.

 

„End Of Time“ fräst sich danach wie ein Bulldozer durch die Szenerie, während „Do You Believe“ mit beiden Beinen fest im Rock and Roll steht. „Death Machine“ gefällt sogar mit seinem Songaufbau und den Tempovariationen. So langsam fängt man an und staunt. Und dann? Ja dann, kommt „Dust And Glass“ angekrochen. Eine Ballade! Natürlich ist hier nichts mit Kitsch und dem ganzen Kram. Dies erinnert mehr an einen Bar-Blues. Und Lemmy singt tatsächlich richtig und verständlich. Vielleicht ein Schock für so manchen Hörer – Fans kennen das natürlich schon. Starker Song! Auf diesem doch vielseitigen Album kriegt der Affe selbstverständlich auch seinen Zucker und somit gibt es bei „Going To Mexico“ auch die bewährten Zutaten. „Silence When You Speak To Me“ erinnert an die 90er und ist ein verdammter Hit. Kein Hit, wie man diese aus dem Mainstream kennt, aber das versteht sich ja wohl von alleine. „Keep Your Powder Dry“ suhlt sich auch noch mal im Rock and Roll-Bad und „Paralyzed“ reißt zum Schluss eine ganze Großstadt ab. Scheiße, ist das neue Motörhead Album gut!

 

Fazit: „Aftershock“ von Motörhead ist ein – für diese Band – sehr vielseitiges Werk. Blues, Rock and Roll und Blues-Balladen sind hier ebenso zu finden wie natürlich auch die Brecher, für die die Band so verehrt wird. Der Sound ist zudem überraschend gut und die Songs wurden entsprechend gut abgemischt. Laut ist eben nicht alles! Eines der besten Motörhead-Alben? Lemmy lügt doch nicht, oder? Er hat am 24. Dezember Geburtstag! Nein, Lemmy kann nicht lügen.

 

http://www.imotorhead.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch