Matthias Schweighöfer: Hobby

Matthias Schweighöfer: Hobby

Universal

VÖ: 04.09.2020

 

Wertung: 7/12

 

Matthias Schweighöfer ist jetzt auch Musiker. Oder Sänger. Beides. Vielleicht. Er veröffentlicht nun jedenfalls mit „Hobby“ bereits sein zweites Album und da kann man durchaus davon sprechen, dass „Lachen, Weinen, Tanzen“ keine Eintagsfliege war. Mit dem Albumtitel gibt er natürlich die Richtung vor und nimmt potenziellen Kritikern gleich den Wind aus den Segeln – ein bisschen jedenfalls. Selbstverständlich gelten aber auch für Matthias Schweighöfer keine anderen Maßstäbe als bei anderen Musikern. Wer sich dem Markt stellt und käuflich zu erwerbende Musik anbietet, kann keine andere Behandlung erwarten – Hobby hin, Hobby her.

 

Mit „Anfang“ lässt er die Hosen runter. In zwei Minuten erzählt (nicht singt) er zu dezenten Klavierklängen von seinen Ängsten und seiner Welt. Das ist Matthias Schweighöfer pur. „BEEM“ macht dann zu modernen Beats etwas mehr Betrieb. Federführend ist übrigens bei allen Songs Farsad Zoroofchi vertreten, der als Fayzen selber höchst beachtliche Musik aufnimmt. „Lauf“ ist der Hit des Albums. So geht wohl moderne Popmusik. Gute Hookline, angenehme Singstimme und ein Refrain, der sich in Ohr und Kopf festsetzt. Das ist mit „Melodie“ aber schon wieder vorbei. Jetzt hört sich das wie Culcha Candela an – also ganz und gar furchtbar.

 

Die Stärken von Schweighöfer liegen eher bei den Balladen, die immer auch ein bisschen an Philipp Poisel erinnern. „Sonnenberg“ geht in diese Richtung, „Motten“ auch. Er sprechsingt bei letztgenannter Nummer allerdings ein bisschen wie Max Herre. Das sind ja alles nicht die schlechtesten Referenzen. „Eifersucht“ bollert mit harten Beats und Stimmverfremdungen ganz furchtbar durch den Computergemüsegarten. Die Balladen passen einfach besser zu Schweighöfer. „Türkis“ ist da ein weiterer, guter musikalischer Beleg für. „Lass Uns Gehen“  ist ähnlich poppig ausgerichtet wie „Lauf“ – hat auch, trotz der Trennungsthematik, Hitqualitäten. „Schatten“ ist harm- und belangloser Pop. „Du Fehlst“ und „Ins Licht“ sind zwei weitere Balladen und auch „Zeit“ ist sehr schwermütig. „Ende“ ist dann die fünfzehnte Nummer – das Album ist auch mindestens um vier Tracks zu lang.

 

Fazit: Es gibt Schlimmeres als ein Album von „Matthias Schweighöfer“. Er hat sich zur Umsetzung von „Hobby“ auch mit guten Leuten umgeben. Manches geht in die Hose, manches ist überraschend gut. Es wird Leute geben, die davon abgeholt werden und die bei der einen oder anderen Ballade verträumt in den Himmel gucken. Somit gelingt Schweighöfer nämlich etwas ganz Wichtiges: er vermag Emotionen zu erzeugen und zu vermitteln. Das ist letztlich wie einer seiner Filme: nichts für jeden Tag, aber hin und wieder ganz unterhaltsam.

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch