Mark Kelly: Marathon

Mark Kelly: Marathon

earMUSIC/Edel

VÖ: 27.11.2020

 

Wertung: 8/12

 

Sind wir mal ehrlich, Keyboarder stehen auf der Liste für den Coolness-Faktor nicht gerade weit oben. Den Ruhm kriegen sowieso die Bandkollegen ab. Viele scheinen damit aber auch recht glücklich zu sein. Auf der Straße werden sie zumeist nicht erkannt und so können sie im Musikgeschäft ihre Leidenschaft ausleben, bestenfalls davon leben und trotzdem ein halbwegs normales Leben führen. Vielleicht sind das auch alles Gründe dafür, warum sich Mark Kelly für sein Solo-Album derart viel Zeit gelassen hat. Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass der Tastenmann von Marillion schon sehr lange damit liebäugelt. Jetzt ist es endlich soweit und „Marathon“ wird veröffentlicht. Tritt er nun ins Rampenlicht?

 

Und was soll man sagen? Mark Kelly spielt sich auch bei „Marathon“ nicht in den Vordergrund, sondern agiert – um mal die Worte aus dem Sportbereich zu verwenden – sehr mannschaftsdienlich. Es ist ja nicht neu, dass der Mann Songs schreibt, insofern ist das hier auch kein neues Terrain für ihn. Die Band für dieses Abum besteht aus den beiden Sängern Guy Vickers und Oliver M. Smith, Pete Wood und John Cordy an den Gitarren und Henry Rogers hinter der Schießbude. Den Job am Bass hat er seinem Neffen Conal Kelly gegeben.

 

In Erinnerung wird letztlich der Gesang bleiben, da selbiger eben auch die Richtung vorgibt. Vieles hat eine stimmliche Nähe zu Peter Gabriel und somit verortet man die Musik auch automatisch in dieser Ecke. Hin und wieder erinnert die Stimme in kurzen Passagen an Sting oder Tony Hadley von Spandau Ballet. „When I Fell“ ist sogar eine Mischung aus allen Stimmen.

 

Thematisch geht es bei diesem Album ums Fliegen, das Überqueren von Kontinenten und die Unendlichkeit des Alls. Mark Kelly hat dazu seinen bekannten Keyboard-Teppich ausgerollt, der dies atmosphärisch sehr schön in Szene setzt. Das Album ist mit einer Spielzeit von 44 Minuten zwar kompakt, hat aber mit „Amelia“ und „Twenty Fifty One“ zwei Longtracks zu bieten. Die ganze Geschichte ist klanglich absolut erstklassig, aber das war auch so zu erwarten. Die einzelnen Takes mussten sich die Musiker aufgrund der Pandemie hin- und herschicken. Das hört man nicht, denn alles ist wie aus einem Guss!

 

Hört man sich beispielsweise „Puppets“ an – übrigens mit Marillion-Bandkollege Steve Rothery an der Gitarre – dann ist es vielleicht genau die Art von Zerstreuung, die es aktuell braucht. Eine Flucht in eine Traumwelt und weit weg von und vor Corona. Das glasklare Gitarrenspiel holt einen – sofern man will – komplett ab. Das ist zwar alles im Progrock anzusiedeln, hat aber auch immer einen deutlichen Hang zum Pop. „This Time“ ist dann auch leichte Kost, die sich eingängig in die Ohren hineinschmeichelt. Das ist aber auch das Schöne an „Marathon“, man wird als Hörer nicht überfordert und doch ist die Musik sehr vielschichtig und hat verschiedene Ebenen. Und ja, Fans von Peter Gabriel kriegen mit „Amelia“ den vielleicht besten Track, den Peter Gabriel nie gesungen hat - sich aber so anfühlt.  

 

Fazit: Mark Kelly hat sich ausgerechnet das Jahr 2020 ausgesucht um sein Solo-Debüt zu veröffentlichen. Vielleicht ist es auch genau das Album zur richtigen Zeit – sofern man sich in die Traumwelt abholen lassen möchte. Klanglich ist das absolut erstklassig. „Marathon“ bewegt sich aber auch in ähnlichen Klangwelten wie Marillion. Für diese treuen und zahlreichen Fans wird das vorliegende Album eine Bereicherung sein! Wer Peter Gabriel mag, sollte auch unbedingt reinhören.

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch