Joan Armatrading: Consequences

Joan Armatrading: Consequences

BMG

VÖ: 18.06.2021

 

Wertung: 7/12

 

Die Britin Joan Armatrading hat nicht unbedingt eine Bilderbuchkarriere hingelegt. Sie ist zwar mit vielen Auszeichnungen hochdekoriert oder wurde für solche nominiert – alleine dreimal für einen Grammy – und doch konnte sie nie ganz vorne mitspielen. Ihre Alben, die Ende der 70er Anfang der 80er veröffentlicht wurden, gingen in UK allerdings allesamt in die Top Ten. In den USA musste sie kleinere Brötchen backen, aber immerhin konnte sie als erste weibliche Künstlerin die Nummer 1 in den Blues Charts für sich verbuchen. Armatrading war stets sehr vielfältig aufgestellt und von R&B ging es über den Blues hin zum Rock, nur um dann wieder einen Haken zum Reggae und Jazz zu schlagen. Jetzt veröffentlicht sie mit „Consequences“ ein neues Album und überrascht mitunter wieder.

 

Joan Armatrading ist mit Jahrgang 1950 durchaus erfahren, aber auch nicht mehr zu den jüngeren Semestern im Musikgeschäft zu zählen. Dies muss und sollte man bei der Beurteilung von „Consequences“ unbedingt berücksichtigen. Es dürfte klar sein, dass die Dame keine Musik für eine junge, hippe Generation aufgenommen hat. Das Album fängt mit „Natural Rhythm“ ziemlich spannend an. Der Basslauf dominiert das Stück und der Gesang von Armatrading klingt frisch und neugierig. Das hat unglaublich viel Soul. „Already There“ lässt noch eine ganz kleine Prise Gospel einfließen, wodurch der Spannungsbogen hoch bleibt. „To Be Loved“ ist aber nun wirklich etwas heimelig. In Deutschland würde das unter Schlager laufen. Abgesehen davon nervt der Refrain spätestens beim zweiten Durchlauf nur noch. „Better Life“ legt einen dezenten Reggae-Rhythmus über die Szenerie. Der Bass kommt auch ganz gefällig, aber wenn man ehrlich ist, dann ist das Schlager für alte Leute.

 

„Glorious Madness“ ist anschließend wieder ganz großes Kino. Der Gesang ist sagenhaft und das Klavier und der Bass bilden eine echte Einheit. Soul und Gospel wie es besser nicht geht. „Like“ plätschert dann leider wieder recht ereignislos dahin. Der Titelsong „Consequences“ gefällt mit ein paar Jazz-Elementen. „Sunrise“ ist übrigens ein Instrumentalstück - erinnert ein bisschen an einen Alleinunterhalter auf einer Hochzeit. „Think About Me“ hört sich gar ein bisschen nach Annie Lennox an. „To Anyone Who Will Listen“ lässt das Album in ähnlichem Fahrwasser ausklingen.

 

Fazit: Wer Soul, R&B und Gospel liebt, sollte das neue Album von Joan Armatrading unbedingt auf dem Zettel haben. „Consequences“ ist leider aber auch in dem einen oder anderen Moment gefährlich nahe am belanglosen Schlagergedudel. Die großartigen Songs – und davon gibt es hier so einige – entschädigen dafür aber umso mehr. Letztlich muss es ja auch Musik für ältere Semester geben!

 

https://www.joanarmatrading.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch