Itchy: Ja Als Ob

Itchy: Ja Als Ob

Findaway Records/Soulfood

VÖ: 07.02.2020

 

Wertung: 8,5/12

 

Als ob Itchy Poopzkid nur noch als Itchy unterwegs sind. Als ob das Trio jetzt ein deutschsprachiges Album aufgenommen hat. Trifft alles zu. Für das achte Studioalbum hat die Band 50 Demosongs auf den Weg gebracht! Itchy hat mit „Ja Als Ob“ nun dreizehn Songs daraus aufgenommen und auf ein Album gebannt. Nummern, die irgendwo zwischen Madsen und den Donots wunderbar reinpassen. Veröffentlicht wird das alles auf dem bandeigenen Label. Die Band dürfte so die Entscheidungshoheit über das eigene Schaffen haben, was ja nicht ganz unwichtig ist.

 

Die dreizehn Nummer sind mal rotziger Punk, dann wieder eine Melange aus Powerpop und Punk und auch ein paar Indieklänge breiten sich da wohlig aus. So variabel hat man die Schwaben auf Albumlänge noch nie gehört. „Ja Als Ob“ ist in letzter Konsequenz sowieso das stärkste Werk der Band. Damit der geneigte Hörer nicht gleich zu Beginn vollkommen perplex ist, gibt es mit „Faust“ noch recht vertraute Klänge. Es reicht ja auch, dass der Text nun in der Muttersprache aus den Boxen plärrt, da müssen es ja nicht unbedingt auch noch neue Klänge sein. Der Titelsong – „Ja Als Ob“ – ist dann allerdings eine ziemliche Kurskorrektur. Das Ding groovt wie Sau. Der Bass pumpt, als würde man in der Wüste neben Josh Homme stehen. Der Rest wirkt ein bisschen wie eine Mischung aus Deichkind und Kraftklub. Unter dem Strich: lässige Nummer!

 

„Godzilla“ ist die nächste ganz dicke Überraschung. Das erinnert an Bilderbuch – nur in gut. Was bei den Österreichern immer irgendwie erzwungen klingt, wird bei Itchy locker aus der Hüfte geschossen. Übrigens klingt das alles in deutscher Sprache ziemlich gut. Und dies alles, bei diesem ganzen furchtbaren deutschsprachigen Rotz, der einem jeden Tag aus dem Radio entgegenschallt. Sebastian Madsen ist bei „Ich Wollte Noch“ dabei. Das hört man natürlich und so geht das in die Madsen-Indierichtung. „Beyoncé & Jay-Z“ bietet übrigens eine Art Realitätsflucht vor dem ganzen Scheiß dieser Welt.

 

„Herzlich Willkommen“ ist der Hit der Platte. Verdammt groovy, verdammt eingängig. Auf den Konzerten und zur Festivalsaison ist das ein Selbstläufer! „Meine Fresse“ ist guter Deutschpop-Punk-Standard. „Unser Lied“ erinnert an die Donots und hätte auch auf deren letzten Album in der zweiten Hälfte eine gute Figur abgegeben. Das poppige „Gegen Den Wind“ hat vorzügliche Hitqualitäten. Intoleranz ist ja leider allgegenwärtig. „Nicht Weg“ ist der Song – oder besser gesagt Mittelfinger – dazu. „Pflastersteine“ entpuppt sich als (Indie-)Ballade, die erstaunlich unkitschig ausgefallen ist. „Auf Dem Gewissen“ ist wieder eine groovige und schmissige Nummer. „Wo Seid Ihr Denn Alle“ beschäftigt sich mit all den verstorbenen Helden – Ozzy muss jetzt alles alleine machen. Nun ja, so ganz ist es ja auch nicht.

 

Fazit: Dieses Album steht Itchy unglaublich gut zu Gesicht. „Ja Als Ob“ ist unglaublich vielseitig und manchmal ist es zwischen Punk, Pop und Indie nur ein ganz kleiner Schritt. Itchy bauen Brücken und das ist in dieser Zeit ja sowieso wieder sehr wichtig. Es macht Spaß den Schwaben zuzuhören.

 

https://itchyofficial.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch