I Want Poetry: Human Touch

I Want Poetry: Human Touch

Recordjet/Edel

VÖ: 20.11.2020

 

Wertung: 9/12

 

Es ist nicht gerade die einfachste Zeit um als neuer Musik-Künstler ein Bein in die Tür zu kriegen. Die Musikbranche kränkelt und schwächelt ja sowieso, sofern man nicht den gleichgeschalteten deutschsprachigen Pop auf die Welt loslässt. In Zeiten von COVID-19 ist es aber gleich noch ein Stückchen schwerer. I Want Poetry hatten die Veröffentlichung des Debüts schon länger geplant. „Human Touch“ wird nach den vielversprechenden Songs, die vorab bekannt wurden, zumindest von ein paar Leuten mit Spannung erwartet. Herbst, Lockdown und die allgemeine Situation sind sicher nicht der schlechteste Moment um sich mit neuer Kunst auseinanderzusetzen.

 

Auseinandersetzen muss man sich mit „Human Touch“ durchaus. Die Musik von Tine von Bergen und Till Moritz Moll kann man größtenteils als Indie-Pop mit Neo-Klassik-Elementen bezeichnen. Hin und wieder landet das auch beim Kammerpop. Die Vergleiche drängen sich aufgrund des Gesangs, aber auch der Musik schnell auf: Florence + The Machine wäre da ganz vorne zu nennen. Tori Amos kommt einem da hin und wieder auch in den Sinn. Beispielsweise beim extrem düsteren „Adrenaline“. Anderes erinnert an die schon erwähnte großartige Florence Welch. Der Opener „Growing Pains“ geht in diese Richtung.

 

Manchmal wird die Melancholie, die über allen Songs zu schweben scheint, aufgebrochen. „Water“ kriegt dadurch einen großartigen Popanteil. Der Refrain ist überbordend und da schwingt dann auch ein bisschen Pathos mit. Das ist bei guter Popmusik aber ja sowieso der Fall. Das Klavierthema „The World Within“ ist wunderschön, gleichzeitig aber auch von einer tiefen Traurigkeit durchzogen - für Menschen mit einem Hang zu dunklen Gedanken sicher schwierig. „Chandler“ perlt ein bisschen dahin, bevor der Beginn von „For The Night“ abermals an die große Tori Amos erinnert. Die Nummer kriegt aber noch eine Wendung und präsentiert sich dann als treibender Popsong.

 

„Bolts Of Lightning“ und besonders „Islanders“ wären in einer besseren Musikwelt irgendwann mal sehr bekannt. Mit „Aurora“ und „Under The Radar“ haben die beiden einen wunderschönen Albumausklang erschaffen, der sofort wieder Lust darauf macht, „Human Touch“ erneut zu hören.

 

Fazit: Ein Debütalbum in Zeiten einer Pandemie zu veröffentlichen, welches sich auch noch mit Nähe und menschlichen Berührungen beschäftigt, obwohl die Pandemie genau das verhindert, ist beachtlich. „Human Touch“ von I Want Poetry hat es verdient gehört zu werden, da die Musik zwischen Neo-Klassik und Indie-Pop ebenfalls erfrischend anders ist – wunderschön, aber auch hin und wieder von einer großen Traurigkeit durchzogen.

 

https://www.iwantpoetry.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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