Herr Schoen: Two Sides Of A Coin

Herr Schoen: Two Sides Of A Coin

YouTunez

VÖ: 20.12.2019

 

Wertung: 8/12

 

Das Musikgeschäft hat sich die letzten Jahre enorm gewandelt. Das wiederum ist gut für all jene Künstler, die keine großen Labels im Rücken haben. Das Internet hat die Karten noch mal ganz neu gemischt. Die Träumer können nun auch auf direktem Wege eine potenzielle Hörerschaft erreichen. Und so mancher Zufall hat da schon für die kuriosesten Dinge gesorgt. Eine kleine Kuriosität ist es sicherlich auch, wenn man mit 50 Jahren ein Debütalbum veröffentlicht. Andreas Schoeneberg hat sich diesen Traum mit „Two Sides Of A Coin“ erfüllt. Ein Videoschnipsel von „Underneath The Cherry Tree“ im Internet war dafür verantwortlich, dass Ole Kuhlmann darauf aufmerksam wurde. Kuhlmann und Schoeneberg verabredeten sich schließlich um „Underneath The Cherry Tree“ aufzunehmen. Bei besagter Session standen letztlich zehn Tracks auf der Habenseite. Ein Album war somit quasi unvermeidlich.

 

Der etwas holprige Albumtitel „Two Sides Of A Coin“ steht irgendwie exemplarisch für das gesamte Werk. Nach den ersten Durchläufen wurde das Werk dementsprechend auch erstmal aus dem Player verbannt. Für eine Review musste zunächst ein bisschen Zeit vergehen und die Meinungsfindung neu angestoßen werden. Die Platte ist nämlich nicht mit den gängigen Veröffentlichungen dieser Tage zu vergleichen. Der spröde Charme ist wie aus einer anderen Zeit. Der Auftakt mit „Most Important Real“ wirkt dabei noch unsicher. Der Gesang ist etwas drüber. Vielleicht ist es auch die Euphorie über die eigene Platte. Die Produktion wirkt zunächst etwas unausgegoren und flach. Das hat durchaus Charme, keine Frage. Und dann landet man im weiteren Verlauf bei einer Nummer wie „Been To Nowhere“ und trifft dort auf einen Sänger, der ganz bei sich ist. Die düstere Atmosphäre des Stücks verstärkt die Intensität. Erinnerungen an Philipp Boa werden wach.

 

Düster ist auch „Boy“. In den 80ern wäre das auf der Ehrenstraße in Köln ein Gesprächsthema gewesen. Das rotzige „Look Into The Mirror“ ist das Brett des Albums. Teile erinnern übrigens an „Fucking In The Bushes“ von Oasis. Balladen gibt es natürlich auch. „Just The Way I Feel“ ist das Paradebeispiel dafür. Textlich hat Herr Schoen die großen und kleinen Irrungen und Wirrungen des Lebens auf die Platte gepackt – man muss nur die Türen suchen, hinter denen sich die positiven Dinge befinden und davon gibt es hier einige.

 

Wer es funky mag, wird mit „The Loner“ sehr gut bedient werden. „Accordingly“ ist übrigens die einzige Coverversion. Die Musik von Chris Whitley scheint Andreas Schoeneberg besonders am Herzen zu liegen. Nach den eher stillen Tönen geht es mit „Too Many Like You!“ zurück in die Crossover-90er. Wer will, darf hüpfen. Mit „A Piece Of Plastic“ gibt es einen weiteren Herzenssongs zu hören. Herr Schoen besuchte im Rahmen von Minden hilft die beiden griechischen Flüchtlingslager in Idomeni und Katzikas und dort entstand „A Piece Of Plastic“. Das Album wird zudem von zwei griechischen Songs als Intro und Outro eingerahmt.

 

Fazit: Man ist nie zu alt um seinen Traum zu leben und sich selbigen zu erfüllen. Der beste Beweis ist Herr Schoen und sein Debüt „Two Sides Of A Coin“. Der Mann weiß was er will und muss ganz bestimmt keinem Trend mehr nachrennen. Wer den spröden Charme in der Musik eher als eine Hochglanzproduktion zu schätzen weiß und zudem auf handgemachte Klänge im Spannungsfeld von Blues, Singer/Songwriter und ein bisschen 80ies-Ästhetik gepaart mit 90er Alternative liebt, ist bei Herr Schoen und „Two Sides Of A Coin“ goldrichtig!

 

https://www.herrschoen.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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