Gary Numan: Intruder

Gary Numan: Intruder

BMG

VÖ: 21.05.2021

 

Wertung: 8,5/12

 

Gary Numan mag nie so richtig in der Riege der Superstars angekommen sein und doch hat sein Schaffen sehr viele Akzente in den Musikgeschichtsbüchern hinterlassen. Numan hat hörbar sehr viele seiner Kollegen beeinflusst. Trent Reznor und seine Nine Inch Nails dürften sein Werk ebenso studiert haben, wie auch Marilyn Manson oder auch Rammstein oder Die Krupps. Diese Aufzählung ist natürlich nicht abschließend. Es gab auch mal eine Zeit, da war der Mann nur noch für die Hardcore-Fans musikalisch existent. Mittlerweile hat sich das Blatt wieder etwas gedreht. Mit „Intruder“ veröffentlicht der Mann nun mal wieder ein Album. Dieses Werk kann man thematisch durchaus mit „Savage (Songs Form A Broken World)“ in Zusammenhang bringen.

 

Sind wir mal ehrlich: nicht die Erde ist am Arsch, sondern die Menschheit. Genau daran knüpft Numan an. „Intruder“ ist eine philosophische Auseinandersetzung mit einer bevorstehenden Apokalypse. Der Planet hat nur eine Chance, nämlich sich von dem Virus Mensch zu befreien. Teile von „Intruder“ wurden während des Lockdowns geschrieben und aufgenommen und auch das spiegelt sich natürlich im Sound und den Texten wieder. „Intruder“ ist ein düsteres Werk, aber kein hoffnungsloses.

 

Die Albumeröffnung „Betrayed“ klingt, als hätte Numan „Prayers For Rain“ von The Cure in das Jahr 2021 transportiert. „The Gift“ ist gesanglich ganz groß. Numan hört sich wie ein Jungspund an. Der Sound ist dunkel, geheimnisvoll und bedrohlich. Trent Reznor wird die Nummer gefallen. „I Am Screaming“ hat dramaturgisch einen tollen Songaufbau zu bieten. Der Refrain ist bombastisch, während die Strophen eher zurückgenommen wirken. Im Hintergrund passiert soundtechnisch allerdings eine ganze Menge. Numan lotet die heutigen (Computer-)Möglichkeiten vollends aus.

 

Der futuristische Titelsong „Intruder“ gibt dem Planeten eine Stimme. Musikalisch ist das absolut auf der Höhe der Zeit und der elektronischen Möglichkeiten. Das Stück hat zudem einen tollen Groove und ist mitunter sogar tanzbar. „Is This World Not Enough“ ist die pure Verzweiflung. Depeche Mode kommen einem musikalisch in den Sinn. „A Black Sun“ nimmt sich dann sehr zurück und der Song lebt durch die ausdrucksstarke Stimme. Schöne Ballade. „The Chosen“ feuert danach ja aus allen elektronischen Rohren. „And It Breaks Me“ könnte auch von Witt & Heppner sein, während „Saints & Liars“ Marilyn Manson gut zu Gesicht stehen würde. „Now And Forever“ ist der langsame und dunkle Abgesang. Der poppige Unterbau bricht die Düsternis etwas auf. Sehr schönes Stück. „The End Of Dragons“ ist ein großartiges und erhabenes Ende!

 

Fazit: Gary Numan hat mit „Intruder“ ein zeitgenössisches Album aufgenommen – thematisch, aber auch musikalisch. Das ist oftmals sehr düster, aber auch von einer morbiden Schönheit durchzogen. Hoffen wir, dass sich die Menschheit berappelt und sich der Planet nicht des Menschen entledigen muss!

 

https://garynuman.tmstor.es/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch