Dritte Wahl: 3D

Dritte Wahl: 3D

Indigo

VÖ: 18.09.2020

 

Wertung: 8/12

 

Dritte Wahl machen jetzt schon seit gut und gerne 32 Jahren Punkrock. Es gab zwar auch die eine oder andere längere Pause, aber Dritte Wahl sind immer noch da. Das war ja nicht immer so klar und als Marko „Busch’n“ Busch 2005 an Krebs verstarb, stand das Fortbestehen von Dritte Wahl nicht auf der Prioritätenliste ganz oben. Busch wünschte sich das aber so und letztlich wollte der Rest auch weitermachen. Und so ist man durch alle Schicksalsschläge, Wirrungen und Irrungen dann mit dem neuen Album „3D“ im Jahre 2020 angekommen.

 

Das Album wurde, dem Titel angemessen, mit einer 3D-Brille ausgestattet. Ein nettes Gimmick und für Fans von ausgefallenen Veröffentlichungen und Haptik ist das natürlich ein Kaufargument. Ein schnöder Download kann damit nun wirklich nicht mithalten. Die Wahrheit liegt aber letztlich auf dem Platz, in diesem Fall: die Musik ist entscheidend! Die Herren wissen mittlerweile ganz genau, was sie wollen und welche Richtung ihnen Spaß bereitet. Letztlich ist „3D“ dann auch durch und durch Dritte Wahl und keine Anbiederung an Trends oder sonstigen zeitgemäßen Strömungen. Dies ist letztlich auch das einzige richtige Vorgehen, denn wenn einem selbst nicht gefällt, was man da spielt, wie soll es dann einem anderen gefallen? Eben!

 

Auf dem Album gibt es einen bunten Strauß! „Ikarus“ fängt wie eine Mischung aus den Hosen und Haudegen an. Aber das sind letztlich nur Nuancen. Dritte Wahl treffen zudem bei den ernsten Themen immer voll ins Schwarze. Auf „Was Zur Hölle…“ stellt sich die Frage, was der liebe Gott wohl denken würde, wenn er nach der Schöpfungsgeschichte erst jetzt wieder bei der Erde vorbeikommen würde. „Brennt Alles Nieder“ hat die braunen Arschlöcher vor einer Flüchtlingsunterkunft als Thema – teilweise aus Sicht der Leute im Inneren. Anhören! Verinnerlichen!

 

Musikalisch geht es nicht immer nur Vollgas nach vorne. „Abends Halb Zehn“ ist eher im Midtempo-Bereich zu finden. Wer es lieber schneller mag, kommt bei „Fabelhafte Voraussetzung“ genau richtig. Voll auf die Fresse. Der Refrain ist übrigens ganz groß! „Zur See“ ist netter Punkrock, während „Alles Ist Chemie“ schon arg schunkelig ist. Augenzwinkern gefällig? „Schöne Frau Mit Geld“ hören. „Ohne Mich“ ist auch ein netter kleiner Arschtritt an die Kapitalisten. „Elektro Merten“ klingt verdammt nach Lindenberg. Das war jetzt einigermaßen unerwartet. Für die bierselige Stimmung gibt es noch „Zusammen“. Den Text kann man sich auch mit 10 Atü auf dem Zylinder merken. „Wenn Ich Gross Bin“ ist dann noch ein kleiner Die Ärzte-Moment auf dem Album. Kann man machen.

 

Fazit:  Wer deutschsprachigen Punkrock schätzt wird mit „3D“ von Dritte Wahl gut bedient werden. Wem die Toten Hosen zu sehr in Richtung Schlager abgedriftet sind, sollte hier unbedingt mal ein Ohr riskieren. Das knallt mehr, ist hoch melodiös, politisch, aber auch mal lustig. Die Hallen sind die letzten Jahre größer geworden, mit „3D“ werden sie ganz sicher nicht wieder kleiner werden – wenn es denn irgendwann mal wieder Konzerte geben darf!

 

https://www.dritte-wahl.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch