Dragged Under: Upright Animals

Dragged Under: Upright Animals

Mascot Label Group/Rough Trade

VÖ: 10.06.2022

 

Wertung: 7/12

 

Wenn eine Band aus Seattle kommt, horcht man spätestens seit den 90ern auf. Grunge holte die Stadt einst auf die große Weltlandkarte der Musik. Seit diesen Tagen ist viel passiert und mittlerweile hat sich das Musikgeschäft ziemlich gewandelt. Das Quintett aus Seattle - Tony Cappocchi (Gesang), Ryan Bruce (Gitarre), Sean Rosario (Gitarre), Hans Hessburg (Bass) und Kalen Anderson (Schlagzeug) - kommt nun als Dragged Under mit ihrem zweiten Album „Upright Animals“ um die Ecke.

 

„Upright Animals“ ist im Grunde ein astreines Album der 90er. Die ganzen sozialen Medien können ja auch ermüden und sauer machen. Sauer sind die Jungs jedenfalls. Mit dem Titelsong „Upright Animals“ knüppeln sie sich durch knapp dreieinhalb Minuten, als würde die Sonne nie wieder aufgehen Das wurde einst mal unter Nu Metal verbucht. Auf die Dauer ist das Schema allerdings auch etwas ermüdend. In den Strophen wird mal schneller, mal langsamer geknüppelt. Der Refrain ist dann höchst melodisch und kann gerne mitgegrölt werden. Es fehlt aber die Versiertheit und die ausgefeilten Arrangements, wie es beispielsweise die Deftones können.

 

Wie es anders gehen kann, gibt es bei „Never Enough“ zu hören. Dann allerdings hört sich das teilweise wie Musik von Avril Lavigne mit männlichem Gesang an. Mit „Suffer“ geht es aber wieder mit Anlauf voll auf die Zwölf. Die Ballade „See You Alive“ hat selbstverständlich Hitqualitäten. Hätte man das nicht schon genauso von anderen Bands gehört, wäre das ja was. „Weather“ haut dann tatsächlich so auf die Kacke, wie es einst Linkin Park taten. Auf den Schulhöfen dieser Welt wird das sicherlich gut ankommen. „No Places Like Home“ ist für die Schulkids dieser Welt der passende Soundtrack. Schön, dass es für diese Zielgruppe noch handgemachte Musik gibt. Das gilt auch für das poppige „Words For Hire“ – trotz Schreihalsgarantie. „This Is The End“ holt zum Schluss noch mal alles in einem Song raus.

 

Fazit: Dragged Under sind wütende, junge Musiker und das hört man dem zweiten Album „Upright Animals“ auch an. Die Zutaten dazu wurden sich alle bei der zweiten Hälfte der 90er geliehen. Das Spiel „schrei die Strophen hinaus und singe den Refrain“ kennt man ja. Laut und leise geben sich die Klinke in die Hand. Es fehlt an der einen oder anderen Stelle allerdings eine zündende Idee und die Arrangements sind dann auch etwas zu eintönig. Angepisst alleine reicht da nicht immer. Alles in allem ist das aber ordentlich, es muss ja auch noch ein bisschen Luft nach oben sein und die poppigen Seiten der Band dürften in den Kinderzimmern dieser Welt sicher gut ankommen.

 

https://www.draggedunder.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch