Cadet Carter: Perceptions

Cadet Carter: Perceptions

Uncle M/Cargo Records

VÖ: 08.05.2020

 

Wertung: 8/12

 

Im Jahr 2020 erzählt man sich hoffentlich nicht mehr die Geschichte vom schwierigen zweiten Album. Alben sind ja sowieso aus der Mode gekommen. Umso schöner, dass Cadet Carter nach dem gefeierten Debüt nun mit „Perceptions“ den Nachfolger in den Startlöchern stehen haben. Die Band hat eine Menge Arbeit in den Zweitling investiert und nicht jede Idee wurde verwendet. Die Initialzündung löste „A Bad Few Weeks“ aus. Nick Sauter ging es zu dieser Zeit nicht sonderlich gut. Eine schlechte Phase – kennt sicher jeder. Ein Musiker therapiert sich mit dem, was er eben besonders gut kann und was vielleicht auch ein kleines Stück zum Glück beiträgt: Songs schreiben. Die Nummer war in 20 Minuten fertig und der Knoten geplatzt.

 

„Perceptions“ ist ein Album für die Generation, welche die 90er als musikalische Sozialstation versteht. Hier gibt es die volle Emo-Breitseite auf die Ohren. Die Band hat ein tolles Händchen für Melodien, die sich sofort im Ohr festsetzen, aber weit entfernt von der Eintönigkeit der Radioprogramme sind. „Speed Of Sound“ klingt dabei derart groß, dass die Stadien dieser Welt eigentlich darauf warten. Wir wissen ja alle, was gerade draußen abgeht. Aufgeschobene ist ja nicht aufgehoben.

 

Und so geht es mit sehr viel Verve durch das ganze Album. „Hold Me Down“ erinnert dabei an Jimmy Eat World. „Windhshields“ umschmeichelt die Ohren mit forschen Klängen. Die zwischenmenschlichen Beziehungen, mit ihrer unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen spielen dabei eine Rolle, wie auch beim balladesken „End/Begin“. „On The Edge“ erinnert mit seinem poppigen Unterbau ein bisschen an das letzte Biffy Clyro-Album.  „Run For Me“ wandelt noch mal stark auf den Emo-Spuren, die einst Jimmy Eat World gelegt haben. Der Punk, der noch beim Debüt durch die Szenerie wehte, ist dabei übrigens gänzlich verschwunden. Dies gilt auch für so eine treibende Nummer wie „Dead Hands“. „New Shores“ sorgt mit einer unglaublichen Intensität auf der Zielgeraden noch mal für eine fette Gänsehaut, bevor die Hymne „We Haven´t Met“ das Album mit einem dicken Ausrufezeichen beendet.

 

Fazit: „Perceptions“ ist ein gutes Album. Die vielen 90ies-Anleihen sind toll und trotzdem ist das ein modernes Werk, welches auf eigenen Füßen steht. Übrigens hat das Ding von vorne bis hinten nicht einen einzigen Ausfall zu verzeichnen – da sage noch einer, das Albumformat wäre tot. In schwierigen Zeiten wie diesen, kann solche Musik die Seele ein bisschen trösten und vielleicht sogar heilen.

 

http://www.cadetcarter.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch