Asia: The Reunion Albums 2007-2012

Asia: The Reunion Albums 2007-2012

BMG

VÖ: 11.06.2021

 

Wertung: 7/12

 

Als sich Asia 1981 gründeten, war der Begriff Supergroup durchaus angebracht. Sänger und Bassist John Wetton von King Crimson, Gitarrist Steve Howe von Yes, Keyboarder Geoff Downes von Yes, sowie Schlagzeuger Carl Palmer von Emerson, Lake & Palmer hatten sich ihre Meriten schon längst verdient. Das Debütalbum war dann auch gleich immens erfolgreich und ging in mehreren Ländern auf die Eins! Die Single „Heat Of The Moment“ läuft auch heute noch oft im Radio und dürfte immer noch der bekannteste Hit von Asia sein. Die Band war allerdings auch nicht frei von Besetzungswechseln und mittlerweile ist die Liste der ehemaligen Bandmitglieder sehr lang. Die Originalbesetzung kam aber wieder zusammen und veröffentlichte noch mal ein paar Alben. Selbige gibt es nun zusammengefasst als „The Reunion Albums 2007-2012“ zu einem günstigen Kurs zu erwerben.

 

Das Auge isst ja bekanntlich mit und Downloads werden so eine schmucke Box wie eben „The Reuniong Albums 2007-2012“ niemals ersetzen können. Das Artwork und das neue Cover wurde von Roger Dean entworfen, der auch das gesamte Artwork sämtlicher Originalalben entworfen hatte. Das neue Covermotiv war bisher ungenutzt. Die Box selber macht einen wertigen und stabilen Eindruck. Die Haptik kann somit überzeugen und das Set macht optisch in jedem Fanschrein einen guten Eindruck.

 

Leider ist die Musik der Comeback-Jahre nicht sonderlich gut. „Phoenix“ fängt mit „Never Again“ allerdings ganz vielversprechend an und da stellt sich durchaus das Asia-Gefühl der Anfangsjahre ein. Was sich die Herren beim Rest gedacht haben, wüsste man dann doch ganz gerne. „Alibis“ kann man – ohne Übertreibung – auf jeder Schlagerralley spielen. Der Song ist zwar ursprünglich von 1982, aber es hat schon einen Grund, warum der so nie veröffentlicht wurde. Das dritte Album der Originalbesetzung lässt einen teilweise sprachlos zurück. „I Will Remember You“ zieht einem die Schuhe aus. Was für ein schmalziger Schlagerkitsch! „Orchad Of Mines“ ist ebenso für die Tonne. „Shadow Of A Doubt“ klingt glatt wie eine Bohlen-Komposition. Es geht hier mitnichten darum die Songs mit möglichst schlimmen Vergleichen schlecht zu machen, aber man kommt eben nicht umhin die Dinge beim Namen zu nennen. Howe ist vielleicht hier und da noch ein kleiner Lichtblick – mit viel Wohlwollen! Der Longtrack „Parallel Worlds/Vortex/Déyà“ geht zumindest erzählerisch teilweise in Ordnung. Hin und wieder hat man aber auch das Gefühl, dass man einer Chris de Burgh-Nummer lauscht. Wenn man ganz ehrlich ist, dann demontierten sich Asia mit „Phoenix“ selbst.

 

Das zweite Album nach dem Comeback in Originalbesetzung – „Omega“ – fängt mit „Finger On The Trigger“ schon mal rockiger an, als alles was man auf dem Vorgänger finden konnte. Auch „Through My Veins“ kann noch punkten. Der Bass pumpt schön, die Keyboardflächen sind ganz nett und die Gitarre durchschneidet immer mal wieder die Szenerie. Das Schlagzeug ist zwar etwas weit hinten im Mix, aber alles in allem ist das doch eine sehr solide Nummer. „Holy War“ ist leider arg bei „Don´t Cry“ abgekupfert. Über „Every Yours“ breiten wir mal einen ganz großen Mantel des Schweigens aus. Klar, „Listen, Children“ ist auch kitschig, aber hier passt es ja. Abgesehen davon ist die Nummer auch forscher und das geht dann sogar als netter AOR-Poprock durch. Leider verliert sich das Werk dann ab hier wieder in Gefilde, die man in Deutschland als Schlager bezeichnet! Lediglich das bombastische „I Believe“ kann da noch halbwegs überzeugen. Letztlich ist „Omega“ nur leidlich spannender und besser als sein Vorgänger.

 

„XXX“ beginnt mit „Tomorrow The World“ abermals sehr rockig. Geoff Downes schmeißt hier zwischendurch die Fanfaren an und Steve Howe klampft auch mal ganz ordentlich. Meist ist er ja sträflich unterfordert. „Bury Me In Willow“ ist anschließend endlich mal nicht dieser belanglosen Kitsch-Ecke zu finden, die auf den Vorgängern ab hier gestartet wurde. Eingängiger Bombastrock, der sehr gefällig ist, aber eben auch nicht peinlich. „No Religion“ knallt sogar ordentlich und die Gitarre steht hier im Mittelpunkt. Geht doch! Mit „Faithful“ gibt es dann aber die erste Ballade zu hören und ja, sie überzuckert einen und verklebt die Gehörgänge. „I Know How You Feel“ und „Face Of The Bridge“ pusten selbige aber wieder ordentlich durch. AOR at its best! „Al Gatto Nero“ bleibt erfreulicherweise dem Genre treu. „Judas“ rockt sogar recht gradlinig. „Reno (Silver And Gold)“ verfällt zwar noch mal in „Phoenix“- und „Omega“-Muster, mit „Ghost Of A Chance“ gibt es aber ein versöhnliches Ende. „XXX“ war mit großem Abstand das beste Studioalbum nach dem Comeback der Originalbesetzung!

 

Glücklicherweise fehlt die Live-Aufnahme „Fantasia Live In Tokyo“ nicht in der Box. Die beiden CDs enthalten nämlich auch noch viele Songs aus den Anfängen. Musikalisch ist das zum Teil ganz großes Kino. Der Auftakt mit „Time Again“ zeigt, dass Asia eigentlich zu Großtaten im Stande waren. „Wildest Dreams“ glänzt auch durch proggige Elemente. Mit „Ride Easy“ ist beispielsweise auch die B-Seite des Überhits „Heat Of The Moment“ enthalten, der Hit sowieso. „Don´t Cry“ gefällt in der Live-Umsetzung ebenso, wie überraschenderweise auch „Video Killed The Radio Star“. Es macht durchaus Spaß sich diese Live-Scheibe von Asia anzuhören – die Jungs können was, wenn sie sich nur selber fordern.

 

Fazit: Sind wir ehrlich, die beiden Studioalben „Phoenix“ und „Omega“ von Asia kann man getrost vergessen. Vermutlich sind selbige auch längst in Vergessenheit geraten, durch die Box „The Reunion Albums 2007-2012“ werden sie aber noch mal etwas mehr in den Fokus gerückt. „XXX“ ist das weitaus bessere Album und kann mit AOR durchaus punkten. Das Live-Album „Fantasia Live In Tokyo“ ist das Sahnehäubchen und neben der netten Aufmachung ein weiteres Kaufargument. Die Box gibt es recht günstig zu erwerben, von daher kann man trotz den erwähnten Ausfällen nicht viel verkehrt machen!

 

https://originalasia.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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