Alin Coen: Nah

Alin Coen: Nah

Pflanz Einen Baum/Rough Trade

VÖ: 28.08.2020

 

Wertung: 8/12

 

Alin Coen veröffentlicht mit „Nah“ ein neues Album. Es ist ein sehr leises, intimes und persönliches Werk geworden. In einer lauten und knalligen Gesellschaft hat sich Coen dazu entschlossen, auf ruhige Klänge zu setzen. Nicht nur in der Ruhe liegt die Kraft, sondern auch die Aussagen und Geschichten von „Nah“ kriegen so eine ganz andere Dringlichkeit. Alin Coen ist somit eine Ausnahme in der deutschsprachigen Musiklandschaft. Es mag daran liegen, dass die Songwriterin ihre Songs auch selber schreibt und nicht auf den bekannten Schreiber-Pool zurückgreift.

 

Es ist aber auch nicht so, dass einem hier die Füße einschlafen. Bei „Alles Was Ich Hab“ geht es auch mal etwas forscher zur Sache. Das poppige und beschwingte „Bei Dir“ ist ebenfalls kein Leisetreter. Die letztgenannte Nummer ist ja auch textlich ungemein positiv und das spiegelt sich eben auch in der Musik wieder. „Du Bist So Schön“ – der Albumauftakt – ist hingegen voll auf das Klavier und die Aussage fokussiert. Ein mutiger, weil musikalisch und textlich nackter Anfang.

 

„Held“ erinnert an Alice Merton. Coen kann da stimmlich durchaus überraschen. Manchmal kann das aber auch anstrengend sein. Wenn sie diese Kiekser einbaut, dann ist das nicht immer schön. Eine traurige Ballade wie „Entflammbar“ oder „Tiraden“ sind dann auch mal schwer gewöhnungsbedürftig. „Die Gefahr“ bleibt weiter auf dem eingeschlagenen Weg. „Beben“ ist zwar voller Melancholie, aber auch mal wieder etwas zupackender. „Das Ende“ – unnötig zu erwähnen, was hier besungen wird – sollten sich Frischgetrennte nicht anhören. „Ultimatum“ leiert sich als letzter Titel dem Schluss entgegen.

 

Fazit: Alin Coen hat mit „Nah“ ein deutschsprachiges Album aufgenommen, welches eine wundervolle Alternative zum Rest der Musiklandschaft darstellt. An der einen oder anderen Stelle wäre etwas mehr musikalische Abwechslung nicht verkehrt gewesen, aber das ist das berühmte Jammern auf hohem Niveau. Alles in allem ist das ein Werk, welches wirklich gut ist – sofern man sich Zeit dafür nimmt und sich auch wirklich damit beschäftigt!

 

https://www.alincoen.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch