Aglaja Camphausen/Thomas Falke: Underwating Calling

Aglaja Camphausen/Thomas Falke: Underwating Calling

Meyer Records

VÖ: 14.01.2022

 

Aglaja Camphausen wurde schon früh mit klassischer Musik in ihrem Elternhaus beglückt, als selbige brüllende laut gespielt wurde. Ihr Bruder brachte sie hingegen mit dem musikalischen Irrsinn eines Frank Zappa in Berührung. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass sie klassisch ausgebildet ist und Vioncello und Gesang studierte. Kontrabassist Thomas Falke genoss ebenfalls diese klassische Ausbildung. Gemeinsam haben sie nun „Underwating Calling“ aufgenommen.

 

Was genau die Musik mit Aglaja Camphausen macht, wie sie selbige fühlt und wie sie sich komplett hineinfallen lassen kann, erklärt sie in den Liner Notes zu „Underwating Calling“. Sie selber sagt, dass sie schon viele Diskussionen geführt hat, ob man Farben in Musik umwandeln und spielen könnte. Ob ihr das nun zusammen mit Thomas Falke gelungen ist, müssen andere beurteilen. Die beiden haben auf jeden Fall ein sehr reduziertes Album aufgenommen. Die zehn Songs wurden spärlich instrumentiert und leben einen Großteil vom Gesang.

 

Jedem der zehn Tracks hört man sofort an, dass hier eine klassische Ausbildung dahinter steht. Abgesehen davon ist das ziemlich perfekt, sowohl im Gesangsvortrag, als auch die Instrumentierung betreffend. Jeder Ton sitzt, da knarzt nichts. Bis zur Perfektion wird dies bei „Dust Flesh And Bones“ ausgereizt. Wer sich in diese Art der Musik fallen lassen kann, wird mit dem letzten hohen Ton von Frau Camphausen sicherlich eine Gänsehaut bekommen. Von Tim Hardin´ haben sich die beiden den Klassiker „If I Was A Carpenter“ ausgesucht. Hier sind auch ein paar Claps zu hören, wodurch die Nummer sogar einen gewissen Groove bekommt. Das sich langsam dahinschleppende „Love Came Here“ von Lhasa De Sela verbreitet eine düstere, mysteriöse und auf eine spannungsgeladene Art sogar bedrohliche Atmosphäre. Das ist Blues und Gospel ohne deren offensichtliche Zutaten zu nehmen.

 

In diesem Kontext macht natürlich auch Tom Waits Sinn. Nach der Albumeröffnung „Forget About“ covern die beiden seinen Song „All The World Is Green“. Diese erhabene Interpretation würde dem Meister sicher auch gefallen. Das dezente Spiel, der ausdrucksstarke Gesang, da sitzt einfach alles. Manchmal ist das an der einen oder anderen Stelle etwas zu perfekt. Herz und Seele bleiben dabei glücklicherweise nicht auf der Strecke!

 

Fazit:  Wenn die letzten Klänge von „Four Strong Winds“ verklungen sind, dann hat man mit „Underwating Calling“ ein Album der etwas anderen Art gehört. Kammermusik mit einem klassischen Unterbau, die in der richtigen Stimmung einen in andere Welten entführen kann. In dieser tristen Jahreszeit genau die richtige Art von Musik, die zudem auch Entschleunigung bietet.

 

Text: Torsten Schlimbach

 

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch