Ólafur Arnalds: Some Kind Of Peace

Ólafur Arnalds: Some Kind Of Peace

Mercury Classics/Universal Music

VÖ: 06.11.2020

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Ólafur Arnalds ist sowas wie der Shooting-Star der zeitgenössischen Instrumentalmusik. Wie kaum ein anderer schafft er es, Klavier und Electronica zu verschmelzen und unglaublich herzlich und schön klingen zu lassen. Eindringlich und atmosphärisch sehr dicht sorgen seine Kompositionen für so manche Gänsehaut. Der oftmals minimalistische Ansatz verstärkt die Intensität zusätzlich. Mittlerweile ist der Isländer auf sämtlichen Konzertbühnen dieser Welt gern gesehen. Aktuell ist dies aufgrund der Pandemie nicht möglich, dafür gibt es mit „Some Kind Of Peace“ ein neues Album.

 

Das letzte Album war mitunter extrovertiert, seine neues ist eher das Gegenteil und sehr introvertiert. Arnalds hat ein sehr persönliches Werk geschaffen. Der Künstler möchte eine gewisse Verletzlichkeit zeigen. Durch die introspektivste Musik seiner Karriere verarbeitet er in Teilen seine eigene Lebensgeschichte. Auf Sampling-Techniken wollte er dabei, trotz allem Minimalismus, nicht verzichten. Und weil es ein persönliches Album ist, wollte er auch unbedingt seine Freunde dabeihaben. Der britische Musiker Bonobo, die isländische Sängerin und Multiinstrumentalistin JFDR sowie die deutsche Singer/Songwriterin Josin sind auf „Some Kind Of Peace“ nun verewigt.

 

Beim Auftakt „Loom“ ist Bonobo mit von der Partie. Das Stück kriegt dadurch ein bisschen Schwung, während „Woven Song“ vom Klavier dominiert wird und sich ein wenig Schwermut ausbreitet. Ein Gesangssample aus einem amazonischem Heilungslied ist hier zu hören. „Spiral“ ist das perfekte Instrumentalstück. Wunderschön schält es sich aus seinem Kokon, steigert sich langsam bis zum Höhepunkt, nur um danach ganz langsam wieder den Rückzug anzutreten. „Still/Sound“ perlt wie Regentropfen an einem Novembertag. „Back To Sky“ kommt mit sanftem Pluckern und der Sängerin JFDR schon sehr nahe an Björk zu Zeiten von „Post“ und „Homogenic“ heran.

 

„Zero“ und „New Grass“ ist durch und durch schöne Musik. Ólafur Arnalds bringt das Kunststück fertig Musik zu komponieren, die gleichzeitig traurig und tröstend ist. „The Bottom Line“, jenes Stück mit Josin, kriegt durch die Streicher schon eine sehr traurige Note. Der Gesang ist fast schon verhuscht und drängt sich keineswegs auf. „We Contain Multitudes“ ist träumerische Kammermusik, während „Undone“ noch mal aus Nichts sich schwelgerisch steigert. Der Spoken Word-Beitrag bricht die Stimmung, die von den Streichern aber wieder kongenial aufgenommen wird. Ganz großer Albumabschluss!

 

Fazit: „Some Kind Of Peace“ ist ein Kleinod und tolles Album geworden. Ólafur Arnalds erzeugt durch seine Kompositionen intensive Stimmungen. Die Instrumentalstücke verstehen es die Höhen und Tiefen perfekt zu erzeugen. Ein introvertiertes Werk, welches sanft elektronische Klänge zwischen den Streichern und dem Klavier platziert. Intensive Musik, die perfekt zur Jahreszeit und überhaupt in das Jahr 2020 passt.

 

https://olafurarnalds.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch