Zum 100. Geburtstag von Heinrich Böll am 21. Dezember veröffentlicht Eric Andersen ein neues Album, das vom Werk des deutschen Literaten inspiriert ist

Es sind mehr als interessante Autoren, deren Werk und Gedankenwelt sich Eric Andersen, neben Bob Dylan oder Phil Ochs einer der Großmeister des klassischen Folk-Rocks, musikalisch immer wieder annimmt. 2014 beschäftigte er sich eingehend mit dem Schaffen des französisch-algerischen Literatur-Nobelpreisträgers Albert Camus. Zwei Jahre später nahm er sich Texten des exzentrisch-exzessiven britischen Dichters Lord Byron an. Und jetzt hat er sich wieder einem mit dem Nobelpreis Geehrten innig gewidmet: Dem Kölner Heinrich Böll. Gemeinsam ist den drei Herren, neben ihrer Genialität, dass sie verstorben sind.

 

Alle drei Alben - das jüngste trägt den Titel „SILENT ANGEL: Fire And Ashes of Heinrich Böll“ - sind mit Eric Andersen Hauptanliegen verbunden: „Das ist, einer möglichst jungen Generation zum Teil beinahe vergessene Literaten und deren Arbeiten zugänglich zu machen. Heinrich Böll habe ich mir vorgenommen, weil für diesen individuellen Querdenker „freiheitliche Demokratie” alles war. Mal ehrlich: Was kann man jungen Menschen für andere Leitbilder als solche Leuchttürme der Literatur ans Herz legen? Na eben.”

 

Zum „SILENT ANGEL“-Projekt kam es, als Eric Andersen, geboren 1943 in Pittsburgh, an einem Februar-Tag mit René, einem der Söhne des literarischen Großmeisters, in Köln einen Spaziergang machte. Es war dieser René Böll, der Andersen auf die Idee brachte, seinem Vater ein akustisches Denkmal zu setzen. Und es gibt einen aktuellen Anlass für ein solches Projekt: Am 21.12.2017 jährt sich der 100. Geburtstag des am 16.7.1985 verstorbenen Idols.

 

„An Böll hat mich fasziniert“, erklärt Andersen seine Begeisterung, „dass er als überzeugter Katholik zähneknirschend als Soldat in den Krieg zog und bis 1945 seinen Dienst leistete, einige Monate in amerikanischer Gefangenschaft war - um daraus als überzeugter Pazifist und Mann mit eindeutigen links-liberalen Überzeugungen herauszugehen.“

 

Die intensive Lektüre von Bölls Oeuvre ermöglichte es Andersen, dem Amerikaner, einen anderen Blick auf die von seinen Landsleuten besiegte Nation zu bekommen. Speziell die Bücher, die während des II. Weltkriegs oder unmittelbar danach spielen „eröffneten mir eine neue Perspektive, durchbrachen das alte Schwarz/Weiß-Denken“, erklärt Andersen. „Weil die Charaktere einfach erst mal Menschen waren, ohne dass dabei die NS-Ideologie aufgeweicht worden wäre. Und auch in anderen Böll-Romanen, die nicht mit Krieg zu tun haben, fasziniert die Transparenz der Charaktere, das zutiefst Humane.“

 

Um es auf den Punkt zu bringen: „SILENT ANGEL: Fire And Ashes of Heinrich Böll“ ist ein vielschichtiger Reigen, ein vom Folk inspiriertes literarisches Füllhorn geworden, das Eric Andersen über dem geneigten Hörer ausschüttet. Im Zentrum stehen Krieg und Nachkriegszeit. Gelebte Humanität. Die Stadt Köln. Und über über allem thront, vermutlich ein wenig überrascht, der Genius Heinrich Böll.

Eric Andersen:  "Mingle With The Universe" (mit Link zu einem Song aus dem Album) - neue CD

Es ist diese Stimme, die den Zuhörer sofort anspringt, in ihren Bann zieht und schließlich hemmungslos überwältigt. Eine raue Urgewalt, erfüllt von schonungsloser Reinheit, man entkommt diesem Organ nicht, wenn man sich einmal darauf eingelassen hat. Eric Andersen ist der Besitzer dieser ganz besonderen vokalen Gabe, die an das Genial-Grummelnde von Bob Dylan erinnert, an das Brüchig-Beeindruckende von Leonard Cohen, an das Puristisch-Phänomenale von Woody Guthrie.

 

Eric Andersen, geboren 1943 in Pittsburgh, darf sich als Heroen einer lange vergangen geglaubten Ära sehen, dem Zeitalter des Folk, die ihren Höhepunkt in den 1960er Jahren hatte, mit Speerspitzen wie Phil Ochs, Joan Baez, Pete Seeger oder eben Bob Dylan. Von Geschichtenerzählern, Troubadouren fürderhin, also Kreativen, die der Menschheit Sinn und Unsinn ihres Daseins erklären. Sein neues Album mit dem Titel „Mingle With The Universe: The Worlds Of Lord Byron” beschäftigt sich mit dem Werk des für seine Ära revolutionären Dichters, vor allem mit den sehr speziellen rhythmischen Schemen des von der Romantik wie vom Mystischen durchdrungenen Werk des Poeten. Heraus gekommen ist ein mehr als originelles und interessantes Album. „Ich habe lediglich zwei Lieder selbst komponiert und die beschäftigen sich mit der Vita von Byron”, erklärt Andersen, „die anderen zwölf sind Verse des Meisters, denen ich einen spartanischen, dadurch eindringlichen Umhang übergestülpt habe. Ich habe sämtliche der neuen Lieder live aufgenommen, das steigert hoffentlich die Authentizität.”

 

Link zur Soundcload mit dem Song „She Walks In Beauty“ aus der neuen CD: https://soundcloud.com/meyer-records/she-walks-in-beauty/s-MMvM5

 

Tatsächlich ist „Mingle With The Universe: The Worlds Of Lord Byron” ein verwegener, zeitloser Ritt durch ein geheimnisvoll wirkendes Land der ungewöhnlichen Poesie geworden. „Mein Hauptanliegen ist es ja, einer möglichst jungen Generation zum Teil längst vergessene Literaten und deren Arbeiten zugänglich zu machen. 2014 hatte ich mir zu diesem Zweck Albert Camus vorgeknöpft, jetzt Lord Byron. Und als nächstes werde ich mir Heinrich Böll zur Brust nehmen, für den `freiheitliche Demokratie´ alles war.”

S U C H E
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