Tocotronic: 27.04.2015, Stadtgarten, Köln

Am Freitag, 01.05.2015, erscheint das neue Album von Tocotronic. Es wird das rote Album genannt werden, obwohl es eigentlich keinen Titel trägt. Es ist das elfte Werk der Band und vorab laden die Herren zu einer Clubtour ein. In Köln gastieren sie im wunderbaren Stadtgarten. Dieser Veranstaltungsort ist wie gemalt für eine solche Veranstaltung. In heimeliger Wohnzimmeratmosphäre ist die Anspannung bei den Zuschauern gleich noch viel größer. Da stehen doch glatt gestandene Männer jenseits der Dreißig, gar Vierzig und erzählen sich gegenseitig wie aufgeregt sie sind. Tocotronic können eben auf eine treue Fangemeinde bauen – allerdings auch auf eine extrem kritische. Heute werden aber alle glücklich nach Hause gehen: die Hipster mit ihren Umhängetaschen, Fans der ersten Stunde und selbst solche, die eigentlich rein zufällig diese Veranstaltung besuchen. Und das kam so...

 

Das neue Album kann man sich im Internet ja schon ganz offiziell per Stream anhören und doch dürften noch nicht alle Anwesenden die Platte gehört haben. Insofern ist die Showeröffnung für so manchen Zuhörer die erste Berührung mit den neuen Tocotronic-Songs. „Prolog“ kommt live ein ganzes Stück rotziger daher. Der Bass von Jan Müller kribbelt ganz schön im Bauch. Der Sound ist überragend. Da ist jede kleine Nuance auszumachen und die Gitarren von Rick McPhail und Dirk von Lowtzow lassen sich sehr gut auseinanderhalten. Arne Zank lässt sein Schlagzeug auch sehr schön scheppern.

 

Es wird heute besonders und sehr speziell werden. Als zweite Nummer spielt die Band „Ich Öffne Mich“ - einer der besten Songs des neuen Albums. Der Pop der Studioversion rückt dabei etwas in den Hintergrund und lässt dem krachigen Rock den Vortritt. Das Stück funktioniert live ganz vorzüglich und die Phrasierung von Dirk von Lowtzow ist immer noch einzigartig. Die Band ist schlau genug an dritter Stelle einen alten Song zu setzen. Vor „Du Bist Ganz Schön Bedient“ wird dann auch noch bisschen von früher erzählt, jenen Zeiten, als Tocotronic in den 90ern im Underground spielten und das Konzert im „Six Pack“ auf der Aachener Str. endete. Man weiß eben, wie man die Zuschauer auf seine Seite zieht und das Eis bricht. Tocotronic – und in erster Linie natürlich von Lowtzow – sind Profis, aber auf eine sympathische Art und Weise.

 

„Hi Freaks“ und „Hier Leben, Nein Danke“ werden selbstverständlich auch dankbar auf- und angenommen. Es kommt sogar ein bisschen Bewegung in die Zuschauermenge. Nicht, dass die Stimmung bisher schlecht war. Aufmerksames Zuhören ist die Devise des Abends! Es ist ja auch ein besonderer Abend. Auch für „Die Erwachsenen“. Die neue Single dürfte polarisieren. Hier und Jetzt fällt aber auch dieses Stück nicht ab und reiht sich sehr schön in das Set ein. Selbiges gilt auch für „Rebel Boy“ und „Zucker“. Das ist mitunter ein gutes Zeichen für die neuen Stücke.

 

„Jungfernfahrt“ ist neben „Ich Öffne Mich“ der dringlichste Song des neuen Werks. Neil Young & Crazy Horse grüßen da ganz nett aus der Ferne. „This Boy Is Tocotronic“, „Macht Es Nicht Selbst“ und besonders „Freiburg“ - mit ordentlich Feedback nach hinten raus - sorgen für glückselige Gesichter. Man weiß, dass man nicht ohne Klassiker auskommt. Gut so. „Let There Be Rock“? Definitiv!

 

Fazit: Dieser Abend war ganz wundervoll. Das Ambiente bildete einen schönen Rahmen und Tocotronic spielten ein facettenreiches und sehr gutes Set. Man sollte solche Bands einfach viel, viel öfter in so kleine Läden stellen. Es ist einfach unmittelbarer und der Kontakt zwischen Band und Publikum sorgt noch mal für eine ganz außergewöhnliche Atmosphäre. Es macht so viel (mehr) Spaß! Der Sound war an diesem Abend zudem sehr beeindruckend! Die neuen Songs reihten sich ganz vorzüglich zwischen den Klassikern ein. Man wird das rote Album nach den Liveerfahrungen mit anderen Ohren hören – garantiert. Bald sind Tocotronic auf großer Tour – hingehen ist Pflicht! Vermutlich wird es dann optisch auch wieder so ROT wie an diesem Aprilabend im Kölner Stadtgarten.

 

Fotos gibt es hier

 

(Torsten Schlimbach bedankt sich für die freundliche Unterstützung bei Isabel Sihler von Belle Promotion, Universal und natürlich bei Tocotronic!)

 

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