Selig: 24.03.2013, Live Music Hall, Köln

Könnte man das Rad ein Jahr zurückdrehen, dann würde man bestes T-Shirt Wetter vorfinden. Dieses Jahr liegen die Dinge etwas anders. Der Winter 2013 hat offensichtlich keine Lust dem Frühling das Feld zu überlassen und somit ist Köln an diesem Sonntagabend immer noch ein einziger großer Kühlschrank. Jan Plewka wird es zu fortgeschrittener Konzertstunde wunderbar auf den Punkt bringen, als er anmerkt, dass die Band sich sehr über die vielen Zuschauer freut, denn bei diesen Temperaturen könnte man den Abend schließlich auch gemütlich vor dem Fernseher verbringen. Ein bisschen kokettieren ist schon erlaubt, denn am Tage des Ticketkaufs konnte schließlich keiner ahnen, dass man sich vor dem Konzert eben nicht im Innenhof der Live Music Hall auf ein Kaltgetränk trifft. Am heutigen Tag frieren dort nur die Raucher, alle anderen halten sich lieber im Inneren auf – sofern sie nicht im beheizten Auto auf der Suche nach einem Parkplatz Runde um Runde drehen – wie immer hier ein Glücksspiel.

 

Dieser 24. März zeigt mal wieder, dass die Live Music Hall so ziemlich die schlechteste Option ist, wenn man in Köln ein Konzert besuchen möchte. Dieser schlauchartige Raum mag für die vorderen Plätze kaum einen Unterschied zu anderen Veranstaltungsorten machen, für 2/3 der Anwesenden aber schon. So war die Stimmung zunächst auch dementsprechend. Dies als Zurückhaltung zu bezeichnen wäre da die pure Untertreibung. Die Stimmung war miserabel. Man kann es sich jetzt einfach machen und dies auf die neuen Songs von „Magma“ schieben. Das ist aber nicht der Grund, zumal sich auch schon im vorderen Teil mit dem grandiosen „Arsch einer Göttin“ oder „Ist es wichtig?“ erste Klassiker wiederfinden. Die Unruhe im Publikum ist kaum zu erklären. Natürlich gibt es nach jedem Song freundlichen Applaus, aber das war es auch schon.

 

Und genau hier zeigt sich mal wieder die große Stärke von Selig. Andere Bands können an dem Umstand kaum noch etwas ändern und spielen die Halle dann leer. Selig haben es über die Distanz des Konzertes geschafft den Saal dann doch noch zum Kochen zu bringen und auch den letzten Dampfplauderer verstummen zu lassen. Nach dem ergreifenden und erwarteten letzten Song - „Regenbogenleicht“ - will eigentlich noch keiner nach Hause gehen. Selig zählen eben zu den wenigen guten Livebands der Republik und können auch unter widrigen Umständen überzeugen. Die Band ist dann zum Abschluss mit sich und der Welt zufrieden und der Dank an das Publikum wirkt ehrlich und aufrichtig. Den schönsten Moment des Abends liefern dann auch Jan Plewka und Christian Neander, als sich beide vor Freude lachend in den Armen liegen – es gab auch mal andere Zeiten.

 

Über Selig kann man an diesem Märzabend sowieso nur sehr viele positive Dinge berichten. Der Mann hinter und am Mischpult hat übrigens auch hervorragende Arbeit geleistet, denn der Sound ist so druckvoll und klar wie nur selten an dieser Stätte. Jedes Instrument und jede Nuance ist sehr schön zu hören. Der Bass grummelt so schön in der Magengegend, die Drums scheppern und die Keyboards legen einen schönen Teppich aus. Das angezerrte Gitarrenspiel verleiht sogar den neuen Songs von „Magma“ eine Ruppigkeit, die man auf dem Album so vermisst hat. Ein ganz großer Moment des Konzerts ist das eher ruhige und nachdenkliche „Der Tag wird kommen“ - ein grandioses Stück und eine Sternstunde von Selig. Jan Plewka ist natürlich immer noch die Art von Rampensau, die eine Band einfach braucht. Er macht dies aber mittlerweile auf eine sehr demütige und authentische Art und Weise.

 

Die Setliste ist sehr ausgewogen und mittlerweile kristallisiert sich auch schon heraus, dass die Kapelle nach der Reunion schon einige Klassiker geschrieben hat. Das an dritter Stelle platzierte „Schau Schau“ gehört ebenso dazu wie „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ und „Wir werden uns wiedersehen“. Extrem stark ist natürlich der erste Zugabenblock mit „Sie hat geschrien“, „Wenn ich wollte“ und „Ohne Dich“. Zu allen Songs gibt es im Hintergrund eine simple aber sehr effektive Lichtshow, welche die Bühne mal in rotes und dann wieder grünes oder blaues Licht taucht. Alles in allem liefern Selig hier eine Rockshow der Extraklasse ab.

 

Fazit: Eigentlich müsste einem an diesem frostigen Frühlingsabend warm um´s Herz werden. Selig tun jedenfalls alles dafür, dass dies auch gelingt. Die Band liefert ein Konzert der Extraklasse ab: Songauswahl, Sound, Interaktion und Spielfreude sind einfach großartig. Man muss sich eigentlich bei der Band entschuldigen, dass sich das Kölner Publikum an diesem Tag nicht von seiner besten Seite gezeigt hat! Wie kann es denn auch, in diesem Schlauch von einer Halle? Wer noch die Chance hat, Selig auf der laufenden Tour zu sehen, sollte diese auch ergreifen! Termine und alle weiteren Information gibt es unter: http://www.selig.eu/4/dates/

 

Fotos gibt es hier

 

http://www.selig.eu/4/home/

 

Setlist:

  • Ich lüge nie
  • Sie scheint
  • Schau Schau
  • Arsch einer Göttin
  • Love & Peace
  • Danke
  • Wenn ich an dich denke
  • Ist es wichtig?
  • Der Tag wird kommen
  • Zeit
  • Bring mich heim
  • 5.000 Meilen
  • Magma
  • Von Ewigkeit zu Ewigkeit
  • Die alte Zeit zurück
  • Bruderlos
  • Encore 1: Sie hat geschrien
  • Wenn ich wollte
  • Ohne dich
  • Encore 2: Alles auf einmal
  • Mädchen auf dem Dach
  • Wir werden uns wiedersehen
  • Encore 3: Regenbogenleicht

(Torsten Schlimbach bedankt sich bei Isabel Sihler, Universal und natürlich Selig für die freundliche Unterstützung!)

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