Inhaler: 20.09.2019, MTC, Köln

Foto-Credit: Reinhold Bleser

Das MTC in Köln hat schon so manches denkwürdige Konzert erlebt. Vielleicht auch an diesem Freitag. Der 20.09.2019 hat mit Inhaler ein junge und aufstrebende Band aus Dublin zu Gast. Das Quartett hat bisher ein paar Videos veröffentlicht und im Internet kann man sich eine handvoll Songs anhören. Das war es aber auch schon. Eine physische Veröffentlichung gibt es (noch) nicht. Das Debüt soll nächstes Jahr dann endlich in den realen und virtuellen Läden stehen. Die kleine Deutschlandtour von Inhaler ist trotzdem ausverkauft.

 

Vor dem Eingang des MTC hat sich schon weit vor Konzertbeginn eine lange Schlange gebildet. Das ist nicht unbedingt üblich und so bleiben hin und wieder einige Passanten stehen um zu fragen, wer denn da heute wohl auftritt. Guckt man sich die Leute in der Schlange an, dann gleicht das einem Klassentreffen von Menschen, welche in der Vielzahl mindestens schon 40 Lenze zählen, einige haben ganz sicher auch die 50, wenn nicht sogar die 60 längst überschritten. Sie alle sind gekommen, weil der Vater von Inhaler-Frontmann Elijah Hewson Paul David Hewson, besser bekannt als Bono von U2, Sänger einer der größten und besten Bands des Planeten ist. Für Inhaler mag das Segen und Fluch zugleich sein. Und natürlich ist das auch eine immens schwere Bürde. Momentan ist es aber mehr Segen, denn der Output der Band ist ja noch recht überschaubar und zumindest auf dem europäischen Festland ist es dann ungleich schwerer. So hat man immerhin ein interessiertes und wohlgesonnenes Publikum vor der Bühne stehen.

 

Das bekommt auch schon die Vorband Apre zu spüren. Die Kapelle schafft es nämlich schnell das Eis zu brechen. Das spricht für die Qualität der Londoner, denn eine Vielzahl der Anwesenden ist durchaus für einen guten Musikgeschmack bekannt und mitunter als sehr kritisch zu bezeichnen. Die funky Mixtur von Apre funktioniert an diesem Abend aber prächtig und somit ist der Applaus auch entsprechend groß.

 

Und Inhaler? Das Publikum frisst den Herren schnell aus der Hand. Irgendwelche Vergleiche mit berühmten Vätern verbieten sich da komplett. Inhaler stehen für sich alleine. Der Frontmann hat die Aura und die Ausstrahlung jeden Zuschauer abzuholen. Das gilt auch für Bassist Robert Keating und mit Ryan McMahon haben sie einen hinter der Schießbude, der mit ordentlich Körpereinsatz schon ein Hingucker ist. Josh Jenkinson ist der verträumte und introvertierte Gegenpart, der aber an den sechs Saiten ganz genau weiß, was er da macht.

 

Die Band startet mit „It Won't Always Be Like This“ fulminant in das Set. Die Keyboards erinnern im Zusammenspiel mit der Gitarre an die Anfänge der Killers. Für den Refrain würden wesentlich ältere Künstler Haus und Hof verkaufen. Die Nummer setzt sich schnell in den Gehörgängen fest und hat echtes Hitpotenzial. „I Have To Move On“ ist schneller und vom Sound eine ganze Ecke düsterer. Der Bass treibt die Band wunderbar vor sich her. „Save Yourself“ gefällt zunächst mit einer funky Gitarre. Auch dieses Stück hat eine düstere Grundstimmung und ist durchaus episch veranlagt. „Another Like You“ erinnert abermals an die Killers, bevor mit „Ice Cream Sundae“ ein Song mit ganz großen Hitambitionen folgt. Kann man so schon auf Platte pressen. Das ist auch der Unterschied zu so manchem anderen Inhaler-Song. Die sind durch die Bank vielversprechend, aber an der einen oder anderen Stelle noch nicht ganz ausgereift.

 

„This Plastic House“ mäandert irgendwo zwischen „Into The Heart“ und „Creep“ von Radiohead herum. Auch „My King Will Be Kind“ scheint noch nicht ganz ausgereift, gefällt aber durch das sehr melodiöse Bassspiel. „Cheer Up Baby“ ist als vorletzter Song gut platziert, bevor mit „My Honest Face“ ein weiterer Track mit ganz, ganz großem Hitpotenzial das Konzert beendet.

 

Fazit: Die Jungs von Inhaler wissen was sie wollen und haben durchaus schon Songs im Gepäck, die großes Potenzial offenbaren. Andere Songs haben tolle Ideen, wirken aber noch nicht ganz fertig. Die Kapelle hat auf jeden Fall genug Argumente um ganz selbstständig Fuß im Haifischbecken Musikbusiness zu fassen. Die beiden hübschen, blonden und jungen Damen, die tatsächlich nur wegen Inhaler gekommen sind und aufgeregt nach Autogrammen fragen, unterstreichen ja, dass man so langsam auch hier Notiz von der Band nimmt. Wenn dann nächstes Jahr das Debüt folgt, kann das richtig was werden…wenn man die Band von Presseseite dann auch lässt und nicht auf andere Dinge reduziert. Es war ein gutes Konzert einer aufstrebenden, jungen Band, der man sehr gerne viel Glück für die Zukunft wünscht! Gitarrenmusik lebt!

 

https://inhaler.band/home

 

Text: Torsten Schlimbach

 

(Torsten Schlimbach bedankt sich bei Jannis Reiher und Laura Brauer von FKP Scorpio und natürlich Inhaler für die freundliche Unterstützung!)

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch