I Blame Coco: 27.03.2011, Essigfabrik, Köln

Eliot Paulina „Coco" Sumner ist krank. Im Vorfeld des Kölner Konzerts wurden sämtliche Termine abgesagt, damit sich die Tochter von Sting schonen konnte und das Ereignis doch noch stattfinden würde. Ein Ereignis war es in vielerlei Hinsicht. Das Konzert wurde aufgrund der großen Nachfrage vom Kölner Luxor in die Essigfabrik verlegt. Wer sich bisher noch nicht hierhin verirrt hatte, der rieb sich verwundert die Augen. Hörte man sich im weiten Rund so um, dann sprachen manche davon, dass dieser Veranstaltungsort Festzeltflair verbreiten würde. Das kann man so stehen lassen, auf der anderen Seite war dies mal etwas gänzlich anderes und nett aufgemacht ist die Essigfabrik auf jeden Fall.


Auch das Konzert wird vielen noch lange in Erinnerung bleiben - aus ganz unterschiedlichen Gründen. Der frühe Beginn von I Blame Coco ist für manch einen erfahrenen Konzertgänger schon sehr ungewohnt. Die Uhr zeigt nicht mal 20.45 Uhr und da steht die junge Dame schon auf der Bühne. Zunächst entern ihre jungen Mitstreiter die Bühne und nehmen ihre Plätze hinter dem Keyboard, Schlagzeug und an der Gitarre und am Bass ein. Nicht nur bei den Protagonisten auf der Bühne scheinen die 80er Jahre auch modisch wieder absolut angesagt zu sein, auch viele Zuschauer haben das bunte Jahrzehnt wiederentdeckt. Das Publikum ist überhaupt erstaunlich bunt gemischt. Neben vielen sehr jungen Konzertbesuchern kann man auch viele ältere Semester ausmachen.


Aber zurück zu der Frau, warum sich an diesem Abend alle hier versammelt haben. „Coco" Sumner merkt man ihre Krankheit nicht an und sie macht ihre Sache auch wirklich gut. Charmant und sympathisch wirken ihre teilweise etwas unbeholfenen Bewegungen und manchmal scheint sie gar nicht zu wissen wohin mit sich. Schön zu sehen, dass man es hier eben noch nicht mit einem ausgebufften Star zu tun hat, der das übliche Programm abspult. Die junge Künstlerin gibt sich authentisch und wenn sie gar zum Schluss sagt, dass sie hofft, dass die Zuschauer das Konzert genauso genossen haben wie sie, dann glaubt man ihr jedes Wort. Wenn sie sich die Gitarre umschnallen kann, dann gewinnt sie auch an Sicherheit. Ihre Mitstreiter sind sowieso nur Beiwerk und einzig und alleine für den Klangteppich da.


Dieser ist auch ordentlich, ebenso der Gesang. Stimmlich hat man natürlich schon wesentlich kraftvollere Stimmen im Rockbereich gehört, aber dieser immer etwas heisere Gesang hat durchaus seine Momente. Der Hit „Selfmachine" kommt gleich an zweiter Stelle. Natürlich wird dieser ordentlich gefeiert, aber dass das Publikum an diesem Abend auch mit der übrigen Musik von I Blame Coco vertraut ist, zeigt sich auch beim Rest. Überhaupt haben Nummern wie „In Spirit Golden", „Quicker" oder „The Constant" (eine von zwei Zugaben) großes Live- und Hitpotenzial. Stücke wie „It´s About To Get Worse" oder „No Smile" werden wohlwollend zur Kenntnis genommen und insgesamt ist die Stimmung sehr gut.


Als Schlusspunkt kommt „Caesar" und das ist schon eher ein zweifelhaftes Vergnügen. Da wird doch sehr viel vom Band eingespielt. Klar die Duettpartnerin Robyn ist nicht dabei, aber das hätte man auch anders lösen können. Dann ist Schluss. Viele reiben sich verwundert die Augen. Der ganze Zauber hat so gut und gerne 50 Minuten gedauert. Da macht sich doch bei vielen, vielen Konzertbesuchern Unmut breit. Beim Verlassen des Gebäudes kann man so manches Fluchen hören und unter dem Strich haben sich die meisten wohl etwas mehr erwartet. Schade, so wurde der eigentlich gute Auftritt durch die Konzertlänge in den Schatten gestellt. Es sei aber auch die Frage erlaubt, was es denn für eine Erwartungshaltung geben kann, wenn eine Künstlerin erst ein Album im Rücken hat? Vielmehr ging ja nun nicht. I Blame Coco hat auf jeden Fall Potenzial und auch live kann das auch in Zukunft was werden, auch wenn wohl viele Anwesende aus der Essigfabrik beim nächsten Mal nicht mehr dabei sind. Obwohl, vielleicht überwiegt mit der Zeit ja der positive Eindruck der musikalischen Darbietung....

 

Fotos gibt es hier


(Torsten Schlimbach bedankt sich für die freundliche Unterstützung bei Vicky Butscher und Universal und natürlich bei I Blame Coco!)

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch