Foo Fighters: 28.02.2011, Gloria, Köln (1Live Radio/Promokonzert)

Es gibt Konzerte, die hat man schon vergessen, bevor der Ort des Geschehens verlassen wurde. Dann wiederum gibt es gute und sehr gute, an die man sich gerne erinnert. Wenigen hingegen ist es vorbehalten, Begeisterungsstürme zu entfachen. Und dann gibt es den ganz seltenen Fall, dass man das Glück hat ein Konzert erleben zu dürfen, von dem man noch seinen Enkelkindern erzählen wird. Jenen seltenen Abenden, deren Ereignisse von Generation zu Generation überliefert werden sollten! Das Konzert der Foo Fighters im Kölner Gloria gehört definitiv in die letzte Kategorie. Ob die Band überhaupt weiß, was sie da im Vorfeld entfacht hat? Welche Erwartungen sie geschürt hat? Wären sie dann in der Lage gewesen, ein derartiges Feuerwerk abzubrennen? Die ganze Welt wollte an diesem 28. Februar dabei sein, mindestens aber ganz Deutschland. Wer nicht gerade das unglaubliche Glück hatte auf der Gästeliste zu stehen, der musste bei einem der zahlreichen Gewinnspiele sein Glück versuchen. Man hörte von 12.000 Teilnehmern, aber mittlerweile wird sogar die Zahl 200.000 verbreitet. Wie dem auch sei, in und um Köln wollte jeder dabei sein. Jeder? Ja, verdammt!

 

Vor dem Gloria angekommen, spürte man schon den historischen Wert dieser Veranstaltung. Für Tickets wurden ab 100 € aufwärts geboten. Nach oben gab es freilich keine Grenzen. Die 1Live Kollegin sollte später sogar von 1.000 € für den Backstagepass sprechen. Aber wer will da schon sein Ticket verkaufen? Eben! Glückliche Gesichter wohin man auch blickte. Alle waren froh und freuten sich, heute und hier dabei sein zu können. Übrigens hatten auch der Torhüter Adler von Leverkusen, Elton und Campino die Chance genutzt sich dieses Ereignis nicht entgehen zu lassen. Egal wer es auch immer war, letztlich war jeder froh, dass er es irgendwie in das Gloria geschafft hatte. Zudem muss man auch mal (wieder) festhalten, dass es sich dabei um einen der schönsten Clubs der Stadt – und weit darüber hinaus – handelt! Das bestätigten an diesem Abend auch die Berliner, Bremer und Sachsen, die eigens für dieses Ereignis angereist waren.

 

Sinn und Zweck der Veranstaltung ist „Wasting Light“, das neue Foo Fighters Album. Am 8. April steht das Teil in den Läden und man darf sich schon jetzt freuen. Das Konzert im Kölner Gloria war allerdings weitaus mehr als eine reine Promotion für das neue Album. Nein, bei einer Spielzeit von über zwei Stunden darf man durchaus von einem vollwertigen Konzert sprechen. Zudem hatte man am Ende sowieso den Eindruck, dass die Band gefühlt alle ihre Songs gespielt hat. Es folgte Hit auf Hit und Knaller auf Knaller. Gerade die neuen Nummern haben sich da überraschend gut in die Setlist eingefügt. Wenn das komplette Album hält, was die gespielten Tracks schon jetzt versprechen, dann wird das ein schönes Brett. Bei richtiger Zählung haben die Foo Fighers ein Feuerwerk von 26 Songs abgebrannt. Knaller! Aber die Kollegin von 1Live teilte der aufgeregten Menge kurz vor Showbeginn schon mit, dass die Band viel Zeit mitgebracht hätte und ein ordentlich langes Set spielen würde, sofern es die Zuschauer möchten. Der tosende Applaus war Antwort genug.

 

Der Zauber ging mit dem Opener vom neuen Album los. „Bridge Burning“ hat durchaus das Potenzial diese Stelle zukünftig einzunehmen. Als Zuschauer wird man sofort abgeholt. Abgeholt auf die Reise in den Foo Fighters Kosmos, der voll auf die Zwölf abzielt. Die Band zeigt doch immer wieder, wie man Krach mit musikalischem Anspruch verbindet. An diesem Abend ganz besonders. Anschließend folgte gleich ein richtiger Höhepunkt. „All My Life“ würden andere Bands ganz sicher im hinteren Teil eines Sets spielen. Die Foo Fighters haben das nicht nötig. Schön war auch die Tatsache, dass die Zuschauer größtenteils aus Fans bestanden. Das ist manchmal ja etwas die Krux bei solchen Events. Da stehen dann jede Menge Vertreter aller wichtigen Medien rum, haben aber von dem Geschehen auf der Bühne nicht den geringsten Schimmer. Die Karten hier, die bei den Gewinnspielen raus gehauen wurden, haben offensichtlich den richtigen Empfänger getroffen. „All My Life“ wurde jedenfalls textsicher mitgesungen, was bei der Lautstärke gar nicht so einfach war. Wohin man auch blickte, nur glückliche Gesichter.

 

Mit einem weiteren Klassiker ging es dann weiter. Man freute sich einfach einen Hit wie „Times Like These“ derart frisch dargeboten zu bekommen. Frisch ist überhaupt eines der Zauberworte des Abends. Die Band hat die letzten Tage zwar schon das eine oder andere Konzert gespielt, aber noch nicht so viele, dass es schon derart rund laufen könnte. Tut es aber. Das ist alles aus einem Guss, perfekt aufeinander abgestimmt und in sich sehr schlüssig. Wie ein gut geölter Motor fegte die Band durch die Songs. Trotzdem hatte man zu jeder Zeit den Eindruck, dass es den Protagonisten auf der Bühne unglaublich viel Spaß macht. Langweilige Routine sieht jedenfalls anders aus. Pat Smear freute sich die ganze Zeit wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum. Es ist überhaupt eine äußerst gute Entscheidung gewesen, dass der Mann zurück an Bord ist. Wer ihn länger nicht gesehen hat, durfte feststellen, dass der Zahn der Zeit nicht spurlos an ihm vorbeigegangen ist. Fällt vielleicht aber auch nur mehr auf, da der zeitlose Dave Grohl und Taylor „Brad Pitt“ Hawkins hinter der Schießbude immer noch recht jugendlich und ungestüm wirken. Die Mischung bei den Foo Fighters stimmt jedenfalls.

 

Zwischen den einzelnen Songs gab es die sympathischen und launigen Ansagen von Dave Grohl. Auch hier muss man sagen, dass dies genau die richtige Dosis war. Und wenn er auf eine herzliche Art und Weise mitteilte, dass er solche kleinen Konzerte sehr mag, dann nimmt man ihm das ab und verbucht das nicht unter dem üblichen Geplänkel. Die Mimik der Musiker sprach da Bände und man sah, dass es ihnen einen Freudenfest war dort zu spielen. Grohl betonte zudem, dass es zwar auch eine Menge Spaß machen würde, wenn sie auf Festivals spielen und in ein Meer aus hüpfenden Menschen blicken würden, aber so ein Abend wie in Köln sei für ihn eben auch besonders, da alles so schön klein und übersichtlich sei und man die ungewaschenen Gesichter endlich mal sehen könne. Ob das Publikum jetzt tatsächlich lauter wie in einem Stadion war – so wie Herr Grohl festgestellt haben wollte – sei mal dahingestellt. Die Zuschauermeute war laut, das steht definitiv fest. Da durfte dann auch ein alter Treppenwitz nicht fehlen. Als der gute Dave zu einem Zuschauer sagte „I can hear you too“ fiel ihm selber lachend auf, was man daraus alles machen könnte. Nein, er meine natürlich jetzt nicht, dass er U2 hören würde, woraufhin er Taylor Hawkins fragte, was denn mit ihm sei. Selbiger beantwortete die Frage mit einem kurzen Anspielen vom ausgelutschten „Sunday Bloody Sunday“ von U2. So sind die Jungs eben.

 

Die Zuschauer fraßen Dave Grohl an diesem Abend förmlich aus der Hand. Beim unglaublich intensiven „Stacked Actors“ hat er den Mittelteil fast flüsternd gesungen. Man konnte glatt eine Stecknadel fallen hören. Bei anderen Veranstaltungen hat man dann ja leider schon erleben dürfen, dass diese Parts für Unterhaltungen genutzt werden. Schön, dass die Foo Fighters Fans jeden Augenblick genießen. „My Hero“ wurde ebenfalls dankbar abgefeiert und mitgesungen. Eigentlich könnte man jetzt sowieso jeden Song aufzählen, denn egal ob es „Generator“, „Pretender“, „Learn To Fly“ oder das ruhige und intensive „Skin & Bones“ waren, das Gloria glich einer Party. Selbst das zerschossene „Young Man Blues“ im Zugabenblock wurde dankbar angenommen. Die Band hatte sichtlich Spaß. Taylor Hawkins sagte nach dem Konzert, dass er den Abend sehr genossen habe und wer ihm dabei in die Augen geschaut hat, weiß, dass er es auch genau so meinte. Nicht umsonst durfte er auch mal den Gesangspart während der Show übernehmen.

 

Kommen wir aber noch mal zurück auf die neuen Songs. Egal ob nun z.B. „Bridge Burning“, „White Limo“, „Rope“ oder „These Days“ – allesamt fügten sich perfekt in die Setlist und die Dramaturgie der Show ein. Dies unterstreicht den Status der Band als eine der besten Livebands des Planeten. Darauf genehmigte sich nicht nur Dave Grohl ein Bier. Es war ein perfekter Abend, der mal wieder zeigte, dass es nicht viel braucht um eine beachtliche Rock and Roll Show zu spielen. Gute Songs, ein stimmiger Aufbau der Setlist, eine Band, die vor Spielfreude übersprudelt und den berühmten Funken, der auf die Zuschauer überspringt. Das war ein Konzert von historischem Ausmaß und das Beste, was es dieses Jahr in diesen Breitengraden zu sehen gibt. Aber keine Sorge, die Foo Fighters kommen ja noch mal auf Tour – dann leider in den großen Hallen oder auf Festivals. Aber keine Sorge, auch da werden die Jungs wie ein Orkan über einen hinwegfegen. Hingehen! Die Foo Fighters sind Weltklasse. Die Vorfreude auf das Album steigt immer mehr und die hier präsentierten Songs lassen auf GROßES hoffen! Als wir uns zum Schluss bei “This Is A Call” nach hinten begeben haben um das ganze Treiben mal aus dieser Perspektive zu sehen, konnte man bei Fans der ersten Stunde das eine oder andere Tränchen im Knopfloch sehen. Wie sagte Dave Grohl doch so schön? Damit wurde alles gestartet und wir wollen heute damit enden. Perfekter Abschluss für ein perfektes Konzert! Ich bedanke mich!

 

(Torsten Schlimbach bedankt sich für die freundliche Unterstützung bei Sony Music und Tony Huber, bei Isabel Sihler von Belle Promotion und natürlich bei den Foo Fighters!)

 

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