Bela B: 31.05.2014, Gloria, Köln

Bela B ruft zur Messe und alle folgen seinem Ruf. Da findet man in der Menge das junge Punkgirl mit den pinken Haaren, den Banker, der noch mal seine alte Joppe hervorgekramt hat, die verliebten Pärchen, die Hipster, ein paar Versprengte, die zu berichten wissen, dass der Herr Felsenheimer früher aber noch mehr Bodenhaftung hatte und natürlich jede Menge Fans von Die Ärzte. Bela B weiß natürlich um die bunte Mischung und die Konstellation der heutigen Zuschauermenge. Und weil er das weiß, treibt er es auf die Spitze und schickt seine eigene Band, Smokestack Lightnin´, als Vorband auf die Bühne. Jene Band, die mit seinem bisherigen musikalischen Weg eigentlich keine Gemeinsamkeiten aufweist. Und doch ist es für diesen Abend mehr als passend! Man fühlt sich ein bisschen wie in einem Tarantino oder Robert Rodriguez Film. Der Titty Twister lässt grüßen und ein bisschen hat man Angst, dass an diesem 31. Mai sich diese Ansammlung von seltsamen Gestalten im Gloria in Zombies verwandelt, zumal Bela B erst gegen halb elf die Bühne entert und dann auch noch weit bis nach der Geisterstunde aufspielt.

 

Bela B hat einen Kater, denn Bela B ist auf Bierdiät und seit seinen Tagen in Köln auf Kölschdiät. Das kommt natürlich gut an. Der Mann ist schon lange genug dabei, dass er weiß welche Sprüche vom Publikum dankbar angenommen werden. Trotzdem ist etwas anders. Scheint mittlerweile bei der selbsternannten besten Band der Welt alles festgefahren zu sein, so wirkt der Auftritt mit Smokestack Lightnin´ sehr aufrichtig. Die Tour zu seinem aktuellen Album - „Bye“ - scheint eine Befreiung für den Mann zu sein. Natürlich mimt er den großen Entertainer, aber gleichzeitig ist er sehr dankbar, dass er mit solchen Ausnahmemusikern – die, wie er sagt, nur aus Spaß und nicht wegen des Geldes musizieren – auftreten darf. Hin und wieder gerät das etwas zu sentimental, wenn er da seine Mi(e)tmusiker und Peta Devlin lobt, aber auch das nimmt man Bela B ab und abgesehen davon ist dies das letzte Konzert dieser Tour und da ist Sentimentalität sicher nicht der verkehrteste Ansatz!

 

Heute wird aus einem alten Die Ärzte Hit mal eben „Manchmal Tanzen Frauen“ als Twist mit der wundervollen Peta Devlin dargeboten. Ein Höhepunkt wird später „Der Vampir Mit dem Colt“ sein oder der alte 80er Gassenhauer „Don´t You Want Me“. Wer hätte sich auf einem Bela B Konzert schon eine The Human League Coverversion vorstellen können? Eben! Obwohl, wenn nicht hier wo denn bitte dann? Dagegen wirkt der Hit „Abserviert“ fast schon ein bisschen gewöhnlich, obwohl der natürlich auch gut dargeboten wird. Die Akustik im Gloria ist selbstverständlich mal wieder herausragend, ist ja auch nicht umsonst der schönste Laden für solche Veranstaltungen, den Köln zu bieten hat. „Teufelsküche“ oder „Bausparvertrag“ werden auch recht amtlich gespielt und überhaupt ist das gesamte Set sehr ausgewogen zusammengestellt worden. Macht Spaß! Zwischendurch plaudert Bela B munter drauflos. So erfährt der geneigte Fan, dass einer seiner Roadies in den 80ern schon für die Scorpions tätig war, die Fans in der ersten Reihe sämtliche Konzerte der Tour mitgemacht und der Band in Erlangen sogar einen Kuchen gebacken hätten, dass sein Vater an diesem Abend anwesend sei und was er von den Leuten mit den Handys und Kameras hält, die meinen für 15 Klicks bei Youtube lieber auf ihr Display starren zu müssen als ihn anzusehen – nämlich nichts. Als einer seiner Einleitung, wo er auf eine begnadeten Songschreiber hinweisen möchte, mit dem Zwischenruf nach Farin Urlaub unterbrochen wird, macht er unmissverständlich und leicht angesäuert klar, dass „ich dies jetzt doof fand“. Ja, dieser Abend, diese Nacht gehört Smokestack Lightnin´und Peta Devlin und dies hat alles recht wenig mit Die Ärzte zu tun. Bela B ist der Dompteur, der mit seinem goldenen Anzug und seiner Haltung eine Mischung aus Elvis und Johnny Cash gibt. Es ist ein Countrykonzert, welches vom Punk nicht weiter entfernt sein könnte, wenn, ja wenn nicht ab und an der Lausbub mit Bela B durchgehen würde. Aber wie sagt er so treffend? Selbst mein Comicverkäufer hält mich noch für ein Kind – für ein sehr reiches Kind.

 

Fazit: Bela B löst an diesem letzten Konzertabend der Tour all das ein, was er mit seiner Hauptband Die Ärzte schon lange nicht mehr bewerkstelligen kann. Der Mann gibt sich nahbar und gelöst und alles was er mit seiner Band heute veranstaltet, wirkt sehr geerdet und aufrichtig. Man nimmt allen Protagonisten ab, dass dies eine Herzensangelegenheit ist. Und Bela B wird an diesem Abend verkünden, dass er möchte, dass die Reise mit Smokestack Lightnin´ noch lange weitergeht und im Herbst wird die Tour auch wieder gestartet. Was das für die Hauptband bedeutet? Keine Ahnung, das ist an diesem grandiosen Abend auch völlig egal, denn auf eine sehr sympathische Art und Weise hat sich Bela B neu erfunden. Ist er nicht auch Schauspieler? Wann dreht denn Tarantino seinen nächsten Streifen? Hier könnte er gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn den passenden Soundtrack dazu würden ihm Bela B und Smokestack Lightnin´ mit Peta Devlin gleich mitliefern. Chapeau, alles richtig gemacht, Herr Felsenheimer!

 

http://www.bela-b.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

 

(Torsten Schlimbach bedankt sich bei Marina Buzunashvilli und Musicism & Cinelove Online Communication und natürlich Bela B für die freundliche Unterstützung!)

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