Babyshambles: 27.01.2014, Live Music Hall Köln

Das britische Sorgenkind hat zum Tanz eingeladen und alle sind sie gekommen. Die Live Music Hall ist schon seit Wochen ausverkauft. Sie sind alle da um Pete Doherty und seine Babyshambles zu sehen. Man weiß ja nicht, wann man dazu wieder die Gelegenheit hat. Mr. Doherty ist meist ja ein wenig indisponiert. Im Vorfeld dieses nasskalten Januartages fragen sich dann auch die meisten, wann er denn auf die Bühne kommt – falls er überhaupt kommt. Die charmante Nessi bestreitet das Vorprogramm, wirkt mit ihrem sphärischen Plucker-Songs aber reichlich deplatziert. Nichtsdestotrotz ist das schöne Musik mit Potenzial. Und es ist die beste musikalische Darbietung des Abends, sieht man mal von den Songs aus der Konserve ab.

 

Die Babyshambles kommen erstaunlich pünktlich auf die Bühne. Um 21:15 Uhr hält das Chaos Einzug in die Live Music Hall. Um 22:30 Uhr ist der Spuk wieder vorbei: Die Zeit dazwischen wird man so schnell nicht wieder vergessen. Pete Doherty ist völlig neben der Spur. Ob sein Vollrausch daraus resultiert, dass er Backstage zu tief in die Gläser geguckt hat oder ob da noch andere Substanzen im Spiel sind, ist dabei fast schon egal. Man hat Mitleid mit diesem Menschen, der sich und sein Leben offensichtlich nicht mehr in den Griff bekommt. Die 75 Minuten haben dann auch weniger etwas mit einem Musikkonzert zu tun, sondern gleichen vielmehr einer Freakshow, die abstoßend und faszinierend sein kann, in letzter Konsequenz aber ein Trauerspiel ist.

 

Zu Beginn pfeffert Doherty seinen Mikrofonständer in das Publikum. Ob der junge Mann mit der blutenden Lippe das Ding abgekriegt hat oder ob er im Zuge des allgemeinen Tumults, Doherty sprang nämlich gleich noch hinterher, etwas ungünstig stand, kann nicht mehr rekonstruiert werden. In den USA hätte eine solche Aktion so oder so eine Millionenklage nach sich gezogen. Ansonsten lallt Doherty sich unverständlich durch die Gegend. Fällt einfach um, stimmt zwischendurch ein Kinderlied an, ruht sich immer wieder am Schlagzeugpodest aus und schüttet sich einen Drink nach dem anderen rein. Das rote Gebräu dient sicher nicht der Gesundheitsverbesserung. Doherty läuft schon zu Beginn der Veranstaltung der kalte Schweiß in Strömen über das Gesicht – mit anderen Worten: es ist von vorne bis hinten ein Desaster.

 

Man würde gerne etwas über die gespielten Songs schreiben, aber das Dargebotene ist derart dilettantisch, dass es einem die Sprache verschlägt. Die Band hinter Doherty versucht noch zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Im weiteren Verlaufe des Abends kommt der Soundmann dann auch noch auf die selten dämliche Idee, die Regler nach oben zu schieben und das Unvermögen auf der Bühne mit Lautstärke auszugleichen. Der beste Moment des Abends ist „Blietzkrieg Bop“ von den Ramones, welches überraschend gut gespielt wird. „Fuck Forever“ gibt es dann auch noch und dann ist man auch froh, dass es vorbei ist.

 

Fazit: Pete Doherty ist an diesem Kölner Abend völlig neben der Kappe. Von einem Konzert kann man da kaum sprechen. Man kann Pete Doherty nur wünschen, dass er seine Krankheit irgendwann mal in den Griff kriegt und nicht den Weg so vieler anderer geht – gehen muss. Am Merch-Stand kann man dann auch noch für 40 Euro signierte Poster kaufen, signierte Pässe schlagen mit 25 Euro zu Buche. Bei jedem anderen Künstler könnte man das vielleicht noch goutieren, hier hat es etwas den Anschein, als würde alles zu Geld gemacht um eine Sucht zu finanzieren. Trauriger Abend, dieser 27. Januar in Köln.

 

Fotos gibt es hier

 

(Torsten Schlimbach bedankt sich bei Linda Pritzkow und Check Your Head und Warner Music für die freundliche Unterstützung!)

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch