Norman Palm – Interview am 06.07.2010

Anlässlich seines neuen Albums “Shore To Shore” stand uns Norman Palm in Köln Rede und Antwort.

Hallo Norman, vielen Dank für Deine Zeit! Dein neues Album „Shore To Shore“ ist ja gerade erschienen. Bist Du vor einer Veröffentlichung eigentlich nervös?

Eigentlich schon. Ich habe bisher ja nur ein Album gemacht und da ist es ganz anders gelaufen als bei diesem. Da hatte ich kein Plattenlabel und habe alles selber gemacht und jetzt ist das eben in den Händen eines Labels und da ist das schon relativ spannend zu sehen, was jetzt eigentlich passiert.

Gab es ein Konzept für das Album oder einen Schlüsselmoment, wo Du dachtest, ja in diese und jene Richtung könnte es gehen?

Ähm, eigentlich nicht so ein großes Konzept. Es war relativ schnell klar, dass es nicht so sein sollte wie das erste Album, weil das klein instrumentiert war und so ein bisschen spröde und selbstgemacht. Danach wusste ich eigentlich relativ schnell, dass ich dem neuen Album eine andere Form geben werde. Ich habe relativ viel ausprobiert und im Studio haben wir uns dann gefunden und ich habe gesagt, so und so soll es sein.

Also war es bewusst so gewählt. Du sprachst es ja gerade an, Deine beiden Alben sind sehr unterschiedlich, das erste ging ja fast in so eine Singer/Songwriter-Richtung und Deine neue Scheibe ist komplett anders.

Das ist richtig. Ich bin ja alleine d.h. ich kann einen Song schreiben und dann kann ich mich entscheiden, was ich damit mache. Deswegen wollte ich die Songs jetzt auch deutlich anders aufnehmen als vorher.

Du bist ja nicht nur Musiker, sondern auch Künstler. Du hast – im Gegensatz zu Deinem Debüt – Artwork und Booklet in fremde Hände gelegt, warum?

Genau. Also zum ersten Album habe ich dieses große Buch gemacht und dann war es jetzt ein bisschen die Frage, ob ich überhaupt etwas virtuell dazu mache und vor allem was. Ich dachte mir, dass ich nicht noch mal so ein Buch machen könnte, das würde dann auch langweilig werden. Und dann hat es sich so ergeben, dass Freunde von mir das Cover gemacht haben. Das sind Grafiker aus Paris und die hatten schon etwas ähnliches gemacht und während ich das Album aufgenommen habe, hatte ich das gesehen und dachte, dass das gut zu meinen Songs passen würde. Ich wolle auch jemanden anderen darauf gucken lassen und es ist ja auch überraschend, was andere dann damit machen.

Wie entstehen denn Deine Songs? Ganz klassisch an der Gitarre oder nutzt Du da auch die neuen Medien – Stichwort Laptop und PC?

Ja, genau! Ich spiel schon immer Gitarre und wenn mir was einfällt, dann spiele ich das zunächst auf der Gitarre, aber ich nehme relativ schnell die Sachen ohne viel Technik auf. Das habe ich auch beim ersten Album schon so gemacht. Diesmal habe ich allerdings vielmehr am Computer mit den Sachen gearbeitet. Eigentlich ist Gitarre und Gesang aber schon immer zuerst da. Und dann werden die Sachen auseinandergeschnitten oder anders zusammengebaut.

Was hat Dich denn inspiriert? Ich höre da so Sachen wie Wilco, Bright Eyes, Beck und Radiohead raus.

Ja, das sind so die großen Sachen, die mich immer inspirieren werden. Ich habe aber auch viel Krautrock gehört, da hatte ich so eine Phase, wo ich diese Sachen aufgearbeitet habe und die mich einfach interessiert haben. Das hört man auf dem Album nur hier und da. In $20 hört man so einen Instrumentalteil, der sich monoton steigert. Ansonsten bin ich aber nicht so fixiert auf eine Sache. Ich glaube, das Album ist auch ziemlich abwechslungsreich. Man kann ziemlich viele Inspirationen hören. Als wir vorher ins Studio gegangen sind, habe ich eine CD aufgenommen – für die Leute im Studio. Da war z.B. Beck drauf, um den Leuten so ein bisschen ein Grundgefühl zu geben wo es hingehen soll.

Was von Beck? Der ist ja sehr vielseitig.

Das war von der Mutations. Also eher so eine ruhige Platte. Also nicht die ersten Beck-Sachen.

Bist Du eigentlich ein sehr nachdenklicher und melancholischer Mensch? Ich finde die neue Platte klingt so.

Also die Platte bestimmt, aber ich selber bin gar nicht so melancholisch. Vielleicht entwickelt sich das bei mir auch so, dass ich das durch meine Musik rauslasse, aber ich selber bin eigentlich nicht so.

Das berühmte Ventil also.

Ja genau! Obwohl ein nachdenklicher Mensch bin ich schon auch.

Hat man da als Künstler auch manchmal Angst, sein Innerstes nach außen zu kehren?

Wobei ich finde, in dem Moment, wo das dann Musik wird, spricht man ja nicht mehr direkt mit irgendjemandem. Wenn ich das in einen Text umwandle, dann ist das ja was ganz anderes, als das, wo ich vorher drüber nachgedacht habe. Es ist mir dann auch nicht mehr unwohl dabei. Das ist dann der Text zu dem Song und der kam dann irgendwann aus meiner Empfindung heraus, aber das ist es eben jetzt nicht mehr so.

Sind Deine Songs also auch mehr Fiktion?

Also ja, die haben schon irgendwo einen Ursprung in meiner Person, aber die entwickeln sich dann eben weiter. Ich glaube, so ein Song wäre auch ziemlich langweilig, wenn der genau so wäre, wie das wirkliche Leben. Dafür braucht man ja auch keine Songs.

Wobei das Leben ja die besten Geschichten schreibt.

Ja, aber man muss ihnen noch etwas auf die Sprünge helfen.

Was war denn zuerst da? Die Texte oder die Musik oder ist das ein fließender Prozess?

Ja, das ist schon ein bisschen fließend, wobei in der Regel die Musik zuerst da ist. Das fängt dann mit einer Melodie an, aber dann ist da auch relativ schnell der Text. Ich habe das selten, dass ich Songs ohne Text so rumliegen habe. Es ist eh so, dass ich immer relativ schnell an den Sachen arbeite. Ich habe nicht so die Projekte, die ewig nicht fertig werden. Wenn das nicht gleich funktioniert, dann gebe ich eher auf.

Hast du eigentlich mal in Erwägung gezogen, ein deutschsprachiges Album aufzunehmen?

Nee, eigentlich nicht. Ich habe zwar ein paar deutsche Songs geschrieben, von dem einer jetzt auch auf so einer Compilation rausgekommen ist, aber sonst habe ich das nie so verfolgt. Ich fand immer, dass Englisch eine griffigere Sprache für Popsongs und einfacher Themen ist. Deutsch ist ja oft sperrig, aber das passt nicht zu dem, was ich so mache. Nicht, dass es keine gute deutsche Musik gäbe, die gibt es natürlich, aber das ist eine andere Atmosphäre, die ich möchte.

Ist das momentan Deine kreative Hochzeit?

Ich hoffe nicht, das hieße ja, dass es jetzt wieder abwärts geht.

Na ja, aus der Sicht Deines bisherigen künstlerischen Schaffens?

Ich habe da jetzt mehr Energie in die Musik gesteckt und mehr daran gearbeitet wie an der letzten Platte. Die war mehr so eine Statement-Platte, so eine Gitarrenplatte. Die Texte waren auch sehr dominant, ich hatte immer das Gefühl, dies wären mehr so vertonte Gedichte, denn das es musikalisch ist. Das ist bei der jetzt abwechslungsreicher und da steckt auch mehr Detailarbeit drin.
Was machst Du denn lieber – im Studio rumfrickeln oder auf der Bühne live spielen?

Das mache ich eigentlich beides gerne. Am Anfang war mir das mit der Bühne zwar ein bisschen unheimlich und das hat mich nervös gemacht, aber mittlerweile, vor allem jetzt mit der Band, ist das anders. Das war vorher sehr viel freier und da habe ich zwischendurch noch ein bisschen erzählt, jetzt ist es sehr viel geplanter und viel mehr Band. Das macht aber auch Spaß und jetzt kann man auch mal was falsch machen und es geht trotzdem weiter. Es ist lauter und auch kraftvoller.

Fühlst Du Dich sicherer mit einer Band?

Eigentlich schon! Alleine ist man so unter Beobachtung.

Wie denkst Du denn über das Internet? Ist das wirklich für den Niedergang des Musikgeschäfts verantwortlich?

Na ja, das ist ein großes Thema und darüber kann man lange diskutieren. Natürlich ist es dafür verantwortlich, dass Albumverkäufe eingebrochen sind, auf der anderen Seite gibt es auch sehr viele gute Möglichkeiten. Man kann seine Musik jetzt jederzeit veröffentlichen und als Hörer stößt man vielleicht auf Sachen, auf die man eben sonst nie gestoßen wäre. Es ist so ein bisschen zweischneidig, glaube ich. Was man der Musikindustrie vorwerfen kann ist, dass die darauf so lange nicht reagiert haben. Jetzt passiert ja was und die arbeiten mit dem Internet zusammen, aber im Grunde haben die das ja schon zehn Jahre ignoriert und gesagt „das Internet geht schon wieder weg“. Ich weiß nicht, wie man sich das vorgestellt hat.

Bist Du selber Sammler?

Ähm ja, ich kaufe schon relativ viel bei iTunes und wenn mir was gut gefällt, dann kaufe ich das auch auf Platte. Ich habe früher sehr viele CDs gekauft, ich habe auch noch viele, aber mittlerweile kaufe ich das eigentlich digital. Digital geht eben schneller. Meine Plattensammlung ist allerdings längst nicht so groß wie meine digitale Sammlung.

Das überrascht mich jetzt ehrlich gesagt ziemlich.

Ja? Warum?

Du bist ja Künstler und Designer und da hätte ich jetzt vermutet, dass Dir die Haptik eines Albums auch wahnsinnig wichtig ist. Digital ist ja eher lieblos und der Vorgang des runterladens ja sowieso.

Ich sehe da den praktischen Vorteil. Man hat es sofort und kann es überall hin mitnehmen. CDs musst du erst immer noch auf den Computer überspielen oder umwandeln. Ich bin auch relativ viel unterwegs und habe meine Sammlung gerne auf dem iPod. Ich finde auch, dass viele Platten gar nicht so schön von der Aufmachung sind. Das Cover ist doch oftmals gar nicht mit viel Mühe gemacht.

Deine Eltern sind ja aus Ost-Berlin geflohen und in Meppen gelandet. Inwieweit hat Dich diese Gegend geprägt?

Also dieser Kleinstadtmythos ist schon ein bisschen wahr. Wir hatten ja nicht viel Kultur. Wenn wir ein Konzert sehen wollten, dann mussten wir schon irgendwo hinfahren, so nach Münster und Bremen, und sich das da irgendwo angucken. Ich glaube, das hat schon zu mehr Eigeninitiative geführt. Mein Freunde und ich haben dann schon viel Musik gemacht, mit so einer Kleinstadtnaivität.

Wann bist Du denn aus Meppen weg und warum?

Ich bin nach dem Abitur weg um zu studieren. Das ist dann schon irgendwie zwingend, weil das da gar nicht geht.

Welche Projekte stehen denn als nächstes bei Dir an?

Zunächst mal die Tour. Also im September gehe ich auf Tour. Das Album kommt dann noch in anderen Ländern raus und dann werde ich mit dem Album auch noch eine Weile zu tun haben.

Norman, ich Danke Dir für das Gespräch und viel Spaß bei 1live gleich.

Ja, Danke. Ich spiele da gleich live, aber ich glaube, die zeichnen das auf und dann wird das später gesendet.

 

http://www.normanpalm.com/

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