Ladi6 - Interview am 10.06.2011

Die Neuseeländerin Ladi6 ist mir ihrem neuen Album auf großer Deutschlandreise. Die Fans zeigten sich bisher begeistert und auch die Kritiker nahmen die neuen Songs, wie auch die Konzerte sehr wohlwollend auf. Im Interview erzählte uns Ladi6 aber schon, dass sie einen Schritt weiter ist und die nächste Platte schon wieder in ihrem Kopf ist. Das alles ist Grund genug, der Lady ein paar Fragen zu stellen.

 

Hallo! Danke, dass Du Zeit für uns hast!

Bitte, bitte, sehr gerne!

Lass uns zunächst bitte über Deine neue Platte sprechen.

Na klar, sehr gerne.

Wie siehst Du die denn im Vergleich zu Deinen bisherigen Arbeiten?

Oh! Gute Frage! Ich habe das bisher gar nicht versucht zu vergleichen. Die Produkion war anders. Zudem hatte ich ja die Erfahrung des vorherigen Albums und der Tour im Rücken. Ich habe mit neuen Sounds experimentiert. Sagen wir es mal so, es ist definitiv reifer.

Wann hast Du denn angefangen die Songs dafür zu schreiben?

Ähm, wir starteten mit einigen Ideen und probierten verschiedene Dinge aus, bevor wir nach Berlin kamen. Dann ging es daran, die Sachen zu sichten und zu gucken, was wir für die Platte verwenden können. Der eigentliche Prozesse begann also in Berlin und da kam auch noch vieles dazu oder wurde geändert.

Was für eine Bedeutung hat denn der Song „Köln“?

Ah Cologne (lacht)! Der Song hat übrigens nichts mit der Stadt, also Köln, zu tun. Der Hintergrund ist eigentlich recht simpel. Als ich auf Tour war habe ich an dem Beat gearbeitet. Der Track ist dann in einem Hotelzimmer in Köln entstanden. Der Ursprung jedenfalls. In der Stadt habe ich übrigens auch einige Platten gekauft. Wenn man so will, dann ist der Beat in Köln entstanden, der Text hat damit aber nichts zu tun.

Ein anderer Song heißt „98 Til Now“. Was hat dies zu bedeuten? Was ist in dieser Zeit passiert?

Da fing alles an. Also im Grunde habe ich da mit der Musik begonnen. Das war zu dieser Zeit alles noch sehr vom HipHop dominiert. 1998 war auch das Jahr, wo ich meinen ersten Auftritt hatte. Da habe ich gemerkt, dass ich meine Bestimmung gefunden hatte und die Musik genau das ist, was ich machen will. Ja und jetzt haben wir 2011 und ich bin immer noch hier.

Das klingt alles sehr emotional. Überhaupt sind Deine Songs textlich und auch musikalisch sehr emotional. Entspricht dies Deinem Wesen?

Oh ja. Ich denke, das bin ich! Ich bin immer sehr emotional, wenn ich Musik höre oder Musik aufnehme. Anders geht es aber auch nicht. Jedenfalls kann ich Musik nur machen, wenn ich auch etwas fühle.

Bist Du eigentlich mit den Reaktionen zu „The Liberation of...“ zufrieden?

Ja, das bin schon. Es ist lustig, denn wenn man ein Album aufnimmt, dann ist man ja unter so einer Glocke. Man beschäftigt sich mit der Musik, den Texten, der Produktion, kriegt aber ja nur wenig Feedback von außen. Und dann veröffentlicht man die Platte und plötzlich liest man die vielen Meinungen. Es ist unglaublich, von wo ich alles Reaktionen bekomme. Wow, aus allen Teilen der Welt. Ich bin damit wirklich sehr glücklich und ihr hier in Deutschland habt mich toll aufgenommen.

Wie kam es eigentlich zur Begegnung mit Blumentopf und deren DJ Sepalot, der Dich produziert hat?

(lacht) Das war von hier am anderen Ende der Welt, nämlich Australien. Wir spielten dort eine Show, das muss Melbourne gewesen sein. Hmm, doch, es war Melbourne. Na ja, wir machten da den Soundcheck und danach kam er zu mir und sagte, dass er von unserem Sound total begeistert wäre und gerne mit uns arbeiten würde. Er schickte mir dann einige Samples und Sounds und kam zwei Wochen später nach Neuseeland um dort Urlaub zu machen. Seitdem sind wir wirklich gute Freunde geworden. Wir haben ja auch schon an dem Song „Go Get It“ zusammengearbeitet. Als wir dann schließlich in Berlin waren, haben wir ihn mit ins Boot geholt und er hat dann an den Arrangements gefeilt und die Songs gemischt.

Du hast im letzten Jahr ja viel getourt. Was waren denn die Höhepunkte?

Im Grunde alles. Ich reise wirklich gerne und bin gerne unterwegs und gucke mir andere Städte, Länder und Kulturen an. Ich bin sehr dankbar, dass ich das machen darf und das macht mir totalen Spaß. Ich liebe und genieße das wirklich sehr.

Hast Du denn niemals Heimweh?

Nein, eigentlich nicht. Weißt du, ich war es schon immer gewohnt zu reisen bzw. wollte mir viel anschauen. Ich mag das einfach und fühle mich auch überall wohl. Ich reise ja auch nicht alleine, von daher ist das kein Problem.

Woher nimmst Du eigentlich die ganze Energie? Du machst ja eigentlich nie Pause, oder?

(lacht) Nein, ich bin immer in Bewegung. Meine Kraft ziehe ich eigentlich aus dem, was ich mache. Ich liebe es neue Songs zu schreiben und die aufzunehmen und dann freue ich mich auch schon wieder auf die Live-Shows. Ich bin total motiviert für die Musik und das kostet mich dann nicht Energie, sondern gibt mir welche. Mir macht das alle total viel Spaß.

Ist es eigentlich schwierig noch seinen eigenen Musikstil zu finden?

Ah, ja. Es gibt im Pop und HipHop ja schon alles. Das Geheimnis ist einfach, das alles interessant zu halten. Ganz besonders für einen selber. Ich versuche immer verrückte Sounds für mich zu finden, die mir Spaß machen. Das ist es auch, was mich antreibt. Man sollte nicht versuchen Erwartungen zu erfüllen, denn dann geht es meistens schief.

Für manche scheint ja auch das Image und der Style wichtiger zu sein, wie die Musik selber.

Definitiv, was schade ist. Natürlich darf und sollte man sich auch Gedanken über sein Aussehen und Auftreten machen, keine Frage. Aber die Musik sollte doch diese Kraft haben, um alles andere unwichtig erscheinen zu lassen.

Was denkst Du denn über die Musikindustrie und das Internet?

Das hat sich in den letzten Jahren alles total verändert. Gerade auch was das Tauschen von Musik betrifft. Man sollte aber nicht vergessen, dass dies auch Möglichkeiten bietet, die es vor Jahren noch nicht gab. Guck mal, wie schnell man heute auf neue Musik aufmerksam wird. Man kann seine eigene Musik ja auch ins Netz stellen und verbreiten. Ich bin sehr optimistisch, was das Internet und die damit verbundenen Möglichkeiten betrifft. Gerade für einen Indiependent-Act wie mich, ist das Internet eine gute Sache. Ohne das Internet wäre es doch gar nicht möglich, meine Musik mit der Welt zu teilen. Man sollte einfach die Möglichkeiten nutzen. Klar, das Internet hat seine guten und auch schlechten Seiten, aber die alten Zeiten sind eben vorbei. Ich bin glücklich damit, so wie es ist.

Wo siehst Du Dich denn als Musikerin in zehn Jahren? Planst Du überhaupt soweit in die Zukunft?

(lacht) Nein, das kann man ja gar nicht. Ich sehe mich aber immer noch als Musikerin. Jedenfalls hoffe ich das doch. Ich bin eigentlich an nichts anderem interessiert wie an der Musik. Das ist es, was ich machen möchte und ich hoffe, dies ist in zehn Jahren auch noch so. Aber letztlich kann keiner sagen, was in fünf oder zehn Jahren ist.

Gab es dann bis hierhin einen unvergesslichen Moment für Dich?

Ähm, das ist schwierig. Ich könnte jetzt alles sagen. Nein, warte, es ist gar nicht so schwierig. Im Grunde sind es die Anfänge. Als meine Karriere startete, war das alles so unglaublich für mich und das ist auch die Antwort auf die Frage, ja. Es war auch spontaner. Weißt du, wenn man älter wird, dann ist alles strukturierter und mehr durchgeplant, das war früher nicht so.

Wie sehen denn Deine Pläne für die nahe Zukunft aus?

Wenn die Tour beendet ist, dann gehe ich nach Hause und dann will ich mein drittes Album aufnehmen....

…Moment, Du schreibst schon neue Songs?

Klar. Ich möchte einfach ein interessantes Album aufnehmen und mir diesmal etwas mehr Zeit lassen. Bei der letzten Platte musste alles schnell gehen, aber für die Neue will ich viel experimentieren, neue Sounds finden und solche Sachen. Es kann sein, dass es in eine andere Richtung geht, mal sehen...Wir arbeiten an verschiedenen Ideen, waren auch schon in Berlin im Studio. Es gibt aber noch nichts Konkretes.

Ich bedanke mich für das Gespräch und die neuen Infos!

Gerne, gerne!



(Torsten Schlimbach bedankt sich für die freundliche Unterstützung bei Linn Drews und Daniela Lehmann von der Promotion-Werft, Eskapaden Musik/Soulfood und natürlich bei Ladi6!)

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