Dashboard Confessional - Interview am 29.03.2010

Das neue Album von Dashboard Confessional steht in den Startlöchern und wird in Deutschland im April veröffentlicht. In seiner Heimat stand „Alter The Ending“ schon letztes Jahr im November in den Läden. Warum dies so ist weiß Chris Carrabba selbst nicht so genau und scheint auch nicht ganz so erfreut über diese Tatsache – aber lest selbst .

Hallo Chris, Danke für Deine Zeit! Wie geht’s? Alles in Ordnung? Bist ja gerade im Tourstress?

Danke der Nachfrage. Läuft alles bestens und alles ist gut.

Chris, euer Album „Alter The Ending“ wurde in Amerika schon letztes Jahr veröffentlicht. Jetzt erst wird die Scheibe auch in Deutschland veröffentlicht, was sind die Gründe dafür?

Ich weiß es nicht und bin nicht ganz sicher, warum das so ist. Ich arbeite ja nicht bei einer Plattenfirma, da musst Du die fragen. Nächste Frage bitte.

Du scheinst ja nicht gerade erfreut darüber zu sein!

Wichtig ist, dass es jetzt doch noch erscheint.

Welche Musik hat Dich denn für dieses Album inspiriert und beeinflusst?

Oh, das kann ich gar nicht so genau sagen, da ich eine Menge Musik höre und mich auch viele Jahre eine ganze Menge beeinflusst und inspiriert hat. Speziell für dieses Album gibt es aber eigentlich keine bestimmte Richtung, die mich auf die eine oder andere Art und Weise so richtig beeinflusst hat.

Sind die Geschichten, die Du hier erzählst, reine Fiktion oder eher autobiografisch?

Ich denke, wenn man einen Song schreibt, dann wird man natürlich auch von seiner Umgebung und seinem eigenen Leben geleitet. Ich denke, so, wie sie jetzt sind, kann man davon sprechen, dass sie keine Fiktion sind, jedenfalls nicht komplett. Das bringt der Songwriting-Prozess so mit sich – jedenfalls bei mir. Ich schreibe immer, indem ich mich auch vom richtigen Leben leiten lasse.

Ist der Prozess des Songschreibens dann auch gleichzeitig eine Art Therapie für Dich?

Ähm, das kann es definitiv sein. Muss nicht, also nicht immer. Dieses ganze Ding – sich hinzusetzen und einen Song zu schreiben – ist einfach eine wunderbare Sache. Das kann natürlich dann auch schon therapeutische Züge annehmen und ist eine höchst emotionale Sache. Die ganze Entstehungsgeschichte kann sehr schön, aber auch sehr frustrierend sein. Auf der anderen Seite kann das auch ein sehr intellektueller Prozess sein, Du verstehst? Also im Grunde besteht das Songschreiben aus vielen Facetten und schließt auch therapeutische Aspekte nicht aus – das ist definitiv so.

Ein Songtext des Album beginnt mit den Worten: „I know that yesterday is gone and it won´t come back to me but I miss it“ Denkst Du viel über die Vergangenheit nach und reflektierst Du diese Zeit für Dich? Träumst Du manchmal von der „guten alten Zeit“?

Ähm, ich denke, hm, also…verdammt, das ist eine gute Frage! Ich denke, ich habe nie meinen Respekt vor der Vergangenheit verloren. Ich bin mir meiner Wurzeln immer bewusst und weiß woher ich komme. Ich werde diesen Aspekt meiner Person auch nie ignorieren. Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich heute Dinge aus der Vergangenheit vermisse. Es gibt sowieso Dinge, die einen das ganze Leben lang begleiten.

Chris, jedes Deiner Alben hört sich anders an und es klingt wie ein neues Kapitel von Dir oder der Band. Ist „Alter The Ending“ das Album, welches vielleicht am meisten auf Popmusik fokussiert ist?

Puh, gute Frage. Ich weiß nicht, ob es unbedingt ein Popalbum ist oder darauf fokussiert ist. Wir werden ja auch nicht wirklich im Popradio gespielt…

…was ja nicht dagegen spricht Popmusik zu machen….

…das ist natürlich richtig. Es stimmt schon, es ist sehr nahe am Pop dran. Ja, ich würde sagen, es ist näher am Pop dran wie die Sachen vorher. Dieses Album lässt aber immer noch genug Luft für das typische Songwriterhandwerk.

Gab es denn so etwas wie eine Ausgangsidee und ein Konzept für „Alter The Ending“?

Ich würde sagen, es gab ein paar Visionen in welche Richtung es gehen könnte. So ein paar Dinge, die mir da durch den Kopf gehen und die Du jetzt auch hörst – Du hast es vorhin Pop genannt. Es gab jetzt aber nicht ein Oberthema für die Platte und ich würde von daher auch nicht sagen, dass es ein Konzeptalbum ist.

Glaubst Du, dass es in der heutigen Zeit schwer ist noch einen eigenen Musikstil zu finden oder sich abzugrenzen?

Ja, absolut! Es ist natürlich super schwierig noch etwas zu kreieren, was es so noch nicht gegeben hat. Auf der anderen Seite sollte man aber auch nicht zu viel darüber nachdenken und Musik sollte mit viel Enthusiasmus gemacht werden und im besten Fall auch solchen bei den Leuten auslösen. Wer nur darüber nachdenkt, wie er etwas Einzigartiges schreiben kann, wird nur, ähm, verkrampfen.

Was denkst Du denn über das Internet? Hat dies die Musik und das Musikgeschäft wirklich so sehr verändert oder geht es nicht eigentlich immer nur darum gute Musik zu schreiben und die Leute sollten diese dann auch noch mögen?

Das Internet als Tool ist doch eine tolle Sache. Es hilft den Leuten doch dabei ihre Musik schnell zu verbreiten und man erreicht die Leute da draußen natürlich auch wesentlich schneller wie früher. Außerdem kann jeder auf die Suche nach neuer Musik und Songwritern gehen. Als Tool ist das schon eine gute Geschichte. Man denke da an Facebook, MySpace und diese ganzen Geschichten. Der andere Teil der Frage bezieht sich ja auf das Business und ähm, da muss man schon trennen zwischen Songschreiber und Songverkäufer und ich bin natürlich Schreiber, möchte aber auch für meine Arbeit entlohnt werden.

Ihr tourt ja gerade mit Bon Jovi. Wir war das für Dich und die anderen Jungs?

Glaub es oder nicht – das ist eine der besten Erfahrungen, die wir bisher gemacht haben.

Oh?

Du klingst überrascht!

Nun ja, ich würde euch jetzt nicht unbedingt mit Bon Jovi in Verbindung bringen und große Arenen und Stadien sind ja eher für ein Massen- oder Mainstreampublikum gedacht und für mich ist Dashboard Confessional da nicht unbedingt angesiedelt.

Es ist gar nicht so sehr die Anzahl der Zuschauer, das ist auch eigentlich gar nicht wichtig um einen guten Auftritt hinzulegen. Die Erfahrungen die wir dort auf der Bühne machen sind auch gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist dieser Alltag auf dieser Tour – vom Beginn bis zum Ende des Tages. Und ehrlich, die Energie, die sie (Bon Jovi) in ihre Show, von dem Moment, wo sie die Bühne betreten, legen ist schon beeindruckend.

Die Verbindung zwischen Dashboard Confessional und euren Fans ist ja immens stark und wichtig. Bist Du da eigentlich noch nervös, wenn Du auf die Bühne gehst?

Mittlerweile nicht mehr. In den Anfangstagen der Band war ich schon nervös, aber wenn man jetzt die Bühne betritt ist das einfach nur ein schönes Gefühl.

Was sollten die Zuschauer von euren Konzerten mitnehmen?

Zuerst einmal sollten sie Spaß haben und eine schöne Erfahrung machen. Die Fans sollten das zu einer großen Party machen. Ich bin dabei nicht wichtig, um mich geht es dabei nicht. Es geht darum, was die Zuschauer fühlen und wir wollen ihnen dabei helfen, dass sie einfach eine tolle Party feiern können. Und ich hoffe, dass sie sich als Teil der Show fühlen und nicht einfach als Menge, die sich eine Show anguckt.

In diesem Zusammenhang: Was bedeutet denn ein Konzert für Dich? Ist das mittlerweile wie ein Fabrik- oder Bürojob?

Wenn ich ein Konzert spiele?

Ja genau.

Auf gar keinen Fall. Da sind natürlich jede Menge Momente die zur Routine werden. Du machst jeden Tag immer wieder die gleichen Sachen und das wiederholt sich dann. Aufstehen, abhängen, Soundcheck und diese Dinge. Das sind aber alles Sachen, die sich um ein Konzert herum abspielen. Dann aber auf die Bühne zu gehen und vor der Zuschauermenge zu spielen und eine gemeinsame Verbindung herzustellen kann nie gleich sein und das ist das Größte überhaupt.

Mittlerweile bist Du ja mit Dashboard Confessional mehr als zehn Jahre unterwegs. Du hast ja als Soloact angefangen und spielst nun eingebettet in diesem Bandkontext. Wo sind denn die Unterschiede und wie sieht die Zukunft aus?

Du sagst es. Es sind an die zehn Jahre. Ich denke da oft dran. Ich denke, dass wir es als Band so lange machen ist einfach, dass es so gut mit uns funktioniert. Es ist toll ein Album als Band aufzunehmen und Du hast es ja eben angesprochen, dass unsere Alben alle unterschiedlich sind und das macht es auch für uns spannend. Für die Fans natürlich auch. Du sagtest, dass sich ein jedes Album wie ein neues Kapitel anhört und genau dies ist doch das, was man erreichen möchte. Man kann natürlich hoffen, dass man das als Band schafft, aber die größte Anerkennung ist ja, wenn die Leute da draußen das dann auch so empfinden. Dann haben wir uns über die Jahre auch alle als Musiker verbessert und ich mich auch als Songschreiber und diese Kombination lässt es dann auch so frisch klingen – mit jedem Album und mit jeder Tour.

Wie hat Dich denn Dein Status als Berühmtheit über die Jahre verändert? Hast Du Dich verändert?

Ähm, ich würde sagen, dass ich nicht die richtige Person für eine Antwort bin, da müsstest Du die Personen aus meinem Umfeld befragen. Ich selber fühle mich nicht so, als wenn ich mich verändert hätte. Es ist einfach schön, die Leute mit meiner Musik zu begeistern, ihnen eine gute Zeit zu bereiten – mehr nicht. Man sollte seine Musik und sich selber nicht wichtiger nehmen als es ist. Es ist ja nicht so, dass ich jetzt ein Recht dazu hätte, einen besseren Tisch in einem Restaurant zu beanspruchen. Wofür? Weil ich Musik mache?

Wann hast Du denn angefangen ein Instrument zu spielen und zu lernen?

Ähm, zu singen wie jeder andere auch – als Kind. Mit meinem Bruder und so haben wird dann so Songs gesungen. Kinder halt. Mit 15 begann ich dann Gitarre zu spielen, so richtig konzentriert und intensiv allerdings erst mit 18, na ja, vielleicht doch mit 17.

Gibt es ein spezielles Land wo Du mal auftreten möchtest?

Südamerika. Gut, ich weiß, dies ist eine Region und kein Land, aber Südamerika wäre ein Traum. Die Philippinen wären auch toll. Ach einfach überall, wo wir noch nicht aufgetreten sind.

Schreibst Du gerade an neuen Songs?

Ich habe nie aufgehört Songs zu schreiben. Ich schreibe ständig neue Songs.

Können wir dann auch schnell mit einem neuen Album rechnen?

Wie schnell wird man sehen, es sollte auf jeden Fall nicht so lange dauern wie beim letzten Mal.

Chris, vielen Dank für das Gespräch und noch viel Spaß auf der Tour.

Ich Danke Dir.

 

(Torsten Schlimbach bedankt sich für die freundliche Unterstützung bei Isabel Sihler, Universal und natürlich bei Chris Carrabba und Dashboard Confessional)

 

http://www.dashboardconfessional.com/splash/

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch