Yvonne Catterfeld: Guten Morgen Freiheit

Yvonne Catterfeld: Guten Morgen Freiheit

Veritable Records/Rough Trade

VÖ: 10.03.2017

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Wer eine ernsthafte Musikdiskussion mit Nerds führen will, wird mit Yvonne Catterfeld sicher keine großen Erfolge feiern. Zu sehr ist die Dame im seichten Mainstreampop verortet worden. Musik ohne besonderen Anspruch. Schneller Konsum, Dieter Bohlen und so. Das kann man nun getrost vergessen. Es ist nicht so, dass Yvonne Catterfeld nun kantigen Indierock machen würde, aber ihr neues Album „Guten Morgen Freiheit“ ist nicht nur gut und auf seine Art sehr erwachsen, sondern auch authentisch. Mit der Geburt ihres Sohnes veränderte sich nicht nur das Privatleben. Plötzlich ist Zeit für sie ein wertvolles Gut geworden. Nur noch das tun, was man wirklich möchte. Wohinter man steht. Neuer Manager, eigenes Label: Guten Morgen Freiheit!

 

Yvonne Catterfeld stellt Fragen. Ist auf der Sinnsuche. Die passenden Antworten muss ein jeder für sich selbst finden. Natürlich wird man ganz charmant in eine Richtung gedrängt. Es sind oftmals die richtigen Fragen. Entschleunigung würde in diesen Zeiten mal ganz gut tun. Nicht immer alles höher, schneller und weiter. Es muss auch nicht alles besser werden. Ist es nicht auch mal gut so, wie es ist?! „Guten Morgen Freiheit“ ist aber auch ein Album über Liebe. Nicht im kitschigen und klassischen Sinne, sondern eben auf eine schöne und verspielte Weise. Als Zuhörer hat man zudem das Gefühl, dass die gute Yvonne hier sehr persönliche Songs verfasst hat.

 

Musikalisch ist das natürlich auch noch immer irgendwo Popmusik, nur eben auf eine sehr erwachsene Art. Vieles ist aber auch im Soul zu verorten. „Tür Und Angel“ ist da eine sehr schöne Mischung. Wunderschön, wie da die Melancholie aus den Boxen träufelt, gleichwohl der Text auch eine Liebeserklärung an den Partner ist. Ankommen – wer wünscht sich das nicht? Mit Chima hat sie zudem den perfekten Duettpartner für den Song gewonnen. Der Titeltrack „Guten Morgen Freiheit“ erinnert sogar an Leslie Clio. „Irgendwas“ (feat. Benio) wurde im Vorfeld als erster Song ausgekoppelt. Starke Nummer, die sehr groovy ist. „Was Bleibt“ ist eine völlig unkitschige Liebeserklärung. Man nimmt ihr jedes Wort ab. Die Wahrhaftigkeit der Yvonne Catterfeld.

 

„Freisprengen“ ist wieder in dieser souligen Popecke zu finden, wie man sie von Leslie Clio kennt. Frau Catterfeld klingt hier fast schon rotzig. Guter Groove, gutes Piano, toller Gesang. „Schwarz Auf Wess“ kommt entschlackt und geht fast als Reggae durch. Auch hier dreht es sich wieder um die Zweierbeziehung. „5 Vor 12“ ist musikalisch durchaus positiv gestimmt, aber auch etwas beliebig. „Mehr Als Ihr Seht“ dürfte durchaus autobiografischer Natur sein und ist sicherlich ein Schlüsselsong für die neue Ausgabe von Yvonne Catterfeld. Darum gibt es auch gleich zwei Teile der Nummer auf diesem Album.

 

„Scheinriesen“ regt zum Nachdenken an. „Strassen Aus Salz“ und „Pass Gut Auf Dich Auf“ dürften eindeutig von ihrem Sohn inspiriert worden sein. Eltern werden diese Songs lieben.

 

Fazit: „Guten Morgen Freiheit“ - der Albumtitel ist programmatisch. Yvonne Catterfeld genießt ihre (künstlerisch) neu gewonnene Freiheit. Sie macht nur noch das, was sie auch wirklich will. Das ist in diesem Fall erwachsene Popmusik mit reichlich Soul. Texte mit Tiefgang. Texte für Leute, die in der Mitte ihres Lebens angekommen sind. Viele Fragen, die, wenn man will, aber auch Antworten liefern. Die Geschmackspolizei kann gerne weiterziehen, denn „Guten Morgen Freiheit“ ist ein richtig gutes Album, dem man anhört, dass hier sehr viel Herzblut hinein geflossen ist!

 

http://www.yvonnecatterfeld.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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