Winston Surfshirt: Sponge Cake

Winston Surfshirt: Sponge Cake

Sweat It Out

VÖ: 29.09.2017

 

Wertung: 8/12

 

Eigentlich ist Winston Surfshirt ja ein Soloprojekt. Der Junge aus Sydney zog aber immer mehr Musiker in seinen Dunstkreis und mittlerweile kann man bei dem Kollektiv sogar von einer festen Band sprechen. Sechs Leute sind für die Songs von „Sponge Cake“ verantwortlich. Natürlich hält der gute Winston die Zügel fest in seinen Händen, aber ohne seine Mitstreiter wären diese sechzehn Songs sicher in dieser Form nicht möglich gewesen. Vorab wurden – sozusagen als Testballon – schon einige Singles aus „Sponge Cake“ veröffentlicht. Bei uns konnte man diese zumindest als Stream oder MP3 hören oder downloaden. Man darf gespannt sein, ob die Kapelle auch außerhalb von Australien auf Albumlänge funktioniert.

 

Fangen wir mal mit den nicht ganz so guten Seiten des Albums an. Es ist viel zu lang! Mindestens vier Nummern weniger hätten dem Flow der Scheibe ganz gut getan. So wiederholt sich doch einiges und da selten das Tempo oder die Stimmung variiert wird, nutzt sich das auch schnell ab. Der Zeitpunkt dieser Veröffentlichung könnte unglücklicher nicht sein. Wie kann man nur auf die Idee kommen und das Teil im Herbst in Europa auf den Markt zu schmeißen? Hallo?! Also wenn das kein Sommeralbum ist, dann ist es kein Album mehr.

 

Und da sind wir auch schon bei den positiven Aspekten von „Sponge Cake“. Die Mischung aus Soul, HipHop und Jazz(!) ist schon nicht so schlecht. „Same Same“ ist da der Referenztrack. Das Ding groovt, überzeugt mit einer sensationellen Hookline, hat Soul und unglaublich viele vertrackte Elemente des Jazz. Und die Nummer hat Pfeffer im Hintern. Manches, wie der entspannte Albumopener „Juan“ kommt schluffig daher. Die Rapparts machen jeder Kifferhöhle alle Ehre. Sehr lässiger Einstieg. „Ali D“ ist ein Hit, ein Sommerhit!“.

 

Es ist schon eine Show für sich, wenn hier die Horn-Sektion auf die Beats trifft. Winston Surfshirt schaffen sich im Grunde ein eigenes Genre. Hin und wieder erinnert der Sound sogar ein bisschen an die Easy Listening Ära. Wenn bei „Nowhere“ allerdings noch ein arschcooler Rappart aufgefahren wird, dann ist das schon die ganz große Musikverschmelzung. „Be About You“ erinnert ebenfalls an die 70er und könnte auch einem Blaxploitation-Film entsprungen sein. Na gut, „FreeFor You“ erinnert auch auf unangenehme Art an die Bee Gees. Und spätestens mit „The Moments“ setzen die ersten Ermüdungserscheinungen ein, weil das eben dann doch zu sehr auf einem Tempo reitet. Der Refrain reißt da aber wieder einiges raus.

 

Und „Twenty Five“ zeigt, dass Jazz, Soul und HipHop ganz enge Verwandte sind. „Project Rodeo“ erinnert übrigens an TLC. „Easy Bruisily“ plätschert leider etwas zu gemächlich dahin. Dafür ist der Abschluss „Cast In Stone“ ein Kracher. Ein Höhepunkt des Albums. Es gibt derart viele Richtungs-, Tempo- und Stimmungswechsel, dass es jeder Beschreibung spottet. Das hört sich zudem an, als hätten The Roots die Backingband gegeben. Das kann also nur gut sein!

 

Fazit: Winston Surfshirt liefern mit „Sponge Cage“ das perfekte Sommeralbum ab. Es bleibt ein Rätsel, warum das ausgerechnet im Herbst veröffentlicht wird. Die Mischung aus HipHop, Beats, Jazz, Soul oder Easy Listening ist teilweise sensationell. Schade, dass man nicht nur auf Qualität, sondern auch Quantität gesetzt hat. So gibt es doch einiges an Füllmaterial. Mit vier Songs weniger hätte „Sponge Cake“ sogar zu einem Höhepunkt des Musikjahres 2017 werden können, da die Band im Grunde ihr eigenes Genre definiert.

 

https://www.winstonsurfshirt.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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