William´s Orbit: Once

William´s Orbit: Once

Motor/Edel/Believe Digital

VÖ: 06.05.2016

 

Wertung: 8,5/12

 

Weiden ist ja nicht gerade als Metropole und musikalische Hochburg bekannt. Wer sich im Indiebereich herumtreibt, wird aber auch dort schon die eine oder andere interessante Entdeckung gemacht haben. Mit William´s Orbit schickt sich nun eine Band an, vielleicht doch mal in Regionen vorzudringen, die sonst nur den Platzhirschen vorbehalten sind. „Once“ ist nun das Debüt und dürfte aufhorchen lassen – sofern man denn überhaupt Kenntnis von der Band und dem Album erlangt. Es wäre den vier Herren zu wünschen, dass sie mit „Once“ Erfolg haben – es ist ein gutes Album.

 

William´s Orbit tummeln sich dem eigenen Selbstverständnis nach im Indie-Rock herum. Das stimmt auf der einen Seite, auf der anderen ist vieles auf „Once“ aber auch unverschämt eingängig. Nicht auf eine unangenehme Art und Weise, aber die Melodien und Hooklines setzen sich einfach unweigerlich in den Gehörgängen fest. Man könnte auch sagen, dass einem die Songs schnell in Fleisch und Blut übergehen. Ob das Haltbarkeitsdatum schnell erreicht ist, wird die Zeit zeigen. „Once“ macht in seiner Gesamtheit allerdings einen derart guten Eindruck, dass man von Zeit zu Zeit sicher immer mal wieder darauf zurückgreifen wird. Die Songs könnten in Zukunft treue Begleiter werden.

 

William´s Orbit sind zudem so gänzlich anders als der Rest der deutschen Musiklandschaft. Überraschenderweise haben die Musiker die 20 Lebensjahre erst so gerade überschritten. Überraschend, weil „Once“ doch schon so erwachsen klingt. Dahinter steht dann auch eine gewachsene Band, die trotz der Jugend ihrer Protagonisten schon seit acht Jahren zusammen musiziert und einen Traum verfolgt. Finanziert wurde die Sause dann per Crowdfunding. Ein Hoch auf das Internet, denn sonst wäre ein solches Projekt kaum möglich. Das Credo lautet: eingängig sehr gerne, aber niemals angepasst.

 

Im Waschzettel werden musikalische Vergleiche mit XTC, Talking Heads oder David Bowie genannt. Ganz ehrlich: zu hören sind die aber nicht unbedingt. Die zehn Tracks orientieren sich dabei auch eher an Indie- oder Alternativbands jüngeren Datums als die oben genannten Künstler. Der letzte Song erinnert dann auch an eine interessante Mischung aus den Kings Of Leon, Coldplay und Muse. Beim Opener „Live Forever“ jubiliert die Gitarre, als hätten die jungen Leute auch schon mal ein U2 Album gehört, bevor einem wiederum Assoziationen zu den Kings Of Leon ins Gedächtnis kommen. William´s Orbit wissen wie man melancholisch rockt. Das hat durchaus Pfeffer im Hintern. Auch das bassgetriebene „Once In A Lifetime“ - jaja, der Titel erinnert an die Talking Heads – hat einen fast schon unverschämten Ohrwurmcharakter.

 

Das verträumte „Streets We Roam“ nimmt dann ein paar PS raus. Popmusik, die auch im Radio funktionieren würde. Das gilt auch für „Miles Away“ - eine bissige Version von Reamonn – oder „Cleveland“. Das ist übrigens nicht despektierlich gemeint. Gute, handgemachte Popmusik mit dieser Klasse können nicht viele in diesem Land schreiben. Letztgenannte Nummer erinnert so ein bisschen an Fury In The Slaughterhouse. „Evermore“ im Anschluss an die Jeremy Days. Mit „Mexico“ schießt die Band allerdings den Vogel ab. Für die Nummer würde die Followill-Sippe Haus und Hof verscherbeln. In einer gerechten Welt würde das Ding durch die Decke gehen. Mal straight drauflos gehämmert? Bitteschön: „Schizophrenic Games“, welches in den Strophen mit sehr viel Liebe zum Detail ausgestattet ist, rockt. Das melancholische „Remember“ wird von einem spacigen Gitarrensolo durchzogen, dass es schon wieder völlig unkitschig ist.

 

Fazit: William´s Orbit legen mit „Once“ ein wirklich gutes Debütalbum vor. Wer Fury In The Slaughterhouse, The Jeremy Days, die Kings Of Leon und Coldplay schätzt, sollte dieses Werk unbedingt mal antesten. Wer oben aufmerksam mitgelesen hat, wird festgestellt haben, dass auf „Once“ nicht ein einziger Ausfall zu verzeichnen ist. Tolles Songwriting, famose Instrumentierung, gute Melodien und Hooklines – in dieser Kombination hat das von einer Band aus Deutschland Seltenheitswert! Viel Glück und Erfolg mit diesem Album!

 

http://www.williams-orbit.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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