William Fitzsimmons: Charleroi: Pittsburgh Volume 2

William Fitzsimmons: Charleroi: Pittsburgh Volume 2

Grönland/Rough Trade

VÖ: 01.04.2016

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Mit „Charleroi: Pittsburgh Volume 2“ bringt William Fitszimmons seine hoch emotionale Familiengeschichte über die Großmütter zu einem Ende. Dieses Mal geht es um Thelma, seine Oma aus Charleroi, Penssyovania. Sein Vater wurde adoptiert und hatte nie die Chance seine Mutter Thelma kennenzulernen. Dieses Mini-Album handelt von ihr. Es wird also wieder hochemotional. „Pittsburgh“ und „Charleroi: Pittsburgh Volume 2“ werden übrigens auch als „The Pittsburgh Collection“ auf Vinyl veröffentlicht.

 

Die ganze Traurigkeit dieser Seite der Familiengeschichte wird mit „Fare The Wall“ zu Papier gebracht. Durch den Streichereinsatz kriegt das auch musikalisch eine Komponente verliehen, die den Zuhörer mit voller Wucht trifft. Im stillen Kämmerlein darf man dazu durchaus auch mal zwei bis drei Tränchen verdrücken. Die Hoffnungslosigkeit kommt mit dem sehr feinen instrumentierten „Nothing Can Be Changed“ zu einem tragischen Ende. Der gute William singt dazu engelsgleich und selbst der leichte Pathosanflug fällt nicht negativ auf.

 

„People Change Their Minds“ ist das vielleicht schönste Musikstück des Jahres. Kammermusik mit Cello und Gitarre - angereichert mit ein paar feinen Klaviermotiven - rühren einen da ja schon zu Tränen. So schön. So traurig. Das ist natürlich noch nichts gegen „Hear Your Heart“ - zumindest wenn man die Geschichte hinter den Songs kennt. „A Part“ baut danach dann erstmals so richtig auf ein paar Akkorde und somit kriegt „Volume 2“ an dieser Stelle ein wenig Drive verliehen. „Charleroi“ setzt wieder auf Fingerpicking und baut das Thema musikalisch wieder sehr eindrucksvoll, aber auch behutsam auf.

 

Fazit: William Fitzsimmons hat mit den beiden Mini-Alben „Pittsburgh“ und „Charleroi: Pittsburgh Volume 2“ berührende, schöne und traurige Songs aufgenommen. Der zweite Teil widmet sich sehr behutsam der tragischen Seite seiner Familiengeschichte: Seine Großmutter Thelma und sein Vater hatten leider nicht mehr die Chance sich kennenzulernen.

 

http://williamfitzsimmons.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

William Fitzsimmons: Pittsburgh

William Fitzsimmons: Pittsburgh

Grönland/Rough Trade

VÖ: 15.05.2015

 

Wertung: 12/12

Tipp!

 

Wie oft hat schon so mancher Künstler verlauten lassen, dass die Geschichte seiner Songs rein fiktiv sind? William Fitzsimmons wählt meistens einen ganz anderen Ansatz. In seinen Songs verarbeitet er ganz persönliche Erinnerungen und Geschehnisse aus seinem Leben. Ein neues Album von dem bärtigen Schrat mit dem großen Herzen steht quasi in den Startlöchern, doch vorab veröffentlicht er noch zwei Minialben. Den Anfang macht nun „Pittsburgh“, abermals ein Album über ganz persönliche Erfahrungen.

 

Pittsburgh, Pennsylvania ist natürlich ein Begriff. Dort wurde die Großmutter von Fitzsimmons geboren und wuchs eben da auf. Seine Großmutter war es auch, die ihn über seine Mutter zur Musik brachte. Ihr Name war Virgina. Sie starb am 15. Oktober 2014. Fitzsimmons kehrte für drei Tage nach Hause zurück. Auf diese drei Tage beziehen sich nun diese sieben Songs. Der Titelsong „Pittsburgh“ gehört wahrscheinlich zum Schönsten und Liebevollsten, was man dieses Jahr unter Singer/Songwriter verbuchen kann. Dies kann eigentlich nur von Fitzsimmons selbst übertroffen werden. Das Fingerpicking, die Licks und die dezenten E-Gitarren-Elemente von „Beacon“ sind mindestens ebenbürtig. Und dann der Text, da kann man schon mal ein Tränchen verdrücken.

 

„I Had To Carry Her (Virginias Song)“ ist traurig und zärtlich zugleich. Wie er sich da entschuldigt, dass er seit Jahren nicht mehr zuhause war, weil er so beschäftigt war, erzeugt im Zusammenspiel mit der Musik eine ganz besondere Atmosphäre. Die weibliche Unterstützung bei „Falling On My Sword“ gibt diesem sakralen Stück eine noch berührendere Aura als es sowieso schon hat. „Matter“ ist der erste Track, der etwas forscher wirkt. Natürlich ist das immer noch William Fitzsimmons und somit ist auch das nicht unter Rock zu verbuchen. Das Kleinod „Ghosts Of Penn Hills“ beendet dieses Minialbum kongenial.

 

Fazit: „Pittsburgh“ ist ein tolles Minialbum. Ein berührendes Werk. Es gibt nicht so viele Platten über die Großmütter dieser Welt. Die Geschichten sind traurig und gleichzeitig wunderschön. Die behutsame Instrumentierung sitzt auf den Punkt genau. Manchmal sind es einfach die traurigen Anlässen, die einen Künstler zu einem Meisterwerk herausfordern. Virginia lebt durch diese Musik weiter. Ein schöneres Denkmal kann ein Enkel einer Oma eigentlich nicht setzen!

 

http://williamfitzsimmons.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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William Fitzsimmons: Lions

William Fitzsimmons: Lions

Grönland/Rough Trade

VÖ: 14.02.2014

 

Wertung: 8/12

 

William Fitzsimmons zählte einst zu der hoffnungsvollen Generation der neuen Singer/Songwriter. Das Genre erlebte ja nicht von ungefähr eine Art Renaissance. Manche Musikhörer sehnten sich förmlich nach ehrlicher und authentischer Musik und hatten den ganzen Plastikmüll satt. Fitzsimmons ist aber nicht nur ein schnöder Songlieferant, nein, bei ihm geht es auch immer in die Tiefe. Vielleicht liegt es an seiner besonderen Geschichte, denn als Sohn zweier blinder Eltern spielten Töne, Klänge und Musik immer eine ganz besondere Rolle. Die letzten Jahre wurde es aber merklich ruhiger um den Mann mit dem Rauschebart. Sein letztes Album hat da schon ein bisschen Staub angesetzt und gut und gerne auch schon vier Jahre auf dem Buckel. Jetzt folgt mit „Lions“ endlich ein neues Lebenszeichen.

 

Man müsste mal eine Umfrage machen, wie es sein kann, dass man die Musik von William Fitzsimmons nicht wunderschön findet! Kann doch eigentlich nicht sein. „Lions“ geht unter die Haut. Nicht alles, aber wenn, dann so richtig. Die Songs treffen einen mit ihrer Trauer mit voller Wucht und zwar ganz tief im Inneren. Das kann auch mal eine schmerzhafte Erfahrung sein. Man möchte weinen. „Lions“ ist aber auch ein ganz kleines Stück fröhlicher ausgefallen. Der Hoffnungsschimmer am Horizont ist da nicht weit. Der Mann hat sich ein Stück geöffnet und lässt jetzt auch eine positive Grundstimmung zu. Eine Stimmungskanone ist er natürlich noch nicht.

 

Seine Songs sind mit feinstem Fingerpicking durchzogen und neben der Gitarre ist das Piano das Instrument, welches die Atmosphäre der Songs bestimmt. Atmosphäre ist dann auch die Antriebsfeder von „Lions“ und Produzent und Mitmusiker Chris Walla – hauptberuflich bei Death Cab For Cutie – hat den Songs dafür sehr viel Raum gelassen. Kurioserweise krankt das Album dann auch genau daran. Gerade zum Schluss kann man „From You“, „Sister“, „Lions“ und „Speak“ kaum noch unterscheiden. Da fehlt es an der einen oder anderen zündenden Idee und dann versinkt dieses Album im schönsten Wohlklang ohne irgendeinen Akzent zu setzen.

 

Akzente gibt es in der ersten Hälfte dafür jede Menge. Dezent versteckt zwar, aber dafür umso nachhaltiger. Nach dem schönen Auftakt mit „Well Enough“, ist es das berührende „Josie´s Song“, welches mit einer gar ganz wundervollen Instrumentierung zu gefallen weiß. Der Gesang kommt dazu fast gehaucht ganz langsam angekrochen, erwischt den Zuhörer dafür aber umso mehr. „Brandon“ ist für William Fitzsimmons Verhältnisse ja fast schon tanzbar. „Took“ hat sogar noch ein paar Spielereien mit an Bord, die man von dem Mann gar nicht kennt. Drum Machines, Loops und Synthesizers gehen bei „Lions“ wohl auf das Konto von Walla. „Fortune“ fährt dabei noch ein paar Popelemente auf und „Blood/Chest“ ist einfach ein wundervolles Duett mit Rosie Thomas. Die Vocals von Thomas wurden übrigens von Sufjan Stevens aufgenommen! Dazu wird noch ein dezentes Violinenspiel gereicht und fertig ist der perfekte Song!

 

Fazit: „Lions“ ist ein weiterer Beleg dafür, dass William Fitzsimmons ein Großer seiner Zunft ist. Ein Trauerkloß ist er auch nicht mehr und in seine Musik hat teilweise eine luftig und leichte, fast schon fröhliche Grundnote Einzug gehalten. Nein, eine Partyplatte ist das sicher nicht, aber eben ein schönes Singer/Songwriteralbum mit einigen Popanleihen und Spielereien, die man von ihm bisher noch nicht kannte. Schade, dass im hinteren Drittel die Luft etwas dünn wird und er in alte Muster zurückfällt, denn das nimmt „Lions“ insgesamt etwas von seinem Zauber.

 

http://www.williamfitzsimmons.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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