Wilko Johnson: Blow Your Mind

Wilko Johnson: Blow Your Mind

Universal

VÖ: 15.06.2018

 

Wertung: 7,5/12

 

Wilko Johnson war in den Anfängen von Dr. Feelgood für die sechs Saiten zuständig. Vier Alben spielte er mit der Band ein, bevor das Wechselkarussell sich bei den Briten immer schneller drehte. Bei Dr. Feelgood zeichnete es sich aber auch schon ab, dass der Mann mit seiner Stimme die Leute begeistern konnte. Vor sechs Jahren wurde bei Johnson Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert. Es gleicht einem mittelgroßen Wunder, dass er zusammen mit Roger Daltrey „Going Back Home“ aufnehmen konnte und jetzt mit „Blow Your Mind“ mit dem ersten Album mit neuen Songs seit 30(!) Jahren es noch mal wissen will. Johnson selber fasst es lakonisch zusammen „Ich sollte eigentlich tot sein“. Mittlerweile gilt er als geheilt.

 

Wer jetzt denkt, dass „Blow Your Mind“ das Werk eines alten Mannes wäre, welcher sich da allzu rührselig präsentiert, wird ganz schwer staunen. Es liegt natürlich auf der Hand, dass er seine Krankheit mit und durch diese Songs verarbeitet. Trotzdem ist das jetzt keine Zurschaustellung seiner schweren Zeit und er jammert auch nicht. Sentimentalitäten haben da keinen Platz. Das geht auch nicht, denn dafür ist der Blues, den Johnson zusammen mit Norman Watt Roy am Bass und Dylan Howe am Schlagzeug darbietet, viel zu forsch, rotzig und scheppernd.

 

„Blow Your Mind“ wird sicher keine neue Fans anlocken. Die Songs dürften sich ausschließlich an ältere Zeitgenossen mit einem großen Hang zum Pubrock richten. Musik, die völlig aus der Zeit gefallen ist. Und wenn es dann doch mal etwas ruhiger zur Sache geht, dann wie mit dem entspannten Instrumentalstück „Lament“. Die Mundharmonika lässt dabei so manchen Spieler, der das als seine Kernkompetenz erachtet, blass aussehen. Ansonsten rocken und stampfen sich die Musiker durch die Titel. Das fängt mit dem bluesigen „Beauty“ an und hört mit „Marijuana“ - übrigens ein Song über seine Krankheit – noch lange nicht auf. Die Bluesmaschine wurde gut geölt und es rumpelt frisch aus den Sümpfen zum Hörer rüber.

 

Tanzbar ist das auch noch, wie mit „Tell Me One More Thing“. Wilko Johnson nimmt der schweren Thematik durch die Leichtigkeit der Musik auch etwas die Schwere. „That´s The Way I Lov You“ schwenkt dann sogar zum gut gelaunten Rock and Roll rüber. Das steckt knietief in den 60ern und 70ern fest. Das ist übrigens ein Kompliment. Wäre ja auch seltsam, wenn der Mann mit modernen Techniken arbeiten würde. „Low Down“ ist eine Art Spoken Word-Performance, natürlich mit Musik unterlegt. „Take It Easy“ oder „I Love The Way You Do“ ringen den Musikern jetzt aber auch keine neuen Facetten mehr ab. Da bringt selbst die Orgel bei „It Don´t Have To Give You The Blues“ keinen frischen Wind mehr rein. „Say Goodbye“ lässt mit seinem Stolper-Blues noch mal aufhorchen, aber das weitere Instrumentalstück zum Schluss hätte nicht sein müssen. „Slamming“ hört sich nämlich wie aufgewärmter Rock and Roll an, der noch mal aufgewärmt wurde.

 

Fazit: „Blow Your Mind“ ist ein Album eines Mannes, der es noch mal wissen will. Nach schwerer Krankheit lässt er es noch mal krachen. Zwischen Blues und Rock and Roll der alten Schule rumpelt es da rotzig und trotzig. Das Album ist vielleicht um die berühmten zwei bis drei Songs zu lang ausgefallen, aber letztlich ist das sicherlich nicht tragisch, denn Wilko Johnson hat da ein sehr authentisches Werk aufgenommen. Das hebt die Musikwelt jetzt nicht aus den Angeln und wird nicht mehr als eine kleine Randnotiz bleiben, aber wer die Songs hört, wird diese mitunter schnell schätzen lernen.

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch