Various Artists: Christmas With The Stars And The Royal Philharmonic Orchestra

Various Artists: Christmas With The Stars And The Royal Philharmonic Orchestra

Legacy/Sony

VÖ: 29.11.2019

 

Wertung: 7/12

 

Es ist wieder die Jahreszeit angebrochen, in der im Musikgeschäft noch mal ordentlich Kasse gemacht wird. Manchmal auch mit so mancher zweifelhaften Veröffentlichung. Jetzt werden auch wieder jede Menge Sampler mit den großen Weihnachtsklassikern herausgebracht. Darunter fällt auch die vorliegende Veröffentlichung: „Christmas With The Stars And The Royal Philharmonic Orchestra“. Man hat einfach die wirklich großen amerikanischen Klassiker genommen und unter der Leitung von Steve Sidwell vom Royal Philharmonic Orchestra neu interpretieren lassen.

 

Die Aufmachung ist, wie bei solchen Geschichten üblich, eher schlicht. Das wurde schnell zusammengezimmert. So schnell, dass man nicht mal gemerkt hat, dass die Trackliste auf dem Backcover und im Booklet überhaupt nicht stimmt. Die Songreihenfolge auf der CD ist nämlich eine gänzlich andere. Das ist schon sehr ärgerlich. Das Royal Philharmonic Orchestra macht einen guten Job, keine Frage, aber durch die Schlamperei wird man natürlich den Eindruck nicht los, dass man nicht sonderlich viel Liebe zum Detail in diese Veröffentlichung gesteckt hat.

 

Die Songs kennt man natürlich allesamt und die verschönern einem tatsächlich die Weihnachtszeit. Los geht es mit Elvis und „Blue Christmas“. Lt. Trackliste sollte der Song übrigens erst als neuntes Stück kommen. Mit „Have Yourself A Merry Little Christmas“ gibt es den wundervollen Klassiker von Tony Bennett zu hören. Unnötig zu erwähnen, dass auch diese Nummer an der falschen Stelle steht. Die wundervolle Doris Day ist mit „I´ll Be Home For Christmas“ und „Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow!“ auf diesem Sampler verewigt. „Santa Baby“ von Eartha Kitt darf natürlich ebenso wenig fehlen, wie „White Christmas“ von Dean Martin.

 

Fazit: Ob man die Songs auf diesem Sampler nun vom Royal Philharmonic Orchestra interpretiert braucht, sei mal dahingestellt. Es weihnachtet sehr und da dürfen diese Klassiker ja nicht fehlen. Das Orchester macht einen guten Job, die Songs und Künstler sind sowieso herausragend, die Aufmachung ist allerdings eine Frechheit. Nicht mehr und nicht weniger. Die Musik ist jedenfalls über jeden Zweifel erhaben!

 

Text: Torsten Schlimbach

Various Artists: Die 100 Besten Ostsongs (6 CDs)

Various Artists: Die 100 Besten Ostsongs (6 CDs)

Amiga

VÖ: 15.11.2019

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Der Sender radioeins ist ja für sein ganz exquisites Programm bekannt. Musikliebhaber kommen hier immer voll und ganz auf ihre Kosten. Am 14.04.2019 war wieder einer dieser Tage, die dem geneigten Hörer ein ganz besonderes Programm kredenzten. Gespielt wurden die Top 100 der größten Ost-Songs. Jetzt kann man natürlich darüber streiten, wie man denn zu dieser Auswahl kommen kann. Das hat allerdings nicht der Sender einfach mal eben so entschieden, sondern eine Fachjury zur Titelauswal herangezogen. Die Auswahl der Jury war insgesamt mit 115 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Musik, Funk und Presse prominent besetzt. Man könnte durchaus davon sprechen, dass die Auswahl repräsentativ ist.

 

Die Show dauerte 10 Stunden und lief von 9 Uhr bis 19 Uhr. Das Feedback und die Resonanz waren überwältigend. Viele Hörer fragten, ob man das denn nicht offiziell veröffentlichen könne. So einfach ist das ja nicht, aber das Label AMIGA ermöglicht diesen Wunsch jetzt in Kooperation mit radioeins das alles in einer Box zu veröffentlichen. Sechs CDs und ein 64-seitiges Booklet werden nun als „Die 100 Besten Ostsongs“ veröffentlicht.

 

Die Aufmachung ist sehr gelungen. Die Box lässt sich wunderbar ausklappen und dann hat man auch alle sechs CDs auf einen Blick vor sich. Besonders hervorzuheben ist hier das Booklet. Zum jeweiligen Song sind persönliche Geschichten der Juroren abgedruckt. Selbstverständlich gibt es auch viele Bilder der Künstler und natürlich wird auch die Trackliste abgebildet. Haptisch ist das schon eine ganz feine Sache!

 

Verteilt über sechs CDs gibt es einen bunten Songreigen. Natürlich findet man hier die bekannten Songs und Hits, aber auch genug Obskures und Rares. „Du Hast Den Farbfilm Vergessen“ von Nina Hagen sollte man sicher kennen. „Über Sieben Brücken Muss Du Gehen“ gehört ja sowieso zum deutschen Kulturgut. Unvergessen ist die Interpretation von Peter Maffay, aber natürlich ist die Version von Karat die einzig wahre Umsetzung. Silly ist gleich mehrfach vertreten. Überraschend, und das auch überraschend gut, sind jene Nummern, die man nicht so auf dem Schirm hat. Darunter fällt sicherlich „Als Ich Fortging“ von Karussell oder das rotzige und punkige „Born In The GDR“ von Sandow. Stark ist das.

 

Wer mal hören möchte, wo Rammstein seine Wurzeln hat und was die Vorgängerband so bewerkstelligt hat, kann das beispielsweise mit dem Totalabriss „Artig“ von Feeling B tun. Selbstverständlich sind die Puhdys gleich mehrfach vertreten. „Geh Zu Ihr“ oder „Ikarus“ kennt man vermutlich auch im Westen. Und dann gibt es immer wieder Entdeckungen, wie die Horst Krüger-Band mit „Die Tagesreise“.

 

„City“ hat auch hervorragende Beiträge geliefert. „Der King Vom Prenzlauer Berg“ ist großartig und „Am Fenster“ zählt gar zu den Sternstunden. Unvergessen natürlich auch Manfred Krug mit „Wenn´s Draussen Grün Wird“. Das groovt, das verbreitet gute Laune und ist musikalisch tatsächlich ganz großes Kino. Keimzeit mit „Kling Klang“ erinnern ein bisschen an Tone Steiner Scherben. Man könnte im Grunde über jeden hier enthaltenen Song eine eigene Abhandlung schreiben.

 

Der Jazz von Manfred Krug und „Sonntag“ steht neben dem NDW Punk „Rock `n´ Roll Im Stadtpark“ von Pankow oder dem epischen und sakralen Prog von Electra mit „Tritt Ein IN Den Dom“. Feeling B reißen mit „Ich Such Die DDR“ oder „Tschaka“ alles nieder. So muss Punkrock sein. Die Themen mancher Songs sind politisch oder gesellschaftlich durchaus immer noch relevant oder schwere Kost. „Schlüsselkind“ von No 55 ist eigentlich eine bestürzende Bestandsaufnahme. „Albatros“ von Karat ist musikalisch und textlich herausragend.

 

„Moll-Blues“ von Engerling klingt übrigens wie der junge Clapton. Man hat hier einfach jede Menge Gelegenheit Neues zu entdecken. Wer noch nie etwas von Renft, Schleim-Keim, Berluc oder Freygang gehört hat, kriegt mit diesem Set die Möglichkeit dazu. Und warum „Das Schiff“ von Die Art keine Hymne geworden ist, fragt man sich dann doch. Die Nummer hätte das Zeug dazu gehabt. Von Pankow über Reinhard Lakomy bis zu Gerhard Gundermann ist es hier immer nur ein Katzensprung.

 

Fazit: „Die 100 Besten Ostsongs“ sind eine richtig tolle Musiksammlung, die in keinem deutschen Haushalt fehlen sollte. Das Set bildet zudem ungemein und erweitert den musikalische Horizont. Es gibt so unglaublich viel zu entdecken. Deutschsprachige Musik ist ja wieder schwer angesagt, aber was heutzutage im Radio läuft ist kompletter Mist und kann nicht mal im Ansatz an diese tollen Songs hier anknüpfen! Chapeau und Hut ab!

 

https://www.radioeins.de/musik/die-100-besten-2019/ostsongs/ostsongs--die-top-100.html

 

Text: Torsten Schlimbach

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