Tom Gaebel: Perfect Day

Tom Gaebel: Perfect Day

Tomofon Records

VÖ: 28.09.2018

 

Wertung: 8/12

 

Tom Gaebel meldet sich zurück. „Perfect Day“ ist mittlerweile schon das achte Studioalbum von Dr. Swing. Der Mann ist bekanntlich ja nicht nur ein begnadeter Crooner, sondern auch ein Multiinstrumentalist. Er spielt immerhin Violine, Schlagzeug, Posaune und Geige. Letztgenanntes Instrument drückten ihm einen Tages seine Eltern in die Hand und das darf man wohl auch Initialzündung verstehen. Seine ganz besondere Art des Gesangs kommt auch nicht von ungefähr und somit ist es wenig überraschend, dass der in Amsterdam Jazzgesang studiert hat. Tom Gaebel hat sein musikalische Handwerk gelernt und das ist mitunter auch ein Grund dafür, dass er so perfektionistisch veranlagt ist. Bei „Perfect Day“ wurde er aber immer wieder von Tom Sorg gebremst, der ihm dann auch mal sagte, dass er die Gesangsspur nicht zum x-ten Mal neu einsingen müsse.

 

„Perfect Day“ ist ein Album der Gegensätze. Auf der einen Seite sind da die unglaublich mitreißenden Songs, die einen durch den Raum tanzen lassen und dann wären da noch die nachdenklichen Nummern, denen man lieber bei einem Glas Rotwein zuhört. Im Gegensatz zu vielen Genre Kollegen ist Tom Gaebel ja immer mit dem nötigen Ernst bei der Sache, verliert aber zu keiner Zeit seine Leichtigkeit. Dies kann selbstverständlich auch in einen dramatischen und bombastischen Song wie „Taking Back My Crown“ münden.

 

Mit dem luftigen Bigband-Sound von „Feels Like Home“ geht es sanft in das Album hinein. Das swingt, hat aber auch Easy Listening-Elemente zu bieten und gefällt auch der Schwiegermutti. „Someone Else“ ist zwar auch lässig und fluffig, hat aber diesen melancholischen Unterton, der perfekt zur Herbststimmung passt. Der opulente Refrain passt formidabel zu den buntgefärbten Bäumen. „Eye Of The Tiger“ aus den Rocky-Filmen kriegt durch das Swinggewand einen ganz neuen Ansatz – ohne dabei den Vibe des Originals zu verfälschen. „The Best Things In Life Are Free“ atmet den Geist der 60er aus. „Back On The Road“ ist mir zu viel Kirmesmusik – aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache. Ich mag die Musik von Tom Gaebel immer dann, wenn er die ganzen Taschenspielertricks vor der Tür lässt. Das Liebeslied „Like Before“ ist beispielsweise einfach nur ein schönes, melancholisches Lied. „What About Love“ klingt eher wie gewollt und nicht gekonnt. Das liegt aber weniger an Gaebel, denn an seiner Begleitband The Baseballs. Der Versuch authentisch zu sein, scheitert da eher auf ganzer Linie. The BossHoss ist da auch nicht mehr weit entfernt.

 

Besser stehen Gaebel jene Moment zu Gesicht, die an sein großes Vorbild Frank Sinatra angelehnt sind, wie beispielsweise „The Nearness Of You“. Das passt ganz sicher auch perfekt zur Vorweihnachtszeit. „Why Can´t You And I Add Up“ wird dem einen oder anderen Zuhörer sicher bekannt vorkommen. Die Musik von Kaempfert hat man ja auch wahrlich schon oft gehört. Jetzt gibt es auch noch einen Text dazu. Gaebel erhielt von Kaempferts Enkelin die Erlaubnis dazu. Schönes Teil. „You Make Me Feel“ bringt hingegen wieder die Sommerstimmung zurück und hat ein südamerikanisches Flair zu bieten. „Wake Up“ zeigt, dass Gaebel wirklich ein ganz großes Verständnis für den Swing und den Big Band-Sound hat. Mit „Can´t Take My Eyes Off You“ gibt es dann eine Huldigung der besonderen Art. Er hält sich dabei aber weitestgehend an das Original.

 

Fazit: „Perfect Day“ schafft genau denrichtigen Ton zwischen ausgelassener und nachdenklicher Stimmung. Lässig, aber auch mal mit einer Schwere - sofern es dem jeweiligen Song zuträglich ist - kommt das beim Hörer an. Das Album passt zudem perfekt zur Jahreszeit und wird auch den nahenden Winter bereichern. Ein gutes, gar schönes Album!

 

https://www.tomgaebel.de/

 

Text: Torsten Schlimbach

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