The Walkabouts: Travels In The Dustland

The Walkabouts: Travels In The Dustland

Glitterhouse/Indigo

VÖ: 21.10.2011

 

Wertung: 9/12

 

Manchmal muss eine Zäsur sein. Man muss sich neu ordnen, sortieren und gucken, was noch geht. Geht überhaupt noch was? Diese Frage dürften sich auch die Fans von The Walkabouts gestellt haben. War vielleicht das letzte Album „Acetylene“ schon das letzte Vermächtnis der Band? Immerhin zeigte dies The Walkabouts von einer ungekannten harten Seite und sechs Jahre hat es auch schon auf dem Buckel. Dies ist im Musikgeschäft eine unglaublich lange Zeit. Auf der anderen Seite ist die Band auch schon derart lange dabei, dass man immer mit allem rechnen muss. Auch mit einem neuen Album. Jetzt ganz ruhig durchatmen, denn mit „Travels In The Dustland“ melden sich The Walkabouts nun eindrucksvoll zurück!

 

Chris Eckman, der Kopf der Band, wollte warten, bis genug Ideen zusammen waren. Ein neues Album sollte nicht nur aus einem Zwang heraus entstehen, sondern, wenn man wirklich etwas zu sagen hat und eine ganze Platte gerechtfertigt ist. „Travels In The Dustland“ erfüllt diese Vorgaben in jeglicher Hinsicht. Auch die Konstellation der Band ist nun eine andere. Durch das Mitwirken von Paul Austin ist diese zu einem Sextett erweitert worden. Inspiration von außen kann ja nie schaden, oder? Austin brachte eigene Ideen ein und ganz besonders bei den Arrangements konnte er sich verwirklichen.

 

„Travels In The Dustland“ ist ein Sammelsurium aus Sounds, Grooves, Melodien und liebevollen Arrangements. Mit „Every River Will Burn“ haben sie es sogar geschafft im Jahre 2011 eine Indiehymne zu schreiben, die eigentlich das genaue Gegenteil einer Hymne ist. Trotzdem haftet dem Song ein bisschen Pearl Jam Flair an. Gerade das ausufernde Gitarrenspiel und der breit angelegte Chor zum Ende hin erinnern an die Grunge-Urgesteine. Das Album lebt natürlich auch von den zwei unterschiedlichen Stimmen. Während Carla Torgerson immer etwas Mystisches anhaftet, kommt Chris Eckman wie eine rockigere Version eines Tom Waits daher. Das rockige „No Rhyme, No Reason“ oder das bluesige „The Dustlands“ sind Paradebeispiele in dieser Hinsicht. The Walkabouts schaffen es wie kaum eine andere Band, ihren Songs immer auch etwas geheimnisvolles zu verleihen. Das ist für den Zuhörer wie ein Sog, man verliert sich fast in diesem Album. Das ist schon bei den ersten Tönen von „My Diviner“ so und endet erst mit dem episch ausufernden „Horizon Fade“, welches in traurigen - ja was eigentlich? - Folk-Gefilden wandert.

 

Es lohnt sich sowieso immer mal die Lauscher genauer aufzustellen. Denn oberflächlich betrachtet ist „Soul Thief“ wenig spektakulär, wenn dann aber die Orgel so richtig angeschmissen wird, dann öffnen sich ganz neue Türen. Zudem nimmt die Nummer immer mehr die Abbiegung Richtung Rockautobahn, was man so zunächst nicht mitbekommt. Und dann wären da die herzzerreißenden Balladen. Wobei Balladen im eigentlichen Sinne sind es ja nicht. „They Are Not Like Us“ ist von einer tiefen Melancholie durchzogen, die schon ans Eingemachte geht. Die musikalische Umsetzung verfolgt auf die Distanz der gesamten Platte sowieso immer einem roten Faden. „Thin Of The Air“ passt sich da musikalisch an und ist gleichzeitig doch wieder anders. The Walkabouts haben eben einen ganz eigenen Stil.

 

Fazit: The Walkabouts haben sich mit einem neuen Album sehr viel Zeit gelassen. Oder besser gesagt, sie haben sich ganz viel Zeit genommen. Das hat „Travels In The Dustland“ ungemein gut getan. Die Platte ist langsamer wie das letzte Album. Trotzdem ist das Indierock der Güteklasse A. Sie bauen hier eine ganz spezielle Atmosphäre auf und sehr viel Liebe zum Detail steckt in den Songs. Die Tracks ziehen einen in einen Sog und lassen einen so schnell nicht mehr los! Ein Fest für Freunde es gepflegten Indiewohlklangs!

 

http://www.thewalkabouts.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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