The Magpie Salute: High Water I

The Magpie Salute: High Water I

Mascot Label Group

VÖ: 10.08.2018

 

Wertung: 9/12

 

Die Musikgeschichte hat immer wieder gezeigt, dass selbst das größte zerschlagene Porzellan wieder zusammengeflickt werden kann. Gitarrist Rich Robinson hat sich für ein besonderes Projekt wieder mit mit Gitarrist Marc Ford und Bassist Sven Pipien seiner ehemaligen Band The Black Crowes ausgesöhnt. Als The Magpie Salute sorgte das Trio live mit sieben weiteren Mitstreitern für Begeisterungsstürme. Ein Livealbum wurde veröffentlicht und so konnte man zumindest aus der Konserve etwas von den energiegeladenen Shows spüren. Es sollte aber nicht nur bei den Konzerten bleiben, denn Robinson schwebte auch ein Studioalbum vor. Keyboarder Matt Slocum und Schlagzeuger Joe Magistro, sowie Sänger John Hogg vervollständigten das Line-up von The Magpie Salute.

 

Zehn Leute waren für die Konzerte ganz gut, aber im Studio kristallisierte sich schnell heraus, dass das zu eskalierend sein würde. Sechs Musiker tun es dann auch. Im Dark Horse Studio in Nashville fokussierte man sich auf die wesentliche Dinge, die nun in „High Water I“ ihren vorläufigen Höhepunkt finden sollten. Für nächstes Jahr ist übrigens schon Teil 2 angedacht.

 

Wer mit den Black Crowes etwas anfangen kann, wird auch mit dem vorliegenden Werk ganz viel Spaß haben. Wie nicht anders bei Robinson zu erwarten, hört sich das alles wie aus der Zeit gefallen an. Und das ist so unfassbar schön. Kein Fastfood. Nicht die immer gleichen Geschmacksverstärker, einfach gut abgehangene Musik von Leuten, die ihr Handwerk – sprich ihre Instrumente – verstehen und beherrschen. Rock and Roll, psychedelischer Rock, Blues und Folk mit Americanaeinschlag gibt es da in Formvollendung auf die Ohren.

 

„Sister Moon“ mag beispielsweise zunächst unspektakulär anmuten, die Ballade abseits jeglichen Kitschs hat aber eine ganz feine Gitarrenarbeit zu bieten. Das Schwelgerische steht der Band zudem sehr gut. „Color Blind“ holt dann noch die gute Seite der Lagerfeuerromantik dazu. So geht das mit dem Folk im Jahre 2018. Mit dem straighten Rocker „Mary The Gypsy“ wird das Album standesgemäß eröffnet. Die 70er leben wieder auf! Das verschwurbelte „High Water“ mit seinem bluesigen Unterbau ist psychedelischer Rock zwischen den Beatles, Blind Melon und Jane's Addiction. „Send Me An Ocean“ erinnert sogar ein bisschen an Led Zeppelin. Und selbst, wenn die Kapelle sich nur auf den guten, alten Rock verlässt, haut das – wie mit „For The Wind“ - komplett hin.

 

Bei „Take It All“ wähnt man sich in einer schummrigen Spelunke. Groove hat die Band auch im Übermaß. Mit „Walk On Water“ landet man direkt wieder in der psychedelischen Ecke, nur um danach mit „Hand In Hand“ ein Westernstück mit Saloon-Klavier von der Leine zu lassen. Ein bisschen Tom Petty gefällig? Bitteschön: „You Found Me“ würde auch dem Meister gefallen. „Can You See“ gefällt mir einem tollen Aufbau und zum Schluss gibt es mit „Open Up“ noch mal ein Stück, welches sich langsam zwischen Blues und Rock dahinschleppt. Ein würdiges Ende.

 

Fazit: „High Water I“ von The Magpie Salute ist ein sehr schönes Album der alten Schule geworden. Rock, Blues, Folk, Psychedelica und Americana – wie aus den 70ern. Handwerklich ist das super umgesetzt worden, aber auch das Songwriting ist sehr stimmig. Wer auf ehrliche, authentische Musik steht, kriegt mit diesem Werk hier die Vollbedienung geboten. Man darf sich schon jetzt auf die zweite Runde freuen!

 

www.themagpiesalute.com

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch