The Magpie Salute: High Water II

The Magpie Salute: High Water II

Provogue/Mascot Label Group/Rough Trade

VÖ: 18.10.2019

 

Wertung: 7,5/12

 

The Magpie Salute werden als große Hoffnung für den Rock and Roll gehandelt. Zumindest gilt das für Menschen, die mindestens 4 Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Mit „High Water I“ setzte die Band 2018 schon mal ein dickes Ausrufezeichen. Jetzt folgt mit „High Water II“ schon das nächste Album. Wie man anhand des Titels unschwer erkennen kann, handelt es sich hier um eine Art Schwerstalbum. Die Tracks entstanden ja teilweise auch zusammen. Allerdings gibt es mit „Gimme Somehting“, „Leave It All Behind“ und „Life Is A Landslide“ auch drei Stücke zu hören, die erst nach dem Ende der Tour 2018 entstanden und in den englischen Rockfield Studios aufgenommen wurden.

 

„High Water II“ ist sicherlich kein schlechtes Album, kann mit dem Debüt aber leider keineswegs mithalten. Dies liegt nicht am handwerklichen Können, denn das ist ja nun wirklich über jeden Zweifel erhaben. Das Songwriting ist teilweise aber recht einfallslos. Es breitet sich mitunter auch schon mal die große Langeweile aus. Und wenn das nicht der Fall ist, dann hört sich das bisweilen wie ein längst bekannter Song an. Nein, gemeint sind keine Inspirationsquellen, sondern Teile aus anderen Tracks.

 

Mit „Sooner Or Later“ gibt es zu Beginn ein amtliches Brett auf die Ohren. Das rockt, das knallt, das macht Laune. Das erdige Schlagzeug bei „Gimme Something“ gibt die 70er-Jahre Rockrichtung vor. Die Finger flitzen nicht nur über die Saiten, sondern auch die Tasten. Mit „Leave It All Behind“ gibt es gleich den nächsten Songs in ähnlichem Fahrwasser.

 

Entspannter wird es mit dem Midtempo-Track „In Here“, der verdammt nach den Stones klingt. „You And I“ spielt die amerikanische Rockmusik der 70er noch mal komplett durch. „Mother Storm“ ist größtenteils ein Akustikstück, allerdings ohne sich nachhaltig einzubrennen. Da kommt das fluffige „A Mirror“ schon besser. „Lost Boy“ wurde kompositorisch komplett bei Tom Petty zusammengesucht. „Turn It Around“ ist danach wieder eine Rocknummer, die aber auch ein Blender ist. Da bleibt nämlich letztlich – außer Krach – nicht mehr viel übrig. Das lässige „Life Is A Landslide“ kommt da etwas besser.

 

Wie gut die Band eigentlich sein könnte, zeigt sich bei „Doesn´t Really Matter“. Intuitiver Gesang, Blues Rock, Psychedelica und ein sensationeller Groove – besser geht es nicht! Das entspannte „Where Is The Place“ lässt „High Water II“ gemächlich, aber auch verdammt gut dem Sonnenuntergang entgegenreiten.

 

Fazit: „High Water II“ ist kein schlechtes Album, kommt aber an das Debüt nicht heran, was mitunter an dem eher langweiligen Songwriting liegt. Hin und wieder blitzt aber auch hier das Können auf. The Magpie Salute unterstreichen abermals, dass ihr Herz der handgemachten Rockmusik gehört und das alleine ist verdammt gut, weil so selten geworden!

 

http://themagpiesalute.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The Magpie Salute: High Water I

The Magpie Salute: High Water I

Mascot Label Group

VÖ: 10.08.2018

 

Wertung: 9/12

 

Die Musikgeschichte hat immer wieder gezeigt, dass selbst das größte zerschlagene Porzellan wieder zusammengeflickt werden kann. Gitarrist Rich Robinson hat sich für ein besonderes Projekt wieder mit mit Gitarrist Marc Ford und Bassist Sven Pipien seiner ehemaligen Band The Black Crowes ausgesöhnt. Als The Magpie Salute sorgte das Trio live mit sieben weiteren Mitstreitern für Begeisterungsstürme. Ein Livealbum wurde veröffentlicht und so konnte man zumindest aus der Konserve etwas von den energiegeladenen Shows spüren. Es sollte aber nicht nur bei den Konzerten bleiben, denn Robinson schwebte auch ein Studioalbum vor. Keyboarder Matt Slocum und Schlagzeuger Joe Magistro, sowie Sänger John Hogg vervollständigten das Line-up von The Magpie Salute.

 

Zehn Leute waren für die Konzerte ganz gut, aber im Studio kristallisierte sich schnell heraus, dass das zu eskalierend sein würde. Sechs Musiker tun es dann auch. Im Dark Horse Studio in Nashville fokussierte man sich auf die wesentliche Dinge, die nun in „High Water I“ ihren vorläufigen Höhepunkt finden sollten. Für nächstes Jahr ist übrigens schon Teil 2 angedacht.

 

Wer mit den Black Crowes etwas anfangen kann, wird auch mit dem vorliegenden Werk ganz viel Spaß haben. Wie nicht anders bei Robinson zu erwarten, hört sich das alles wie aus der Zeit gefallen an. Und das ist so unfassbar schön. Kein Fastfood. Nicht die immer gleichen Geschmacksverstärker, einfach gut abgehangene Musik von Leuten, die ihr Handwerk – sprich ihre Instrumente – verstehen und beherrschen. Rock and Roll, psychedelischer Rock, Blues und Folk mit Americanaeinschlag gibt es da in Formvollendung auf die Ohren.

 

„Sister Moon“ mag beispielsweise zunächst unspektakulär anmuten, die Ballade abseits jeglichen Kitschs hat aber eine ganz feine Gitarrenarbeit zu bieten. Das Schwelgerische steht der Band zudem sehr gut. „Color Blind“ holt dann noch die gute Seite der Lagerfeuerromantik dazu. So geht das mit dem Folk im Jahre 2018. Mit dem straighten Rocker „Mary The Gypsy“ wird das Album standesgemäß eröffnet. Die 70er leben wieder auf! Das verschwurbelte „High Water“ mit seinem bluesigen Unterbau ist psychedelischer Rock zwischen den Beatles, Blind Melon und Jane's Addiction. „Send Me An Ocean“ erinnert sogar ein bisschen an Led Zeppelin. Und selbst, wenn die Kapelle sich nur auf den guten, alten Rock verlässt, haut das – wie mit „For The Wind“ - komplett hin.

 

Bei „Take It All“ wähnt man sich in einer schummrigen Spelunke. Groove hat die Band auch im Übermaß. Mit „Walk On Water“ landet man direkt wieder in der psychedelischen Ecke, nur um danach mit „Hand In Hand“ ein Westernstück mit Saloon-Klavier von der Leine zu lassen. Ein bisschen Tom Petty gefällig? Bitteschön: „You Found Me“ würde auch dem Meister gefallen. „Can You See“ gefällt mir einem tollen Aufbau und zum Schluss gibt es mit „Open Up“ noch mal ein Stück, welches sich langsam zwischen Blues und Rock dahinschleppt. Ein würdiges Ende.

 

Fazit: „High Water I“ von The Magpie Salute ist ein sehr schönes Album der alten Schule geworden. Rock, Blues, Folk, Psychedelica und Americana – wie aus den 70ern. Handwerklich ist das super umgesetzt worden, aber auch das Songwriting ist sehr stimmig. Wer auf ehrliche, authentische Musik steht, kriegt mit diesem Werk hier die Vollbedienung geboten. Man darf sich schon jetzt auf die zweite Runde freuen!

 

www.themagpiesalute.com

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch