The Hollies: 50 At Fifty

The Hollies: 50 At Fifty

Warner

VÖ: 19.09.2014

 

Wertung: 8/12

 

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: vor 50 Jahren veröffentlichten The Hollies ihr Debütalbum „Here I Go Again“. Seitdem hat sich die Populärmusik mehrfach gehäutet, wieder neu zusammengesetzt und doch landet vieles immer in den Swinging 60ies. Darauf baut fast alles auf. Immer noch. The Hollies konnten ihren Beitrag dazu leisten und haben zumindest ein bisschen an dem großen Ganzen mitgewirkt. So ein Jubiläum will natürlich gefeiert werden und dies wird jetzt mit einer amtlichen Box dann auch bewerkstelligt. Hierbei handelt es sich aber mitnichten um die großen Hits der Vergangenheit – selbstverständlich sind die aber auch enthalten – sonder vielmehr um einen allumfassenden Überblick, der bis ins Hier und Jetzt reicht. So kriegen immerhin auch Musikliebhaber, die erst jetzt The Hollies für sich entdecken, einen guten Überblick über das Wirken dieser umtriebigen Band.

 

Sind wir mal ehrlich, The Hollies von heute haben im Grunde nichts mehr mit der einstigen Band zu tun. Besetzungswechsel waren da an der Tagesordnung und mit Graham Nash gelangter sogar ein ehemaliges Bandmitglied zu Weltruhm – spätestens mit CSN&Y. Er verließ die Band bereits 1968. Trotzdem schnurrte der Motor von The Hollies immer weiter und wahrscheinlich wirkten diese ganzen Wechsel jedes Mal wie eine Frischzellenkur. Die Band ist ja immer noch unterwegs und erfreut sich einer treuen Fangemeinde.

 

Dem Jubiläum entsprechend verteilen sich auf drei CDs 50(!) Songs. Die Aufmachung in der dicken Box, die eigentlich schon bei der ersten Runde der BBC-Aufnahmen der Beatles veraltet war, ist nicht mehr so ganz zeitgemäß und das wird mittlerweile wesentlich ansprechender gelöst. Auch das Booklet ist ziemlich lieblos ausgefallen. Ein paar Bildchen und die Trackliste – mehr gibt es nicht. Ein paar Liner Notes oder eine – zumindest – kurze Zusammenfassung des Werdegangs der Band wären das schon nett gewesen. Die Band hätte sich da auch einfach mehr verdient gehabt. Auf der anderen Seite wird das wohl auch zu einem recht günstigen Kurs angeboten werden. Trotzdem wirkt das wie Ramschware für den Wühltisch. In der heutigen Zeit, wo man die Kunden schon mit etwas mehr locken muss, ist das eigentlich völlig unverständlich.

 

Bei der Musik hat man sich auch nicht noch die Mühe eines Remastering gemacht und auf die überarbeiteten Versionen aus dem Jahre 2003 zurückgegriffen. Mehr kann man vermutlich aus den Aufnahmen und dem Material auch nicht herausholen - zumindest bei den Songs, die schon viele Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Die neueren Tracks sind ja sowieso aus der Nummer raus.

 

Gerade die Anfänge sind immens interessant. Dem schmissen („Ain´t That) Just Like Me“ steht das schlagereske „Carrie Anne“ gegenüber. Auffallend ist das oftmals scheppernde Schlagzeug, das hat schon Züge von Garagenrock. „Listen To Me“ ist einer jener Nummern, die auf einem Beatles Album nicht negativ aufgefallen wäre. Und dann wären da da auch noch die Klassiker. Das großartige „Jennifer Eccles“ dürften auch heute noch viele Musikhörer kennen. „Stay“ ist sowieso eine Blaupause für die 60er und bei „Bus Stop“ schwingt eine wunderbare Melancholie mit. Auch diese Nummer ist über jeden Zweifel erhaben und längst zum Musikkulturgut der Menschheit avanciert.

 

Die zweite CD fängt mit „He Ain´t Heavy, He´s My Brother“ an, einem Jahrhundertsong aus der Feder von Russell Scott. Ein großartige Ballade mit Gänsehautfaktor. Ein Song für die Ewigkeit und dann diese Mundharmonika – zum Dahinschmelzen. Man merkt, dass The Hollies nach und nach immer mehr an ihren Songs feilten. Da wird bei „Can´t Tell The Bottom From The Top“ mit Streichern experimentiert, „Gasoline Alley Bred“ hat sich ein bisschen was vom amerikanischen Sound jener Tage geborgt und „Hey Willy“ hat das vorweggenommen, was man mal als Glamrock bezeichnen würde. Es war manchmal aber auch arg kitschig, wie mit „The Baby“ beispielsweise. Dafür stampft „Long Cool Woman (In A Black Dress“) lässig durch die Prärie. Rock, der auch rollt. Mit „I´m Down“ klingen The Hollies wie die britische Ausgabe der Bee Gees und „There´s Always Goodbye“ hätte man Chris Norman geben können. Immerhin hat man mit „Too Young To Be Married“ auch einen Livesong von „Hollies Live Hits“ auf die CD gepackt. Bei „Daddy Don´t Mind“ kreuzte die Band Funk und Rock and Roll – und das auch noch ziemlich cool.

 

Die dritte CD ist dann schon reichlich schwülstig. „Hello To Romance“ geht schwer in die Easy Listening Ecke. Popmusik, die an dem Versuch scheitert The Jackson 5 zu imitieren. „Amnesty“ ist da nicht sonderlich besser. Das ist alles sehr schlagereske. „Soldier´s Song“ hat dann auch noch eine sehr unschöne Mischung aus Streichern und Rockmusik zu bieten. Der Versuch Klassik mit einem Musicalansatz zu spielen geht dabei vollends in die Hose. Immerhin gibt es hier die ersten Versionen von „It The Lights Go Out“ und „Take My Love And Run“ zu hören. „Stop In The Name Of Love“ zeigt anhand der Songschreiber ja schon wohin die Reise gehen sollte: Holland/Dozier/Holland. Furchtbare Popmusik von der Stange. Da kann die Single B-Seite „Let Her Go Down“ mit einer gewissen Leichtigkeit schon wesentlich mehr überzeugen. Und ganz zum Schluss darf man mit „Skylars“ auch noch einem neuen Song lauschen. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass die heutige Ausgabe der Hollies im Musikgeschäft keine Rolle mehr spielt. Handwerklich und gesanglich ist das sicher gut, aber bei der Umsetzung rollen sich schon die Fußnägel hoch. Chris De Burgh lässt grüßen.

 

Fazit: The Hollies haben in den 60ern für Furore gesorgt, konnten aber auch später teilweise an die alte Klasse anknüpfen. Die Band hatte da allerdings längst ein neues Gesicht. Jetzt wird zu Ehren des Debüts, welches vor 50 Jahren veröffentlicht wurde, eine amtliche Box mit 50(!) Songs auf den Markt geschmissen. Die Aufmachung ist zwar enttäuschend, das Material nimmt den Zuhörer aber mit auf eine Reise durch die musikalische Welt von The Hollies. Selbstverständlich gibt es auch die Klassiker aus dem Backkatalog zu hören. Das Songmaterial wurde mit den Jahren zwar immer schwächer und doch sollte man zumindest diese üppige Zusammenstellung sein eigenen nennen können!

 

http://www.hollies.co.uk/

 

Text: Torsten Schlimbach

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