The Gardener & The Tree: 69591, LAXÅ

The Gardener & The Tree: 69591, LAXÅ

Universal

VÖ: 24.08.2018

 

Wertung: 7,5/12

 

69591, LAXÅ vervollständigt die Adresse von Mossbo. Wer jetzt ein großes Fragezeichen über dem Kopf hat, kann beruhigt werden. Der Ort in Schweden ist sicher nicht jedem sofort geläufig und somit muss man sich nicht vor Scham in die Ecke stellen, weil man sich einst gegen Erdkunde-LK entschieden hat. Für die Schweizer Band The Gardener & The Tree war dieser Ort aber quasi eine Initialzündung um sich darüber klar zu werden, was man als Band will und was den Sound und die Richtung ausmacht. Eigentlich wollte man mit neuen Songs für das Debütalbum aus Schweden zurückkehren. Letztlich schrieb man diese erst in der Schweiz, aber ein klarer Plan und der Blick auf die wichtigen Dinge wurde aus Schweden mitgebracht und somit ist es fast die logische Konsequenz, dass das Album „69591, LAXÅ“ betitelt wurde.

 

Es ist in der Summe ein gutes Album. Manuel Felder, Patrik Muggli, Patrick Fet, Daniel Fet und Philippe Jüttner haben ein feines Händchen für tolle Hooklines und wunderschöne Melodien. Das Kapitel der handgemachten Musik kriegt hiermit eine feine Fußnote hinzugefügt. Die Schweizer zeigen damit auch, dass da noch viel Potenzial schlummert und die Szene lebendig ist. In der Heimat wurde die Scheibe bereits veröffentlicht und konnte immerhin in den Top 5 der Charts landen. Dies ist zumindest ein kleiner Achtungserfolg.

 

Ob das aber mehr als zu einem Achtungserfolg taugen wird, muss aber doch bezweifelt werden. Trotz der guten Anlagen, die zweifelsfrei vorhanden sind, muss man da dann leider auch feststellen, dass die Mischung aus Mumford & Sons (musikalisch) und George Ezra (stimmlich) dann doch zu wenig Eigenständigkeit aufweist. Aufgrund der rauen Klangfarbe der Stimme, die dann in diese wunderbaren (teilweise) poppigen Meloden eingebettet wird, werden viele Menschen diese Songs hier eher einem George Ezra zuordnen. Der Folkpop geht dabei auch mal einen ganz eindringlichen Weg und baut sich auf einem Pianothema auf. „Secret“ ist da das Paradebeispiel, kriegt nach dem sehr ruhigen Beginn nach hinten raus auch noch etwas Sakrales verliehen.

 

Mit „Of Hopes & Failures“ wird das Album zwischen laut und leise, schmissig und zurückgenommen und einem Bruch in der Mitte mit einem Tempowechsel, eröffnet. Das ist der typische Mumford & Sons-Style, der für deren Welterfolg mitverantwortlich ist. Trotzdem ist das meist derart zupackend, dass es einen als Hörer einfach mitreißt. Wer kann bei „7$ Shopping“ bitte noch still sitzen? Und wie sich die Band in „Amber“ wirft ist schon ganz großes Gefühlskino. Da ist so unglaublich viel Leidenschaft und Herzblut drin, dass man da den guten Glauben an die Musik zurückgewinnt. Da nimmt man dann auch so eine Nummer wie „Way To Rome“ in Kauf, die wie ein Abklatsch des Schaffens des schon erwähnten Herrn Ezra klingt.

 

Die Schweizer wissen jedenfalls wie man mit Stimmungen spielt, nachzuhören bei „Prison Doors“ und „A Million Words“. „Baltimore Whiskey“ kann durch dieses luftige und leichte Gitarrenspiel auch noch für die passende Spätsommerstimmung sorgen. „Postcards“ setzt auf der Zielgeraden erneut ein Ausrufezeichen für die Leidenschaft, die in dieser Band steckt. Das ganz große Gefühlsdrama wird mit „Armory“ ganz zum Schluss in etwas mehr als viereinhalb Minuten gegossen.

 

Fazit: The Gardener & The Tree veröffentlichen mit „69591, LAXÅ“ ein schönes Indie-Folk Album. Die Nähe zu Munford & Sons ist unverkennbar, gleichwohl die Stimme eher an George Ezra erinnert. Das nimmt den Songs hin und wieder etwas den Wiedererkennungswert, aber dafür können die Schweizer ja nichts. Dafür schmeißen sie sich derart leidenschaftlich in die Songs, dass es eine wahre Freude ist! Die handgemachte Musik erfreut sich immer noch bester Gesundheit! Wer etwas anders behauptet, sollte dieses Album hören und für immer schweigen!

 

http://thegardenerandthetree.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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