The Boys You Know: Two Lines That Never Touch

The Boys You Know: Two Lines That Never Touch

Wohnzimmer Records

VÖ: 29.06.2018

 

Wertung: 8/12

 

Österreich ist ja nicht gerade als Hochburg für alternative Musik bekannt. Oder kann sich da einer an ernstzunehmende Kandidaten für die 90er Indiekultur erinnern? The Boys You Know holen knapp zwei Jahrzehnte später dies nun alles nach. Mit „Two Lines That Never Touch“ veröffentlicht die Band nun schon das vierte Album seit 2013! Die Schlagzahl ist nicht so schlecht. Die zehn Songs wurden im Laufe von zwei Jahren auf Santorin und in Barcelona geschrieben. Ein Abklatsch des bisherigen Schaffens ist die Platte nicht. Natürlich hat die Band immer noch ihren Stil, der aber eben verfeinert, weitergedacht und um ein paar Neuerungen bereichert wurde.

 

Wie bei den beiden Alben zuvor, muss man jetzt aber keine Angst haben, dass The Boys You Know den Stil komplett geändert haben. Wer aufgrund des Debüts zum Fan wurde, wird „Two Lines That Never Touch“ ganz sicher auch lieben (lernen). Mit „Already Dead“ fühlt man sich auch direkt heimisch. Das ist 90ies Schrammelindie, der abermals an Dinosaur Jr. und die Lemonheads erinnert. „Hannah“ geht in eine ähnliche Richtung, ist aber auf einem Americana-Gewand aufgebaut. Dies findet zunächst nur im Hintergrund statt, aber spätestens mit „A Song For A Failure“ bricht sich das Bahn. The Boys You Know setzen jetzt auch auf einen Chor und Klavier. Das geht zudem gut ins Ohr, aber auch die Beine.

 

„Another Year“ regt eher zum Nachdenken an. „Hide And Seek“ träufelt sogar eine große Portion Melancholie drüber. Es gibt zum Chor auch noch eine Trompete. Es sind mitunter auch schwierige Themen. Es dreht sich um Suizid, Depression und den Tod. Da ist ein fluffiges Soundgewand nicht immer passend und so erklären sich dann auch die vielen ruhigen Passagen. Mit „Avery“ wird es ja wieder etwas flotter. „The First“ hat musikalisch sogar eine positive Grundstimmung. Da ist die Band dann beim Folk angekommen. „Sant Marti“ fängt auch ganz ruhig an, wird dann aber bombastisch ausgearbeitet und neben der Trompete ist der Chor für die Opulenz verantwortlich. Das Album verabschiedet sich mit „Barcelona“ auf ganz leisen Sohlen.

 

Fazit: „Two Lines That Never Touch“ ist ein weiteres, sehr schönes Album von The Boys You Know. Fans werden mit den dezenten Neuausrichtungen sicherlich sehr schnell klarkommen. Folk und Americana haben Einzug in den Sound gehalten. Trotzdem blitzt die 90ies-Schrammelattitüde immer wieder durch. Oftmals sind die Songs auch sehr zurückgenommen und regen zum Nachdenken an. Die Band hat über die Jahre eine schöne Entwicklung durchgemacht – ohne dabei die Wurzeln und die eigene musikalische Handschrift zu verlieren!

 

http://www.theboysyouknow.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch