The BossHoss: Dos Bros (Platinum Edition)

The BossHoss: Dos Bros (Platinum Edition)

Universal

VÖ: 18.11.2016

 

Wertung: 7,5/12

 

Was für diese komische „Dos Bros Live“ Veröffentlichung gilt, lässt sich im Grunde auch über die Platinum Edition von „Dos Bros“ sagen. Der Fan wird da ganz schön geschröpft. Diese Unart, nach ein paar Monaten eine erweiterte Version eines Studioalbums nachzuschieben, ist einfach nur dreist. Da werden die treuen Anhänger immer mehrfach zur Kasse gebeten. Abgesehen davon gab es von „Dos Bros“ – so wie es mittlerweile ja leider gängige Praxis ist – neben dem eigentlichen Studioalbum auch schon eine Deluxe Version. Wer die ganze „Dos Bros“-Dekade von The BossHoss also im Schrein stehen haben möchte, wird eine schöne Stange Geld losgeworden sein. Jungs, schaltet doch mal einen Gang runter!

 

Dass die Platinum Edition dann aber doch eine ganz nette Geschichte geworden ist, muss man dann schon eingestehen. Die zweite CD rechtfertigt gar einen erneuten Kauf des Albums - sofern man die Deluxe Version noch nicht im Schrank stehen hat! Sollte dies der Fall sein – und das wird bei der treuen Anhängerschaft ja nun durchaus so sein – dann ist auch diese erneute Veröffentlichung im Grunde eine Frechheit. Na klar, die ganzen schon veröffentlichten und bekannten Coverversionen von „No Diggity“, über „Geronimo“, das lässige „The Beautiful People(!)“ von Herrn Manson, „Easy“ und dem extrem gelungenen „Boom Boom“ sind weitestgehend toll und/oder witzig. Das können The BossHoss einfach, anderen Songs ihren Stempel aufdrücken.

 

Welcher Mehrwert wird denn sonst noch geliefert? Es gibt die sieben Songs, die The BossHoss bei „Sing Meinen Song“ gecovert haben. Das war es dann auch schon. Da wird doch noch mal versucht den Erfolg von „Sing Meinen Song“ auszunutzen und Fans dieser Sendung auch mal schnell zu einem Kauf zu animieren. Das dahinplätschernde „Leuchtturm“ (Nena) ist dann sicher kein Kaufargument. „Superheld“ von Samy Deluxe wird hingegen ganz nett in das Cowboy-Soundgewand von The BossHoss übertragen. Auch „Wake Up“ mit dieser sehnsuchtsvollen Mundharmonika passt. Tarantino lässt grüßen. Das traurige „Das Spiel“ von Frau Louisan wird teilweise ordentlich zerrockt. Das nimmt dem Stück die Naivität. „Alles Im Lot“ mit Trompete und mexikanischem Einschlag haut überhaupt nicht hin. Der Trennungsballade von Niedecken wird so ihrer Seele beraubt. Ausgerechnet Annett Louisan zeigt den beiden Cowboys bei „Close“, wie das mit dem Gefühl geht. „Schau Nicht Mehr Zurück“ beendet diese Platinum Edition schließlich. Keine Sorge, machen wir nicht!

 

Fazit: Wer „Dos Bros“ noch nicht hat, die Musik des Albums aber ziemlich fluffig findet, kriegt nun mit der Platinum Edition ganz viele Argumente geliefert, sich das Werk doch noch in die Sammlung zu stellen. Besonders die Coversongs der zweiten CD sind teilweise recht gelungen und nett. Die sieben Songs aus der „Sing Meinen Song“ Beteiligung braucht man nicht wirklich. Wer also schon die Deluxe Version von „Dos Bros“ im Schrank stehen hat, kann um diese neuerliche Veröffentlichung getrost einen ganz großen Bogen machen. Auch als Fan!

 

 

http://www.thebosshoss.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The BossHoss: Dos Bros Live (CD/DVD)

The BossHoss: Dos Bros Live (CD/DVD)

Universal

VÖ: 18.11.2016

 

Wertung: 5/12

 

Verstehe einer diese Cowboys. So langsam sollten die Jungs aus der Großstadt aber aufpassen, dass sie nicht überziehen. Selbst die beste Kuh gibt irgendwann keine Milch mehr. Die aktuelle Veröffentlichungspolitik lässt nämlich den Schluss zu, dass die Kuh – sprich die Fans – ordentlich abgemolken werden soll. Gleich zwei Veröffentlichungen an einem Tag, die kaum einen nennenswerten Sinn ergeben. „Dos Bros Live“ braucht ja in dieser Form eigentlich kein Mensch. Das ist eine halbgare Geschichte, die einem hier als CD/DVD Package zum vollen Preis verkauft werden soll. Der Berliner Band sei ja jeder Erfolg gegönnt, aber das muss ja nicht auf Teufel komm raus sein.

 

„Dos Bros Live“ ist alles andere als ein vollständiges Konzert. Das hier ist eine ganz große Mogelpackung. Auf der DVD gibt es enttäuschende neun Songs zu sehen. Die CD kann immerhin mit dreizehn Tracks aufwarten. Aber mal ehrlich, was soll das Stückwerk? Die Aufnahmen sind dann auch noch nicht mal von einem Abend, sondern ein Zusammenschnitt aus Leipzig, Oberhausen und Hamburg. Herrschaftszeiten, so wird auch gleich jegliche Konzertatmosphäre zerstört. Warum wird sich denn jetzt auf diesen billigen Abklatsch verlassen und nicht gleich eine vernünftige Blu-ray mit einem kompletten Konzert veröffentlicht? Sollte das in absehbarer Zeit geschehen: ganz schlechte Idee. Irgendwann klingelt es dann nämlich nicht mehr an der Kasse, sondern beim geschröpften Fan!

 

Über die Qualitäten dieser Kapelle muss man ja nicht viele Worte verlieren. Klar, entweder man mag die Jungs, oder eben nicht. „She Is A Little B“ rockt aber alles in Grund und Boden und das sollten auch die größten Kritiker und Neider anerkennen. The BossHoss machen ihre Sache schon recht gut. Dazu gibt es eine fette Bühne. Alec und Sascha verwandeln diese dann auch mal gerne mittels Hocker, wie beispielsweise bei „A Cowboys Work Is Never Done“, in eine kleine Bar. Da fließt der Schweiß und Testosteron liegt in der Luft. „Bullpower“ und „Dos Bros“ werden bei schönstem  Bühnenlicht präsentiert. Ja, das ist schon ganz nett anzusehen. Das Bild ist schon recht gut.

 

„Jolene“ geht zwar gar nicht, aber dafür ist „Shake & Shout“ - mit dem seit „Sing Meinen Song“ neuen Buddy Samy Deluxe - richtig fett. Warum die Nummer nur auf der CD zu finden, ist ein weiteres dieser ungeklärten Rätsel dieser seltsamen Veröffentlichung. Ansonsten darf das Publikum die Arme schwenken, von links nach rechts (und umgekehrt) im Kollektiv ein paar Schritte machen oder aus tausenden Kehlen mitsingen. Die Kapelle weiß eben, wie man die ganz großen Hallen bespielt und die Leute bei Laune hält.

 

Fazit: Ganz ehrlich Jungs, das hier ist nichts. Gar nichts! Natürlich seid ihr gute Musiker und versteht es auch live ein ordentliches Feuerwerk abzubrennen. Aber doch bitte nicht so. Die Fans sollten nicht verarscht werden! Man hätte das ja noch irgendwie zu dieser „Platinum Edition“ packen können. So wird aber der volle Preis für ein CD/DVD Paket aufgerufen und was sich dann präsentiert ist eine dicke Mogelpackung. Weder die CD noch die DVD kann im Ansatz die Tour wiederspiegeln. Das riecht doch sehr danach, dass die Kuh gleich mehrmals gemolken werden soll. Nicht gut.

 

http://www.thebosshoss.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The BossHoss: Dos Bros

The BossHoss: Dos Bros

Universal

VÖ: 25.09.2015

 

Wertung: 7,5/12

 

In der Großstadt gibt es doch gar keine Cowboys. Das haben auch The BossHoss gemerkt und sich deshalb nun auch verzogen. Nein, der Wohnsitz wurde nicht verlegt, aber es mussten mal neue Einflüsse her. Im eigenen Saft zu schmoren ist ja auch auf Dauer etwas langweilig. Abgesehen davon machen sich so langsam auch einige Abnutzungserscheinungen bemerkbar und die Halbwertzeit ist doch arg limitiert. Die Fangemeinde von The BossHoss ist ja mittlerweile – auch aufgrund The Voice - riesig, aber man weiß ja auch wie das ist, die Hipster ziehen da schnell weiter. In den vergangenen zehn Jahren haben The BossHoss – zumindest für Deutschland – ein Feld beackert, auf dem sich ja sonst keiner tummelt. Truck Stop sind ja dann doch anders. Wie dem auch sei, jetzt zum Jubiläum machte sich der Tross nach Nashville, Tennessee auf und „Dos Bros“ ist das Ergebnis.

 

Fans brauchen jetzt keine Angst zu haben, denn „Dos Bros“ mag ein paar neue Facetten haben, ist aber natürlich immer noch deutlich als ein Werk von The BossHoss zu erkennen. Der Auftakt mit „Wait For Me“ ist dann auch derart geschmeidig und poppig, wie man es von den Herren gewohnt ist. Das ist der leichte Einstieg in „Dos Bros“ und wer das mag, wird sich sofort heimisch fühlen. So ein düsteres Stück wie „Today, Tomorrow, Too Long, Too Late“ ist aber dann doch irgendwie neu. Kurioserweise sieht die Band „Wait For Me“ als Dark Country-Song an, der die neue Richtung vorgeben soll.

 

Der lässige Titelsong „Dos Bros“ hätte auch auf „Flames Of Fame“ eine gute Figur abgegeben. Da sind doch alle Zutaten für die große Cowboy-Party in der Scheune vorhanden und der weibliche Backgroundchor sorgt dann dafür, dass auch der härteste Zeitgenosse seinen Stetson mal ablegt. „Joyridin´“ galoppiert wunderbar durch die Prärie, während „I Like It Like That“ doch etwas überladen ist und auch den letzten Party-Pop-R&b-Hörer einsammeln soll. „Star Of The Roadcrew“ prescht schön nach vorne und dürfte live für Stimmung sorgen. Aber erst mit „She Is A Little B“ gibt es dann endlich mal etwas ungefilterten Rock auf die Ohren. Das geht nach vorne und ist arschcooler Southern Rock.

 

„Tennessee Woman“ ist keine Ballade im eigentlichen Sinne, lehnt sich aber trotzdem mal etwas zurück. Lucky Luke reitet dem Sonnenuntergang entgegen – allerdings mit einem Groove und Gesang, der auch an Hip Hop erinnert. Zu „I´m Coming Home“ geht es dann in den Saloon mit entsprechendem Klaviergerumpel. Tex Mex und Western im BossHoss-Stil – auch nicht schlecht. „Lady JD“ ist etwas rührselig, aber gut, um das Lagerfeuer versammelt kann das zur später Stunde vielleicht Beziehungen retten. „Cowboys Work Is Never Done“ ist der vielleicht beste Song von The BossHoss seit Jahren: das rockt, ist dringlich, vereint Americana, Southern Rock, Western und Pop. Die Dolly Parton-Nummer „Jolene“ hätten die Herren aber nicht covern sollen, das ist ganz zum Schluss unter Totalausfall zu verbuchen. Das Feld überlassen sie besser einem Jack White.

 

Fazit: „Dos Bros“ von The BossHoss ist eine anständige Platte. Die Southern Rock-Einflüsse tun dem Sound sehr gut. Das Album ist natürlich jetzt keine komplette Abkehr vom Bandsound. Fans kommen auch mit „Dos Bros“ voll und ganz auf ihre Kosten. Das Jubiläum wird so anständig begossen und die Herren reiten weiter dem Sonnenuntergang entgegen - diesmal allerdings nicht in der Großstadt. Kann man mal machen.

 

http://www.thebosshoss.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The BossHoss: Flames Of Fame – Live Over Berlin

The BossHoss: Flames Of Fame – Live Over Berlin (2CDs)

Universal

VÖ: 06.12.2013

 

Wertung: 7,5/12

 

Wenn eine Casting-Show Stars herausbringt und macht, dann ist es „The Voice“. Die deutsche Ausgabe schmückt sich gerne damit, dass die Talente im Vordergrund stehen, aber wer kann sich schon an den Gewinner vom letzten Jahr erinnern? Zumindest ist dieser in Deutschland längst in Vergessenheit geraten. Ganz anders sieht es bei den Coaches aus, welche die eigentlichen Stars dieser Show sind. The BossHoss war vorher zwar schon auf der musikalischen Landkarte als kleiner Punkt zu erkennen, aber erst durch dieses Format gingen sie so richtig durch die Decke und mit ihrem aktuellen Album „Flames Of Fame“ konnten sie aus dem Stand den zweiten Platz der Charts entern – der bis dahin größte Erfolg für die Berliner Kapelle. Unnötig zu erwähnen, dass die Platte pünktlich zum Start der neuen Staffel von „The Voice“ in den Läden stand. Schon komisch, dass alle Coaches jetzt eine Veröffentlichung raushauen. The BossHoss legen mit „Flames Of Fame – Live Over Berlin“ noch mal nach und das gleich in verschiedenen Formaten.

 

„Flames Of Fame – Live Over Berlin“ kann der geneigte Fan jetzt als DVD oder Blu-ray erwerben und wer dann immer noch nicht genug hat, legt sich die Doppel-CD unter den Weihnachtsbaum. In der heutigen Zeit sollte es eigentlich möglich sein – und viele Veröffentlichungen zeigen ja auch, dass dies geht – die Audio-CDs zusammen mit den Scheiben der visuellen Umsetzung anzubieten. Der Sinn von Live-CDs hat sich mittlerweile ziemlich erledigt. Die aktuelle The BossHoss Tour ist sowieso ein Hingucker, von daher sollte man mindestens zur DVD greifen!

 

Man kann The BossHoss sicher nicht vorwerfen, dass die Band durch die schon erwähnte Casting-Show erst so richtig ins Schaufenster gestellt wurde. Alec Völkel und Sascha Vollmer machen ihre Sache ja auch gut und davon profitieren letztlich alle. Alle meint in diesem Falle zehn Leute, denn die stehen bei einer The BossHoss Show mittlerweile auf der Bühne. Und diese Maschine läuft wie ein gut geölter Motor. Schluckt zwar ordentlich was, bringt aber auch volle Leistung und röhrt in den schönsten Tönen. The BossHoss sind eine gute Liveband und das wird von „Live Over Berlin“ ganz fett unterstrichen. Das ist ja fast schon zu perfekt. Wären da nicht die kleinen Zwischenrufe und eingestreuten „Yeahs“, wäre der Unterschied zu den Studioversionen nur marginal – zumindest was die neuen Tracks betrifft. Und natürlich gibt es aus Imagegründen die englischen Ansagen mit amerikanischem Unterton. Kann man albern finden, muss man vielleicht sogar, aber das gehört natürlich auch zu The BossHoss dazu.

 

„God Loves Cowboys“ eröffnet die Sause standesgemäß und danach steppt der Büffel durch die Prärie. Über „Bullpower“, „Eager Beaver“ und „I Keep On Dancing“, bei dem das Publikum dann auch fleißig zum mitmachen animiert wird, geht es gleich gut los. Die Stimmung schwappt allerdings nur bedingt ins Wohnzimmer. „Do It“ kommt live noch fetter daher. Das kleine Funkmonster entwickelt erst hier seine volle Stahlkraft. Mit „A Little Bit More More More“ zeigen The BossHoss aber auch noch mal, dass sie rocken können bis der Arzt kommt. „I Say A Little Prayer“ wird durch die Bläsersektion episch ausgebreitet und das Harmonikaspiel schlägt selbstverständlich alle Rekorde. So sind sie, diese Cowboys.

 

„My Personal Song“ ist etwas wacklig im Gesang und insgesamt kommt diese Nummer überraschend blutleer und schwach auf der Brust daher. Dann doch lieber die Bulldozer-Methode von „Stallion Battalion“. Überhaupt ist der Mittelteil des Konzerts extrem stark. „Backdoor Man“ rockt und „Last Day (Do Or Die)“ legt los, als wäre Josh Homme auf der Bühne. „Sex On Legs“ nimmt danach wieder alle Füße vom Gas und schleppt sich dahin – der windschiefe Gesang macht es nicht gerade besser. „Rodeo Radio“ und „Don´t Gimme That“ rücken die Verhältnisse wieder gerade – wobei „Don´t Gimme That“ den Zuschauern in Berlin gehört. Wer eine zehnminütige Version von „Hey Ya“ - der mit Abstand schlimmsten Interpretation von The BossHoss – braucht, wird sich freuen, denn „Live Over Berlin“ lässt da noch mal jedem Cowboy Raum zur Entfaltung. „Marry Marry Me“ ist als reine Audio-Konserve leider extrem langweilig und der Abschluss mit „Word Up“ wird zwar ausgedehnt bis auch der Letzte in Berlin zufrieden war, aber auf CD zündet das nicht so richtig.

 

Fazit: The BossHoss ist eine gute Liveband, dies unterstreicht „Flames Of Fame – Live Over Berlin“ nachhaltig. Die kleinen Wackler, die man hier drin gelassen hat, machen die Geschichte nur sympathischer. Trotzdem hat das aus der Konserve als reiner Audiomitschnitt auch seine Längen. Man muss The BossHoss eben nicht nur hören sondern auch sehen, denn die Jungs liefern eben auch eine famose Show ab – also lieber sofort zur DVD oder Blu-ray greifen!

 

http://www.thebosshoss.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

The BossHoss: Flames Of Fame

The BossHoss: Flames Of Fame

Universal

VÖ: 11.10.2013

 

Wertung: 8,5/12

 

Kaum beginnt eine neue Staffel von „The Voice“, liegt auch ein neues Album von The BossHoss in den Regalen. Wer würde es anders machen? Bitte mal aufzeigen! Gut, dann hätten wir das ja auch geklärt. Die Cowboys reiten wieder und wollen natürlich diese Promotion gerne mitnehmen. Es sei ihnen gegönnt, so lange man bei der Musik das Gefühl hat, dass das alles ehrlich rüberkommt ist die Welt doch in Ordnung. Es gilt ja sowieso „If you mess with BossHoss you mess with God!“ aus „God Loves Cowboys“. Wäre das ja auch mit einem Augenzwinkern geklärt.

 

Aufgenommen wurde „Flames Of Fame“ wieder im eigenen Studio in Berlin. Und wo gehören Cowboys noch hin? Genau, nach Amerika! Wo denn auch sonst? Man begab sich dazu in den Nähe von Los Angeles und enterte doch ebenfalls noch ein Studio und weil man gerade sowieso vor Ort war, wurde auch noch ein Video zu „Do It“ gedreht. Ein aufwändiges noch dazu. Eine feine Sause haben die Jungs da hingelegt.

 

Dies gilt vermutlich auch für „Flames Of Fame“. Die vorab zur Verfügung gestellten sieben Songs haben schon den einen oder anderen Kracher zu bieten. Den Gesang von The BossHoss muss man natürlich mögen. Dieser wirkt immer etwas aufgesetzt und konstruiert. Die Jungs fahren aber auf dieser Schiene weiter, alles andere wäre ja auch seltsam, schließlich hat das ja auch für diese riesige Fanbasis gesorgt. Wer The BossHoss bucht, kriegt eben auch The BossHoss geliefert!

 

Es gibt hier natürlich die bekannte und bewährte Kost der Band. „God Love Cowboys“ ist so ein Ding wie sie es die Kapelle aus dem Effeff beherrscht. Auch „My Personal Song“ fällt unter diese Kategorie. Und dieser Aha-Chor wurde bei einer nicht unbekannten Dame geliehen. Wir wünschen viel Spaß beim Raten. Dafür gibt es hier aber auch einige Songs, die durchaus zum Besten gehören, was die Band gemacht hat. Das kleine Funkmonster „Do It“ wäre da zu nennen. Verdammt hat das Dingen Pfeffer im Hintern. „Bullpower“ fängt an wie es Bon Jovi seit zwei Jahrzehnten gerne würden, aber nicht mehr können und entwickelt sich dann irgendwie in eine aufgepimpte Ausgabe der Stooges! Sehr cooler Rocksong!

 

„Eager Beaver“ mit der lässigen Bläsersektion groovt wie Hölle und ist einfach die vertonte gute Laune. Was man ja gerne vergisst, dass das Septett aus vorzüglichen Musikern besteht und die Herren durchaus sehr versiert an ihren Instrumenten sind. Eine schöne Erkenntnis ist hier, dass „Flames Of Fame“ keineswegs weichgespült ist. Auch „Whatever“ rockt sich ganz geschmeidig in Richtung Sonnenuntergang. Abgesehen davon ist der Songaufbau sehr gut durchdacht – wie so vieles hier. Die Ballade „What If“ ist ganz nett, aber bisher auch der Schwachpunkt von „Flames Of Fame“. Auf diesem Terrain liegen ganz sicher nicht die Stärken der Truppe.

 

„Easy To Love You“ kommt als Cowboy Hip-Hop ganz lässig aus dem Quark, ist aber nicht ganz so stark wie die erste Albumhälfte. „Little More More More“ und „Backdoor Man“ geht auf der Zielgeraden leider ordentlich die Puste aus. Aber! Wie war das eben mit den Balladen? Können BossHoss nicht? „Yes Or No“ beweist das Gegenteil!

 

Fazit: „Flames Of Fame“ ist in weiten Teil richtig groß geworden. Schön zu hören, dass sie die Rockwurzeln nicht vernachlässigen und dies auch sehr authentisch wirkt. Dazu wird auch mal ein bisschen Funk gereicht und natürlich auch die üblichen The BossHoss-Zutaten. Gut, Balladen werden nicht mehr die Stärke von The BossHoss werden, aber selbst hier können sie mit "Yes Or No" noch punkten... Auch, wenn die Platte gegen Ende ein paar Längen hat, „Flames Of Fame“ könnte dafür sorgen, dass die Band noch größer wird - und das bei der Konkurrenz im Weihnachtsgeschäft!

 

http://thebosshoss.com/flames/

 

Text: Torsten Schlimbach

The BossHoss: Liberty Of Action – Black Edition (CD/DVD)

The Bosshoss: Liberty Of Action – Black Edition (CD/DVD)

Universal

VÖ: 30.11.2012

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Die neue Staffel von „The Voice Of Germany“ läuft wieder bestens und natürlich profitieren auch die Juroren und Coaches erneut davon. Xavier Naidoo und Nena kommen dieser Tage mit neuen Alben um die Ecke und von Rea Garvey und The Bosshoss gibt es nun auch noch neue Edition der letzten Alben. Immerhin hat „Liberty Of Action“ nun schon ein Jahr auf dem Buckel, da kann man die Kuh, also die stetig wachsende Fangemeinde, doch gleich noch mal melken. Und natürlich steht auch noch das Weihnachtsgeschäft an. Ein Schelm wer Böses dabei denkt!

 

Ist es wirklich so einfach? Im Falle von „Liberty Of Action“ keineswegs! Die Jungs machen hier nämlich keine halben Sachen und legen ein amtliches Paket mit extrem großem Mehrwert vor! Besser geht nicht! Die Cowboygang aus Berlin hat neben fünf Bonustracks auch gleich noch eine DVD geschnürt, die kaum noch Wünsche offen lassen dürfte. Es ist ja leider an der Tagesordnung, dass von erfolgreichen Alben nach kurzer Zeit noch mal eine erweiterte Ausgabe erscheint. Das kann und muss man kritisch hinterfragen, bei „Liberty Of Action – Black Edition“ zeigt der Daumen allerdings nach oben!

 

Das Album selber wurde von den Altfans ja schon kritisch gesehen und die Hinwendung zum Mainstream kam überhaupt nicht gut an. Da fiel oftmals das böse Pop-Wort. Immerhin kann man The Bosshoss nicht vorwerfen, dass sie sich nicht musikalisch bewegen würden. Vom reinen Coveract hat sich die Band mittlerweile in einer Nische eingerichtet, in der kaum eine andere Combo zu finden ist. Das mag alles etwas überzogen und überzeichnet sein, aber letztlich ziehen sie konsequent ihren Stiefel durch und wer kann es ihnen übel nehmen, dass sie eben auch ein bisschen an die Geldtöpfe ran möchten? „Liberty Of Action“ ist immerhin recht abwechslungsreich geraten.

 

Die neuen Songs werten die Platte nun aber immens auf. „Deals With The Devil“ gehört noch nicht dazu. Autotune funktioniert auch mit dem berühmten Augenzwinkern nur leidlich und der Rest hört sich an, als würde „The Passenger“ von Iggy Pop nun in einer Country-Version präsentiert. Da gefällt das rockige und bissige „Nothing But The Best“ schon wesentlich besser. Danach hauen sie aber noch drei Knaller raus, dass die ganze Platte plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheint. „Do You Wanna Touch Me“ mit Rotzbremsenfreund Jesse Hughes und seinen Eagles Of Death Metal ist ein schmissiges Rockstück mit allem was dazugehört – Oh Yeah! „Run Run Run“ von The Velvet Underground mit den bezaubernden Kitty, Daisey & Lewis zu covern zählt zu den besten Ideen, die die Jungs die letzte Zeit hatten. Der ganzen Geschichte die Krone setzt dann noch „Mad Man Blues“ mit den großartigen Triggerfinger auf. Der Teufel ist mal wieder hinter den armen Seelen her. Dazu sagt man heute wohl: ganz großes Kino!

 

Und wer überhaupt nicht glauben mag, dass die Herrschaften auch tatsächlich zusammen musiziert haben und dies nur mittels der heutigen Möglichkeiten abgelaufen sei ohne dabei überhaupt die selbe Studioluft zu atmen, kann sich auf der DVD dann vom Gegenteil überzeugen. Hier gibt es nämlich zu allen Songs einen kurzen Einblick in die gemeinsame Arbeit! Dies ist aber dann auch nur ein kleines Schmankerl der DVD! Mit dieser kann man sich nämlich weit über drei(!) Stunden beschäftigen! Das ist mal eine Hausnummer! Abgesehen davon wurde hier kein Pseudo-Content verbraten, sondern tatsächlich mal ein richtiger Blick hinter die Kulissen geworfen! Für Fans ist diese liebevolle und detailreiche Ausarbeitung ganz sicher ein Fest!

 

Hinter der „Band Documentary“ verbirgt sich ein Blick in das Studio. Dort reden Alec und Sascha frei von der Leber weg. Es geht los bei den Anfängen und der Ochsentour, als sie an jeder Milchkanne gespielt haben, bis hin zu „The Voice Of Germany“ und den Beweggründen dort mitzumachen. Egal was man von den beiden auch halten mag, die vielen O-Töne sind durchaus glaubhaft. Geerdet und authentisch geben sich die Herren und selten war eine Plauderstunde aus dem Nähkästchen so kurzweilig! „Live At ZDF Bauhaus“ ist ein Konzert in – wie man unschwer erkennen kann – ganz kleinem Rahmen. Die sieben Jungs geben alles und der Schweiß rinnt in Strömen. Nach der ganzen Veranstaltung musste vermutlich eine ganze Menge getrunken werden um den Wasserhaushalt wieder auszugleichen. Für den Zuschauer auf der Couch ist es zudem schön auch einen Blick hinter die Bühne zu werfen, sprich vor dem Konzert, nach Beendigung des regulären Sets und schließlich als der ganze Zauber vorbei ist. The Bosshoss rocken sich durch ihr Set und binden natürlich auch das Publikum immer wieder ein. Der anwesenden Rea Garvey hatte jedenfalls auch sichtlich Spaß!

 

Neben den sehenswerten Videos und einem „Making Of Live It Up“ darf man noch „The Bosshoss Mess With Texas“ bestaunen. Dahinter verbirgt sich nichts anderes wie die Tour der Band durch die kleinsten Spelunken in Texas. Neben ein paar Konzertausschnitten begleitet die Kamera die sieben Jungs durch deren ganz persönliche Amerikaerfahrung. Selbstverständlich wird dabei kein Klischee ausgelassen. Das ist natürlich so gewollt. Motorräder spielen eine Rolle – der Namensgeber Boss Hoss wird besucht - Rodeoreiten, Barbecue, Autos, Stetsons, Waffen und Schießübungen ebenso. Immer mit einem Augenzwinkern versehen und doch recht sympathisch. Auf einer Landkarte kann der geneigte Zuschauer dabei immer den Weg der sieben Cowboys verfolgen. Die Menüstruktur ist denkbar einfach und somit hervorragend! Kein Klimbim. Schnitt und Kameraführung gehen ebenfalls voll und ganz in Ordnung und auch der Ton passt. Live ist eben live! Andere bearbeiten das im Studio bis zur Unkenntlichkeit nach, nicht so The Bosshoss!

 

Fazit: The Bosshoss hatten während „The Voice Of Germany“ und der Tour zur aktuellen Platte "Liberty Of Action" derart viel Material angesammelt, dass selbiges nun in einer Special Edition erneut veröffentlicht wird. Für eine EP war es zu viel und bis zum neuen Album sollte auch nicht gewartet werden bis das Material das Licht der Welt erblickt. Die DVD ist sowieso der absolute Knaller und selbst wer mit dieser Band – so wie ich – überhaupt nichts anfangen kann, wird davon gut unterhalten. Liebevolle, detailreiche, üppige und kurzweilige Angelegenheit! Selbst der bittere Beigeschmack der Zweitverwertung wird somit lässig beiseite gewischt! Ich ziehe meinen Hut!

 

http://www.thebosshoss.net/

 

Text: Torsten Schlimbach

The BossHoss: Live It Up (Single)

The BOSSHOSS: Live It Up (Single)

Universal

VÖ: 03.08.2012

 

Man kann es drehen und wenden wie mal will, The BOSSHOSS reiten auf einer Erfolgswelle. Auf eine treue Fangemeinde konnten die Jungs ja schon immer bauen, aber spätestens durch die Jurorentätigkeit bei „The Voice Of Germany“ ging es so richtig durch die Decke. Die aktuelle Platte „Liberty Of Action“ konnte dann auch bis zum vierten Platz in den Charts vorstürmen.

 

„Live It Up“ ist nun die nächste Singleauskopplung aus dem Album. Da der schnöde Track aber noch etwas Politur bedurfte, hat man die Nummer nun noch mal nach allen Regeln der Kunst kräftig aufgepeppt. „Live It Up“ kommt nun als neuer Mix über den Äther. Aus dem Cowboyding wurde ein kleines Groovemonster. Dazu dürften bald die Sohlen ordentlich im Tanzschuppen qualmen. Der hinlänglich bekannte Sound der Band wird dabei keineswegs vergessen und somit bringt der Song natürlich reichlich Qualitäten für einen Sommerhit mit. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Bei der Art des Gesanges fragt man sich allerdings immer wieder, ob die das wirklich ernst meinen? Die Antwort der zahlreichen Fans dürfte klar sein!

 

http://www.thebosshoss.net/

 

Text: Torsten Schlimbach

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