The Allman Brothers Band: The 1971 Fillmore East Recordings (Limited Box-Set)

The Allman Brothers Band: The 1971 Fillmore East Recordings (Limited Box-Set)

Universal

VÖ: 25.07.2014

 

Wertung: 11,5/12

Tipp!

 

„At the The Fillmore East“ von The Allman Brothers Band ist eines der besten Live-Alben überhaupt. Das Doppel-Album wird sogar in vielen Listen geführt, wenn es um die besten Platten aller Zeit geht. Natürlich sind solche Rankings immer mit Vorsicht zu genießen, aber dieses Live-Vermächtnis findet sich in so ziemlich allen renommierten Listen wieder und dies sagt schon einiges über „At The Fillmore East“ aus. Seinerzeit war dies auch der endgültige Durchbruch für The Allman Brothers Band. Dieses bedeutende Live-Album war die dritte Veröffentlichung der Band. Jetzt hat man die ganze Geschichte erweitert und in einem opulenten und limitierten Set kommt selbige als „The 1971 Filmore East Recordings“ erneut in den Handel. Bei Musikliebhabern dürfte die Atmung da etwas schneller werden. Schon alleine optisch ist das ein dicker und großer Leckerbissen. Inhaltlich wurde das Set auf 6 CDs erweitert!

 

Produziert von Bill Levenson, dem Kuratoren der definitiven Duane Allman-Retrospektive, wird „The 1971 Fillmore East Recordings“ zu einem Fest der improvisatorischen Rockmusik. Wenn es um die definitive Aufnahme von The Allman Brothers Band geht, dann muss man einfach diese Veröffentlichung an erster Stelle nennen, denn auf der Bühne war diese Band einfach grandios und erst dort konnte sich deren ganze Stahlkraft entfalten!

 

Die Konzerte fanden, wie es der Titel unschwer erkennen lässt, im Fillmore East in New York statt. Dieser legendäre Club, der von Konzertpromoter Bill Graham geführt wurde, schloss nach dem Konzert von The Allman Brothers Band am 27. Juni 1971 seine Pforten. Die Geschichte der Band ist ja sowieso ganz fest mit diesem Venue verbunden. Schon 1969 spielten sie dort drei Konzerte, allerdings noch als Opener für Blood, Sweat & Tears. Später traten sie dann auch noch im Vorprogramm der Greatful Dead auf.

 

Während der unzähligen Live-Konzerte zum zweiten Album – es waren mehr als 300 Shows, zu denen die Band mit einem eigenen Ford Van fuhr – stellte sich bei der Band endgültig das Gefühl ein, dass die frustrierende Studioarbeit nicht das ist, was sie machen wollen und dass sich ihre ausufernde Energie eben nicht in drei Minuten pressen lässt. Die Idee für ein Live-Album und „At The Fillmore East“ war geboren.

 

Gregg Allman sagte damals, dass die verschiedenen Shows schon sein mussten, um den jeweils besten Song für das Album auszuwählen. Overdubs waren keinesfalls eine Option, da es dann eben kein waschechtes Live-Album wäre. Allerdings entschloss man sich später den einen oder anderen Mundharmonikapart rauszuschneiden. Letztlich ist dies aber das ungefilterte Live-Zeugnis einer – in dieser Hinsicht – besten Band ihrer Generation. The Allman Brothers Band war ab diesem Zeitpunkt in erster Linie für die famosen Konzerte berühmt und berüchtigt.

 

Die neuerliche Veröffentlichung ist optisch ein echter Hingucker und dürfte in jedem Musikschrein ganz vorne ein Plätzchen finden. Man hat sich dazu entschlossen dies nun in Buchform zu pressen. Die sechs Silberlinge werden im hinteren Teil sicher verstaut, lassen sich aber relativ leicht aus ihrer jeweiligen Halterung herausnehmen. Kompliment, das wurde schon schlechter gelöst. Ein Text von John Lynskey zu den einzelnen Sets und einige Bilder findet man im vorderen Teil. Hier kommt man aber nicht umhin, dass die Box in dieser Hinsicht eine kleine Enttäuschung ist. Viel kommt dabei nämlich herum und letztlich wurde das doch mittels großer Schrift extrem gestreckt, damit man das überhaupt ansatzweise in dieser Form veröffentlichen kann. Der optische Eindruck verspricht letztlich mehr als der Inhalt halten kann. Dieses eigentlich hochwertige Set wirkt so dann doch wie eine kleine Mogelpackung. Vermutlich gibt es aber auch nicht mehr Fotos, denn die Band hasste es abgelichtet zu werden. Auch das zunächst vorgesehene Covermotiv für die ursprüngliche Veröffentlichung wurde durch die Aufnahme von Fotograf Jim Marshall ersetzt, die in den frühen Morgenstunden in Macon, Georgia entstand.

 

Entscheidend ist unter dem Strich natürlich auf dem Platz, also der Inhalt der CDs. Hier gibt es eine wilde Mischung aus Southern Rock, Blues und Jazz auf die Ohren. Was später einmal Crossover genannt werden sollte, lief damals noch unter Fusion und The Allman Brothers Band waren die ungekrönten Meister. Vieles mündet in einen ausführlichen Jam und so ist es nicht weiter überraschend, dass sich die einzelnen Songs der verschiedenen Sets teilweise eklatant unterscheiden. So ist das bisher unveröffentlichte „Whipping Post“ von der ersten Show am 13. März 1971 beispielweise zwar epische siebzehneinhalb Minuten lang, die zweite Show an diesem Tag hat aber eine knapp sechs Minuten längere Version zu bieten! Hammer!

 

Unumstrittener Höhepunkt des Sets dürfte „Mountain Jam“ der zweiten Show vom 13. März 1971 sein. Das Stück war eigentlich erst auf dem Nachfolgealbum „Eat A Peach“ veröffentlicht worden. Hier zieht es sich über 35(!!!) Minuten. Was die Band da veranstaltet spottet jeder Beschreibung. Wie sich die Musiker da reinwühlen und dies auch noch auf traumwandlerisch sichere Art und Weise, ist einfach eine Seltenheit. Neil Young und seine Crazy Horse oder die Greatful Dead waren dazu noch im Stande, aber sonst? Da gibt es mittendrin ein kraftvolles Drumsolo, dann wiederum übernimmt die Gitarre die Zügel und zu allem pumpt der Bass, als würde die Sonne nie wieder aufgehen. Sensationell. Dagegen wirkt „In Memory Of Elisabeth Reed“ in der unveröffentlichten Fassung der zweiten Show vom 12. März ja fast handzahm und dabei ist das schon ein Feuerwerk der hohen Musikkunst. Dickey Betts und Duane Allman inszenieren hier eine Intensität, die einfach kaum zu toppen ist. Der Gitarrensound scheint durch Raum und Zeit zu schweben. Dabei ist selbiger zwar sehr kraftvoll, aber wird nie brachial mit der Brechstange zelebriert, sondern immer feinfühlig. Erneut: Sensationell!

 

Die kürzeren Songs wie das eigentlich tolle „Trouble No More“ - ebenfalls unveröffentlicht – oder „Hot `Lanta“ erscheinen dagegen schon fast schon wieder konventionell. Dabei treibt Gregg Allman letztgenanntes Stück mit seiner Orgel unaufhörlich an. „One Way Out“ ist dagegen tatsächlich nur als solide zu bezeichnen. „Statesboro Blues“ - egal in welcher Fassung – zieht den Zuhörer einfach mal in die Tiefen der Sümpfe. Sehr lässig. „Don´t Keep Me Wonderin´“ ist die vertonte Coolness. Verdammte Axt, war das eine gute Live-Band! Und auch im Jahre 2014 ist das noch so aufregend wie 1971! Chapeau!

 

Fazit: „At The Fillmore East“ ist eines der wichtigsten und besten Alben der Rockmusikgeschichte. Das Live-Album gehört in jede vernünftige Musiksammlung. Bisher. Jetzt gibt es mit „The 1971 Fillmore East Recordings“ einen opulenten Nachschlag, der einen noch wesentlich tiefer in die drei Konzerte eintauchen lässt und 16(!) bisher unveröffentlichte Tracks beinhaltet. Die Haptik kommt bei dieser Veröffentlichung auch nicht zu kurz. Optisch ist das feine Teil ein Leckerbissen. Inhaltlich gibt es da einen kleinen Abzug in der B-Note, denn das ist – für diese Ausstattung – doch etwas dürftig. Die Musik ist über jeden Zweifel erhaben! Auf ganz wundervolle Art und Weise lässt sich hier sehr gut nachvollziehen, dass diese Musiker Virtuosen waren. Die Jams und Improvisationen sind traumwandlerisch sicher und wie sich die einzelnen Bandmitglieder an und durch ihre Instrumente ergänzen und dem jeweiligen anderen folgen können, ist schon die ganz hohe Musikkunst. Der Sound dazu ist erstklassig und so lässt sich jede noch so feine Nuance wundervoll heraushören. Für jede Sammlung essenziell!

 

http://www.allmanbrothersband.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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