Tegan and Sara: Heartthrob

Tegan and Sara: Heartthrob

Warner

VÖ: 08.02.2013

 

Wertung: 6/12

 

Die beiden Schwestern Tegan and Sara verwöhnten die letzten Jahre die Fans mit verschiedenen wundervollen Veröffentlichungen. Selbst die Werkschau EP „In Your Head: An Introduction To Tegan And Sara“ zählt irgendwie dazu. Wunderschön war gar das CD/DVD Paket „Get Along“ ausgefallen. Die Freude und Erwartungen an ein neues Studioalbum sind also entsprechend groß. „Heartthrob“ wurde dieses betitelt und in gewissem Sinne stellt die Scheibe nun sogar ein Novum im Hause Tegan and Sara dar. Es ist ja bekannt, dass die Songs jeder für sich alleine im stillen Kämmerlein geschrieben hat. Diese strikte Trennung wurde nun aufgebröselt und erstmals wurden die Stücke gemeinsam auf den Weg gebracht.

 

Multiinstrumentalist Greg Kurstin, Bassist Justin Meldal-Johnsen und Producer Mike Elizondo standen den beiden Damen dabei hilfreich zur Seite. Herausgekommen sind zehn Stücke, die anders sind als alles was Tegan and Sara bisher gemacht haben. Verwechslungsgefahr mit dem bisherigen Schaffen besteht in keinster Weise. „Heartthrob“ wird für Verwirrung und Enttäuschungen sorgen. Wer die Zwillinge bisher für ihre Andersartigkeit im Popgeschäft bewundert hat, wird nun ein langes Gesicht machen. Davon ist fast nichts übrig geblieben. Textlich dreht sich zwar vieles immer noch um die bedingungslose Liebe oder der apokalyptischen Trennung, aber musikalisch positionieren sich Tegan and Sara nun als ein Act unter vielen anderen Popsternchen. Man kann sogar soweit gehen und die Frage stellen, warum man sich „Heartthrob“ eigentlich in den Schrank stellen soll, wenn da doch schon so viele Alben selber Machart stehen?!

 

Pop! Pop! Pop! Dies ist natürlich zunächst kein Verbrechen und gut gemacht kann dies das beste Genre der Welt sein. „Heartthrob“ ist leider meist völlig belanglos und nichtssagend. Bis auf wenige Ausnahmen dudelt das so dahin und man mag kaum glauben, dass sich dahinter Tegan and Sara verbergen. Musik von der Stange. Hier wurde anscheinend das Computerprogramm verwendet, welches so ziemlich jedes Popsternchen auch auf dem Rechner hat. Stimmlich können die beiden sich da auch kaum in eine Ausnahmestellung manövrieren. Einzig „Closer“ hat noch so etwas wie eine zündende Idee zu bieten und gerade der Refrain kann mit einer coolen Gesangslinie überzeugen. Das Ding hat unbestritten Hitqualitäten und ist auch künstlerisch anspruchsvoll.

 

„Goodbye, Goodbye“ fängt wie ein Madonna-Track früherer Tage an, biegt dann aber schnell in Richtung Belanglosecke ab und bollert sich ins Nirwana. Die Ballade „I Was A Fool“ zeigt danach allerdings auch, dass Tegan and Sara in dieser Ecke des Pop durchaus eine gute Figur abgeben können. Der Track mag zwar unspektakulär sein, bezieht aber durch seine Unaufgeregtheit seinen Reiz. „I´m Not Your Hero“ hat auch einen gewissen Charme. Dies ist die Art von Konsenspop, auf den sich alle einigen können - die Indiepopper ebenso wie die Mainstreamhörer. Danach rauschen die Songs aber nur noch an einem vorbei. „Drove Me Wild“ und „How Come You Don´t Want Me“ könnten auch von Ke$ha, Jessie J und Konsorten sein. Wohlwollend betrachtet schafft es „Love They Say“ noch mal ein bisschen die Kiste in eine andere Richtung zu schiffen. Der Song ist nicht mehr ganz so künstlich und mit einer organischen und wärmeren Grundstimmung ausgestattet. „Now I´m All Messed Up“ fängt auch noch ganz vielversprechend an, biegt aber wieder zum programmierten Allerweltspop ab. Schade, denn zumindest teilweise gelingt es den Schwestern hier sich noch mal darauf zu besinnen, dass Musik eben auch mal mit weniger Brimborium auskommt.

 

Fazit: Tegan and Sara wollten mit ihrem neuen Album „Heartthrob“ auf den Dancefloor und den Weg in viele, viele MP3-Player schaffen. Dies dürfte den Zwillingen durchaus gelingen, denn der Großteil der Songs ist derart glattgebügelt und am 08/15 Mainstreampop angelehnt, dass es schon fast zu einer Karikatur verkommt. Nur noch selten blitzt die Einzigartigkeit der beiden auf. Schade, aber wenn ihre Musik so klingen sollte wie der ganze Radiomüll, dann ist dieses Vorhaben zumindest auf ganzer Linie aufgegangen. Tegan and Sara haben sich hier leider den eigenen Stärken beraubt und die Besonderheit ihrer Stimmen und die versponnenen Ideen treten kaum noch zu Tage!

 

http://www.teganandsara.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

Tegan and Sara: Get Along (CD/DVD)

Tegan and Sara: Get Along (CD/DVD)

Warner

VÖ: 18.11.2011

 

Wertung: 10/12

Tipp!

 

Die Zwillinge Tegan and Sara sind nicht nur seit Jahren Kritikerlieblinge, sondern können auch auf eine treue Fangemeinde bauen. Die beiden Damen pflegen ja auch ein inniges Verhältnis zu ihren Anhängern. Nun gibt es ein ganz wunderbares Paket für die treusten der Treuen. „Get Along“ wurde diese tolle Zusammenstellung betitelt anhand derer man den Werdegang von Tegan and Sara nachvollziehen kann.

 

Besonders die DVD gewährt dem Zuschauer einen Blickwinkel auf die beiden Damen, der einen ganz nahe an die Musik, aber eben auch die beiden Persönlichkeiten bringt. Unterteilt wurde das in drei Teile – „States“, India“ und „For The Most Part“ – die einen ganz intimen Einblick gewähren. Es mag sich zwar auf dem Papier unspektakulär lesen, aber gerade jene Momente, die Tegan and Sara mit den Fans beim Signieren von CDs und Platten zeigen, bei einer Fotosession oder eben hinter der Bühne sind auch immer privater Natur, denn man kriegt hier nicht nur die Stars zu Gesicht, sondern eben auch einen Eindruck wie die beiden ticken. Dies ist besonders intensiv bei „States“ verankert. Hier sieht man auch, wie die Fans während der Konzerte den beiden Fragen stellen dürfen. Die Antworten fallen recht lustig („Ey, hat meine Mutter gesagt, Du sollst die Frage stellen?“) und sehr ausführlich aus. So erfährt man dann auch, dass sie besonders glücklich sind, dass ihre Mutter einen Mitschnitt des von ihr besuchten U2 Konzerts zu Hause hat, denn so wüssten sie wenigstens was für Songs ihre Mum gehört hätte, als sie die beiden an diesem Tag einfach alleine gelassen hat – mit den Großeltern. Zu vielen Livebildern erklären die beiden aus dem Off auch noch mal ihren Werdegang und wie sie die Anfänge mit Konzerten in Kaffeehäusern erlebt haben. Während der knapp 30 Minuten gibt es zudem sehr viele Liveeindrücke. Da es sich bei diesem Doku-Teil um die Anfangstage handelt, kommt die Punkvergangenheit der beiden sehr gut zur Geltung und die Auftritte und Darbietungen sind noch recht ruppiger Natur.

 

„India“ befasst sich dann mit der ersten Indien-Tour der beiden. Sie bewegen sich wie ganz normale Touristen durch die Straßen, die Kamera folgt ihnen überall hin. Freunde, Familie und die Crew sind natürlich auch dabei. Hier prallen Welten aufeinander und mit großen Augen wie die Kinder im Spielwarenladen saugen sie die ganzen Eindrücke auf. Als Zuschauer bekommt man so eben auch einen Einblick in diese Welt. Die beiden erklären hier auch noch mal, wie es zu der Indien Tour kam und dass es wichtig für sie ist, dass auch die Mutter und Freunde mit dabei sind. Ein bisschen hat das sogar die Atmosphäre eines Urlaubsfilms. Ernste Töne schlägt die Mutter an, besonders wenn sie von den Sorgen berichtet, die sie sich um ihre Töchter gemacht hat - der Erfolg lässt sich ja nicht planen. Der intimste Moment findet ausgerechnet auf einer riesigen Wiese statt. Sie singen hier völlig unbehelligt wie Straßenmusiker, während man im Hintergrund den Verkehr und ein Dauerhupen hört. Für viele Zuschauer dürfte diese kleine Reise „nach“ Indien auch neu sein und gerade daraus resultiert die Spannung dieser 25-minütigen Doku. Die Umsetzung ist äußerst gelungen – was übrigens auch auf „States" zutrifft. Mit ruhiger Hand hat das Team die ganzen Eindrücke eingefangen und das Material sehr schön und kurzweilig zusammengeschnitten.

 

„For The Most Part“ ist der letzte und gleichzeitig längste Teil der DVD. Hier darf man Tegan and Sara in einem ganz intimen Rahmen bewundern. Zu sehen gibt es ein 70-minütiges Studiokonzert vor 75 Fans in den Warehouse Studios in Vancouver. An zwei Abenden wurde dies aufgezeichnet. Beim ersten Konzert waren nur Freunde und Familie anwesend, die die beiden in solch kleinem Rahmen wohl noch nie live gesehen haben. Launisch liefern sich die beiden während der Veranstaltung eine Unterhaltung mit dem Mann hinter den Reglern. Sie berichten auch, wie frustrierend manche Studiomomente für sie waren und eben der „Mann hinter der Scheibe“ der perfekte Gegenpart gebildet hätte. „Back In Your Head“ wurde dann auch entsprechend aus Live- und Studiobildern zusammengeschnitten. Insgesamt präsentieren sich Tegan and Sara hier sehr konzentriert und angespannt. Überhaupt scheinen die beiden Damen immer sehr fokussiert zu arbeiten – die drei Doku-Teile unterstreichen dies nachhaltig.

 

Damit man bei so viel Bildmaterial aber auch den Fokus voll auf die Musik legen kann, gibt es die ganze Kiste auch noch auf CD als Live-Album! Hier kann man die fünfzehn Songs, die auf das Wesentliche reduziert wurden, ganz intensiv erleben. Kopfhörer empfehlen sich für diesen Genuss ganz besonders.

 

Fazit: „Get Along“ von Tegan and Sara ist die etwas andere DVD/CD-Kombination. Die DVD speist sich aus drei ganz hervorragenden Dokumentations-Teilen. Von den Anfängen bis hin zu einem ganz intimen Konzertrahmen ist man ganz dicht am Geschehen und den beiden Damen dran. Das Konzertmaterial liegt dann zusätzlich noch als CD vor. Der Musik haftet in diesem reduzierten Gewand glatt etwas Verletzliches an. Ein ganz feines Paket wurde hier geschnürt. Fans werden es lieben und wer erstmals dadurch mit Tegan and Sara und ihrer Musik in Berührung kommt, wird spätestens jetzt zum Fan werden!

 

http://www.teganandsara.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

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