Tanita Tikaram: Closer To The People

Tanita Tikaram: Closer To The People

earMUSIC

VÖ: 11.03.2016

 

Wertung: 7,5/12

 

Erinnert sich noch jemand an Tanita Tikaram? Kommt schon, ist nicht so schwer. Zumindest wenn man 1988 schon in der Lage war Musik im Radio zu hören, dann müsste es bei dem Namen doch ganz leise klingeln. „Twist In My Sobriety“, jener Song, der durch dieses dunkle Timbre der Stimme sofort hängen blieb, hat ja nun wahrlich das Geschehen des Jahres 1988 mitgeprägt. Die Nummer kam zwar nur bis auf den zweiten Platz der Charts, aber das hatte damals ja noch einen ganz anderen Stellenwert. Es sollte der einzige Hit von Tanita Tikaram bleiben. Das dazugehörige Album „Ancient Heart“ wurde im Windschatten natürlich auch ein großer Erfolg und knackte sogar die Spitzenposition der Album-Charts. Selbst in den USA konnte sich die Platte unter den Top 60 behaupten. Danach wurde es zusehends ruhiger um Tanita Tikaram. Nach und nach wurden auch die Abstände zwischen den einzelnen Alben immer größer. Das letzte Werk „Can´t Go Back“ wurde 2012 veröffentlicht. Mit „Closer To The People“ kriegen die Fans nun endlich neues Futter für die Ohren.

 

Wie das immer so ist, mit dem einem großen Hit: Segen und Fluch. Vermutlich kann es die Britin, die in Münster geboren wurde, selber nicht mehr lesen und hören, wenn die Sprache auf „Twist In My Sobriety“ kommt. Damit hat „Closer To The People“ nun auch überhaupt nichts mehr zu tun. Wäre ja auch komisch, wenn es so wäre, denn das Stück hat immerhin fast dreißig Jahre auf dem Buckel. „Food On My Table“ ist zwischen Gospel und Jazz nun wirklich gänzlich anders. Die Stimme ist freilich unverkennbar, aber das wiederum ist ja nicht gerade die schlechteste Eigenschaft. Gibt ja schon genug austauschbare Sängerinnen da draußen. Mit dem schmissigen Swing von „Night Is A Bird“ zeigt Tanita Tikaram dann noch mal eine andere Facette von sich. Dies alles wäre aber nicht möglich, wenn sie nicht diese famose Band im Rücken hätte. Von den Bläsern über die Tasten bis hin zu der herkömmlichen Besetzung, ist das schon ganz große Kunst. Zudem hört sich dieser erdige Sound so an, als wäre das live aufgenommen worden.

 

Die Balladen gewinnen durch die Klangfarbe der Stimme zusätzlich noch an Dringlichkeit und Intensität. Das tieftraurige „My Enemy“ wird einen mit einer dicken Gänsehaut aus diesem Album entlassen. Die Reise geht mit „Glass Love Train“ noch auf seltsamen Pfaden los. Die hektischen Streicher passen nicht so ganz zum Rest. Mit dem dezenten Blues von „Cool Waters“ wird es aber merklich besser. Und auch der Folk-Unterbau von „The Way You Move“ kommt ganz gefällig daher. Freilich gewinnt man damit keinen Innovationspreis und auch eine jüngerer Hörerschaft dürfte damit nicht angesprochen werden. Tanita Tikaram schrammt mit ihren Songs und der Art der Interpretation immer leicht am Chanson vorbei. „Closer To The People“ ist da ebenso keine Ausnahme wie „Gris Gris Tails“. Natürlich ist das auch Jazz und die Instrumentierung ist schon ziemlich weit draußen. „The Dream Of Her“ kommt den 70ern musikalisch schon sehr nahe. Tanita Tikaram entdeckt hier ihre ganz eigene Version des Souls. „Don´t You Turn Back On Me“ nimmt dem Album an dieser Stelle aber endlich mal etwas die musikalische Schwere und Düsternis. Das kommt regelrecht poppig und beschwingt rüber.

 

Fazit: Tanita Tikaram hat mit „Closer To The People“ mal wieder ein Album aufgenommen. Die Songs sind zwischen Blues, Soul, Gospel und Folk ziemlich weit abseits des musikalischen Mainstreamgeschehens des Jahres 2016. Die besondere Klangfarbe ihrer Stimme verleiht den Stücken zusätzlich eine besondere Atmsophäre. Das ist nicht immer aufregend, manchmal auch etwas zu schwermütig, aber musikalisch erstklassig umgesetzt.

 

http://www.tanita-tikaram.com/

 

Text: Torsten Schlimbach

S U C H E
Loading

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Dream Out Loud Magazin: © Torsten Schlimbach / Header: © Kai Knobloch